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Noch Fragen?

Frage Nummer 43395 AndyWoWo

Was tun gegen Kugelkäfer? Muss da der Kammerjäger kommen?

Antworten (8)
HerakIit1970
Ich würde den Bach im Haus trocken legen, denn Kugelkäfer leben im Uferbereich langsam fliessender kleinerer Gewässer.
Sockenpuppe
Wenn sich der Kugelkäfer mit dem Pistolenkäfer zusammentut, brauchst du unbedingt eine Schussweste!
VikBrownn
Kugelkäfer halten sich dort auf, wo viel Feuchtigkeit ist. Die Käfer richten einen nicht unerheblichen Schaden an Materialien an. Die Bekämpfung sollte an deren Entwicklungsort stattfinden. Die Bekämpfung sollte alle Hohlräume erfassen. Da diese Maßnahmen langwierig und aufwendig sind, sollten diese nur von Fachbetrieben durchgeführt werden. Eine Bekämpfung kann mit Amorphe Silikatstäuben, welche für den Menschen ungiftig sind, durchgeführt werden.
Isabel König
Wenn ein solcher Schädlingsbefall vorhanden ist, ist es eigentlich die Aufgabe des Vermieters, diese zu bekämpfen. Sollte es sich wirklich um Kugelkäfer handeln, gibt es natürlich auch Hausmittel. Allerdings ist nicht bewiesen, ob die Käfer dann wirklich weg sind. Ein Kammerjäger hilft in dem Fall wirklich besser weiter.
Eli_23
Wenn sich die Kugelkäfer und ihre Larven zum Beispiel in einem alten Fachwerkhaus festgesetzt haben, kommt man wahrscheinlich leider nicht an einem Kammerjäger vorbei. Im Anfangsstadium kann man sie mit Sikagel selber bekämpfen. Es handelt sich um ein Kontaktgift. Leider muss man aber sagen, dass die Ausrottung dieser Hygieneschädlinge nicht ganz einfach ist und Hausmittelchen nicht wirken, sondern die Chemiekeule geschwungen werden muss.
Ameise
Massenvermehrung von Kugelkäfern und/oder Messingkäfern hat nach meiner Erfahrung immer eine Ursache. Nur Käfer "bekämpfen" ist wie den Überbringer der Nachricht bestrafen. Der Befall hat Herkunft und Ziel. Viele mögliche Gegenmaßnahmen, können einander ausschließen oder ergänzen/verstärken. Neuerdings wird die biologische Bekämpfung mit Schlupfwespen beworben. Falls jemand damit Erfahrung hat, bitte melden. Schädlingsbekämpfer sind wie Häuser, Bewohner und die Umstände : sehr verschieden. Wo ein Schädlingsbekämpfungs-Profi gebraucht wird, gilt es, den richtigen zu finden. Manchmal ist der ganze Ort durchwachsen. Selbst dann ist was machbar. Bekämpfung erfordert entweder viel Geld - oder Lernbereitschaft, sorgfältige Planung, Achtsamkeit und Geduld. Wer lange wartet, braucht u,U. beides. Die Frage war gut zum Warmschreiben, deshalb die späte Antwort. Einige Plagen begannen übrigens nach einer Ameisenbekämpfung.

Zusammenfassung : Kammerjäger und Eigeninitiative sinnvoll kombinieren.
herfatz
Ich hatte in meiner Wohnung (Bj 1602) auch eine Riesen-Plage und sammelte täglich rund 50 von den Biestern ein mit einem Klebestab. Hatten sich aber immer weiter vermehrt. Habe alle möglichen Kabelschacht-Deckel und Steckdosen mit Silikon verdichtet, aber habe z. B. einen groben Parketboden mit jeder Menge ritzen, den man nicht rausmachen kann. Da sitzen wohl sehr viele.

Schlupfwesten habe ich mal halbherzig probiert (sind ja auch höllisch teuer) und damit keinen Erfolg verspürt.
Chemie wollte ich eigentlich nicht in der Wohnung versprühen.

Hatte mal Kieselgur in einer Schüssel mit ein paar "Versuchstieren" probiert, weil das mal irgendwo beworben wurde, hatte auch keine Wirkung.

Im Moment laufen sehr erfolgversprechende Versuche mit einem Milben-Bekämpfungsmittel namens Mitex. Kostet rund 15 EUR und hält ewig, pflanzlicher Wirkstoff, der auch in Hühnerställen verwendet wird und für Säugetiere unschädlich sein soll.

Hatte mal für 10 Tage ein paar Meter Krepp-Band durch die Wohnung gezogen als ich im Urlaub war. Dieses hatte ich mit dem verdünnten Mitex eingepinselt und die meisten bei meiner Rückkehr wieder eingesammelt. Jedes Tier, das darüber lief war ein paar cm weiter zum Stillstand gekommen. Das waren anscheinend auch so viele, dass ich jetzt kaum mehr Probleme habe. Das Krepp-Band habe ich dann wieder eingesammelt. Habe jetzt nur noch zwei meterlange Stücke an unscheinbaren Ecken kleben und die sammeln (nach 10 Wochen) noch fleisig die Tierchen ein.

Habe mich damit abgefunden, dass ich mit einer Handvoll von den Viechern leben muss, aber die große eklige Masse ist jetzt weg. Bei Bedarf wäre eine Wiederholung wenn die Seuche wieder kommt eine Wiederholung auch sehr einfach, weil ich noch massig von dem Zeug habe.
Schneckenprofi
Da das Thema "Kugelkäfer" aktueller denn je scheint (obwohl dieser Kanal sehr alte Einträge beinhaltet) und ich beruflich mit der biologischen Bekämpfung von Kugelkäfern befasst bin, möchte ich gern aus meiner professionellen Warte einige Überlegungen und Erkenntnisse in den Dialog einbringen. Grundsätzlich gibt es drei Methoden der Bekämpfung: mit Chemie mittels Begasung und Erhitzen durch den Kammerjäger, mit Silikatpulver / Kieselgur (welches übrigens kein Gift ist wie von einem Leser geschrieben, sondern ein Austrocknungsmittel) und zum Dritten schließlich mit Lagererzwespen. Diese dritte, biologische Methode kann durch den Kammerjäger vorgenommen werden; man kann die sehr kleinen und nicht stechenden Schlupfwespen der Art Lariophagus aber auch selbst aussetzen. Das ist nicht schwierig oder gefährlich und man kann im Grunde auch nichts falsch machen.

Teuer sind alle drei Methoden, da sowohl die Dienstleistung wie auch die Materialien und Nützlinge selbst nicht billig sind. Häufiger habe ich schon gelesen, dass man die Kugelkäfer durch Abdichten aller Ritzen und Fugen mit Silikon von den Wohnräumen fernhalten könne. In sehr vielen Beratungsgesprächen höre ich aber schlussendlich die ernüchternde Erkenntnis heraus, dass die Käfer doch immer ein Schlupfloch finden.

Die Antwort auf die Ausgangsfrage, ob man einen Kammerjäger braucht, ist deshalb abhängig von der Methode, für die man sich entscheidet. Insektizide bringt der Kammerjäger aus, Silikatpulver in der Regel ebenfalls, Nützlinge werden hingegen häufig von den betroffenen Hausbesitzern selbst ausgebracht.

Welche Methode ist aber angeraten, um die Kugelkäfer dauerhaft aus dem Haus zu entfernen? Hierbei sind unterschiedliche Randbedingungen in die Entscheidung einzubeziehen. Bei der Begasung wird das Haus "eingepackt" und ist für Wochen nicht bewohnbar. Die Maßnahme ist ferner für den gesamten Ort offensichtlich. Will man dies alles und will man seine Wohnung mit Chemie "fluten" lassen? Falls nicht, scheidet dieser Weg aus. Für Hotels, Pensionen, Vermieter usw. wäre überdies der Imageschaden beträchtlich. Eine Begasung lässt sich kaum diskret durchführen.

Bei der Behandlung mit austrocknenden Pulvern kommt zwar keine Chemie zum Einsatz und die Maßnahme kann unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorgenommen werden, allerdings ist die Wirkung leider häufig nur von kurzer Dauer, da es schwierig ist, das Pulver wirklich an alle Orte zu blasen, an denen die Kugelkäfer ihre Nester bauen. Weiterer Nachteil: Ist das Pulver erst einmal eingeblasen, können danach keine Nützlinge mehr eingesetzt werden, da diese durch das Pulver sterben würden. Aus meiner Sicht ist ein Bestäuben dann sinnvoll, wenn man den Befallsherd genau ausmachen kann. In diesem Fall kann das Pulver ganz gezielt an den entsprechenden Stellen verwendet werden und wirkt sicher. Der Haken an der Sache: Der Befallsherd ist meist nicht klar, weil die Kugelkäfer sich im Verborgenen fortpflanzen. In Zwischenwänden und Zwischendecken nämlich.

Und hier kommen die Lagererzwespen ins Spiel, sofern vorher keine Chemie und kein Kieselgur verwendet wurden! Die Lagererzwespen Lariophagus sind so winzig und können die Kugelkäfernester so gut riechen, dass sie sich in den Zwischenwänden sehr gezielt bis zu diesen vorarbeiten und die Schädlinge durch Parasitierung vernichten. Nach Abschluss der Maßnahme sterben auch die Lagererzwespen, so dass die biologische Methode quasi rückstandsfrei ist - im Gegensatz zu den zuvor geschilderten Methoden. Aber einen Nachteil gibt es auch hier: Die Lagererzwespen müssen sehr häufig über viele Monate hinweg immer wieder neu ausgesetzt werden, da sie sich weniger schnell fortpflanzen als die Kugelkäfer und auch weniger widerstandsfähig gegen Hitze und Kälte sind. Um die klimatischen Hindernisse zu überwinden, wird häufig ein Kugelkäfer PowerPack verwendet. Es beinhaltet zwei unterschiedliche Arten von Schlupfwespen. Eine Art verträgt besonders kalte Temperaturen, die andere hingegen besonders warme. Trotzdem macht das Aussetzen alle 6 Wochen Arbeit und natürlich fallen die Kosten für die Nützlinge, die per Kurierdienst gebracht werden, immer wieder erneut an. Die biologische Methode ist aus Gründen der Diskretion für Beherbergungsbetriebe die erste Wahl. Die Schlupfwespen sind nach dem Ausbringen, welches in belegungsfreien Zeiten von statten gehen kann, für Gäste nicht mehr sichtbar.

Was allen Betroffenen grundsätzlich klar sein muss: Garantien gibt es leider für keine der geschilderten Wege, wohingegen die praktischen Erfahrungen aus vielen Jahren des Einsatzes von Lagererzwespen für diese Methode sprechen. Hier weiter ins Detail zu gehen, würde sicher den Rahmen sprengen. Ich hoffe aber, ein wenig Struktur in den Entscheidungsprozess gebracht haben zu können und stehe für individuelle Auskünfte gern zur Verfügung, wenn mir eine Mailadresse oder eine Rückrufnummer übermittelt wird. Ein kleiner Trost zum Abschluss: Die Kugelkäfer sind nicht gefährlich und übertragen nach allem, was man bisher weiß, keine Krankheiten. Also bewahren Sie die Ruhe und gehen Sie die Bekämpfung strategisch an!