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+++ Newsticker zum Castortransport +++: 150 Verletzte bei Castor-Protesten

Mehr als 100 Demonstranten und rund 35 Polizisten sind bisher während der Proteste gegen den Castortransport verletzt worden. Wann der Zug Dannenberg erreicht, ist unklar.

+++ 19.33 Uhr: 150 Verletzte bei Castor-Protesten +++

Mehr als 100 Demonstranten und rund 35 Polizisten sollen bislang während der Proteste gegen den Castor-Transport im niedersächsischen Wendland verletzt worden sein. Sanitäter hätten seit Beginn der Anti-Castor-Proteste am Donnerstag rund 110 Atomkraftgegner behandelt, sagte die Leiterin der Sanitätszentrale am Samstag in Dannenberg. Viele Demonstranten erlitten Augenverletzungen durch Pfefferspray, andere Prellungen durch Schlagstöcke. Ein Sprecher der Polizei sprach von etwa 35 verletzten Beamten - die meisten durch Steine oder Tränengas der Atomkraftgegner.

Demonstranten haben laut Polizei bislang insgesamt 16 Polizeiautos beschädigt, unter anderem sieben durch Steinwürfe und zwei durch Brandsätze wie Molotowcocktails. Die Zahl der Festnahmen liege im unteren zweistelligen Bereich. Einige Verfahren seien eingeleitet worden, hauptsächlich wegen schweren Landfriedensbruchs.

+++ 17.33 Uhr: Sitzblockade behindert Castortransport +++

Mehr als 1000 Atomkraftgegner blockieren vor der Ankunft des Castorzugs mit Atommüll die Bahnstrecke im Wendland. Die Demonstranten setzten sich auf die Schienen, ein großes Polizeiaufgebot postierte sich an der Strecke. Die Blockierer wollen den Castor-Zug mit den elf Atommüll-Behältern so lange wie möglich aufhalten.

Die Anti-Atom-Initiative "Widersetzen" spricht von 2000 Menschen bei der Sitzblockade, die Polizei geht von 1200 und einem raschen Zulauf aus. Im vergangenen Jahr hatten die Atomkraftgegner 20 Stunden auf den Gleisen bei Harlingen ausgeharrt, die Räumung durch die Polizei dauerte rund sechs Stunden. Wann der Castor-Transport Dannenberg erreichen wird, ist unklar. Dort werden in der Verladestation die Behälter auf Lastwagen für die letzte Etappe ins Zwischenlager Gorleben umgeladen.

+++ 16.12 Uhr: Brandanschlag auf Bahnstrecke Berlin-Hamburg +++

Auf die Bahnstrecke zwischen Berlin und Hamburg ist ein Brandanschlag verübt worden - gut 60 Kilometer vom niedersächsischen Gorleben entfernt. Ein Zusammenhang mit dem Castortransport sei nicht auszuschließen, heißt es aus dem Lagezentrum des Polizeipräsidiums in Potsdam. Der Verkehr auf der ICE-Strecke ist gestört, aber nicht eingestellt.

Gegen 4.30 Uhr hatten Unbekannte bei Karstädt (Brandenburg) Benzin in einen Kabelkanal neben der Bahnstrecke gegossen und angezündet. Bei dem Feuer wurden Kabel teilweise zerstört. Bislang gibt es laut Polizei noch keine Hinweise, wer für den Anschlag verantwortlich ist. "Es kann durchaus auch ein Einzeltäter sein", heißt es aus dem Lagezentrum.

+++ 15.27 Uhr: 23.000 Demonstranten in Dannenberg +++

Zu der zentralen Demonstration gegen den Castor-Transport ins Zwischenlager Gorleben haben sich nach Angaben der Veranstalter 23.000 Menschen im niedersächsischen Dannenberg versammelt. Weitere 2500 Menschen seien auf den Schienen, um den Zug mit den elf Castoren mit hochradioaktivem Atommüll zu blockieren, teilt die Organisation x-tausendmalquer mit. Die Polizei hatte zunächst von 5200 Teilnehmern bei der Kundgebung in Dannenberg gesprochen, korrigierte ihre Angabe auf Anfrage dann aber auf 8000 nach oben.

Unter den Demonstranten in Dannenberg sind Familien mit kleinen Kindern, Jugendliche und ältere Menschen. Zwischen gelben Fahnen mit der Aufschrift "Atomkraft - Nein Danke" wehen grüne und rote Luftballons. Die Menschen tragen gelbe x-Kreuze als Anhänger oder Aufnäher, sogar Hunde tragen Anti-Akw-Aufkleber.

+++ 14.30 Uhr: Wieder Zusammenstöße mit der Polizei +++

Vor dem Eintreffen des Castor-Transports mit Atommüll für das Zwischenlager Gorleben kommt es am Samstagnachmittag im niedersächsischen Wendland erneut zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei. Mehrere hundert Menschen versuchen, in einem Waldgebiet auf die Castor-Schienenstrecke zu gelangen. Sie sollen Gleise beschädigt haben.

Nach Angaben von Augenzeugen setzt die Polizei Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Dabei habe es Verletzte gegeben. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur DPA berichtet, die Beamten hätten auch Journalisten mit Reizmitteln angegriffen. Unterdessen versammeln sich tausende Atomkraftgegner aus ganz Deutschland zu einer Kundgebung in Dannenberg. Dort ist es bislang friedlich.

+++ 14.07 Uhr: Kretschmann fordert Konsens bei Endlager +++

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) fordert einen "nationalen Konsens" bei der Suche nach einem atomaren Endlager. Vor den Delegierten des Grünen-Parteitags in Kiel sagt Kretschmann: "Das einzige Kriterium kann sein: Was ist der sicherste Standort?" Der Bund und alle 16 Bundesländer hätten sich zu einer offenen Endlagersuche bekannt.

"Das Allerwichtigste in diesem Prozess ist, dass niemand aussteigt, dass wir niemand die Möglichkeit geben, mit leichten Gründen da auszusteigen", sagt der Grünen-Politiker weiter. "Das ist keine Alibiveranstaltung, die wir hier machen, und am Ende landet der Müll doch in Gorleben." Angela Merkel warnte er davor, wegen der Euro-Krise die Umsetzung der Energiewende zu verschleppen.

+++ 12.55 Uhr: Castorgegner kritisieren Polizei +++

Kurz vor dem Höhepunkt der Proteste gegen den Castor-Transport ins Zwischenlager Gorleben äußern die Atomkraftgegner Kritik an dem bisherigen Verhalten der Polizei. Die Vorsitzende der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, Kerstin Rudek, verurteilt das "hohe Aggressionspotential" der Polizei. Sie bezieht sich insbesondere auf einen Einsatz in der Nacht zum Samstag in der Ortschaft Metzingen, rund 25 Kilometer von Gorleben entfernt. "Die Polizei war sehr aggressiv", sagt Rudek. "Die Menschen fühlten sich bedroht." Es habe einen Schlagstockeinsatz gegeben sowie einen Hundebiss. 20 Menschen seien verletzt worden.

Nach Rudeks Angaben hat die Bürgerinitiative vier Anwälte sowie ein Sanitätsteam nach Metzingen geschickt. Die Polizei hatte zuvor von Gewalt seitens der Demonstranten in Metzingen berichtet. Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atomkraftbewegung ausgestrahlt, appelliert derweil an die Polizei, sich gegenüber den Demonstranten zurückzuhalten. "Wir sind interessiert an Deeskalation. Aber das gelingt nur, wenn die Polizei mitmacht."

+++ 11.28 Uhr: Castorzug kommt in Region Lüneburg an +++

Der letzte Castortransport mit hochradioaktiven Atomabfällen aus La Hague erreicht die Region Lüneburg mit dem Zwischenlager Gorleben im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Der Zug mit elf Castorbehältern hat die Landeshauptstadt Hannover passiert und befindet sich nach einem halben Dutzend von Atomkraftgegnern erzwungenen kurzen Zwangsstopps auf den letzten Kilometern vor Lüneburg.

Von dort aus folgen nun noch einmal 60 Schienenkilometer nach Dannenberg und danach die letzte Etappe von 19 Kilometern auf Lastwagen nach Gorleben. Auf diese beiden Etappen konzentriert sich traditionell der Widerstand. Zudem findet am Mittag in Dannenberg die zentrale Kundgebung statt, zu der Tausende von Demonstranten erwartet werden.

+++ 8.22 Uhr: Castortransport erreicht Niedersachsen +++

Begleitet von Protesten erreicht der Castortransport mit Atommüll am Samstagmorgen Niedersachsen. Bei Eichenberg in der Nähe von Göttingen muss der Zug wegen Gleisblockaden stoppen. Ein Polizeisprecher in Lüneburg sagt, es seien rund 20 Menschen auf den Gleisen.

Schon am Freitag rollte der Zug nach mehreren Zwangsstopps in Süddeutschland Richtung Norden. In der Pfalz und in Hessen zwangen Demonstranten den Transport mehrfach zum Halten.

+++ 0.33 Uhr: Castorgegner im Wendland werfen Steine +++

Castorgegner lösen in der Nacht von Freitag zu Samstag im Wendland erneut einen Einsatz der Polizei aus. Protestierer hätten in dem Ort Metzingen Steine auf Einsatzkräfte geworfen, sagt ein Sprecher der Polizei in Lüneburg. Eine blockierte Straße soll geräumt werden, heißt es kurz nach Mitternacht. Die Anti-Atom-Organisation X-tausendmalquer berichtet, es seien auch Wasserwerfer zum Einsatz gekommen. Das bestätigt die Polizei bislang jedoch nicht.

+++ 0.32 Uhr: Castorproteste auch in Hessen +++

Der Atommülltransport stößt auch bei der Fahrt durch Hessen auf heftigen Protest. Zwischen Darmstadt und Dieburg musste der Zug nach Angaben eines Polizeisprechers am Freitagabend vorübergehend halten, weil Castorgegner auf den Gleisen standen. Nachdem sie fortgebracht worden waren, sei der Zug weitergefahren. Bei Marbach in der Nähe von Fulda entdeckte eine Streife Aktivisten, die sich von Bäumen abgeseilt hatten. "Wir bemühen uns, die zu entfernen, so dass der Zug fahren kann", sagte der Sprecher der Polizei in Fulda.

+++ 18.38 Uhr: Castorzug in Pfalz gestoppt +++

Der Atommülltransport ins niedersächsische Gorleben muss auf dem Weg durch Rheinland-Pfalz am frühen Freitagabend einen außerplanmäßigen Halt einlegen. Im pfälzischen Haßloch liefen rund 200 Atomkraftgegner auf die Gleise, wie ein Sprecher der Bundespolizei mitteilt. Der Zug mit den Castorbehältern wird daher zwischen Neustadt an der Weinstraße und Haßloch gestoppt. Es habe mehrere Festnahmen gegeben.

mlr/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters