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#IRunWithMaud Warum in den USA gerade hunderte Menschen Videos von sich beim Joggen ins Netz stellen


Unter dem Hashtag "IRunWithMaud" joggen derzeit hunderte Menschen in den USA. Sie gedenken damit Ahmaud Arbery. Der Afroamerikaner wurde im Februar erschossen, weil ihn seine Mörder für einen Einbrecher hielten.

Richard Demsick ist nicht verrückt. Und doch wirkt es im ersten Moment so. Der ehemalige Pastor aus Vero Beach, einer Kleinstadt im Osten Floridas, ist in einem Video zu sehen, wie er mit einem Flachbildfernseher unter dem Arm oberkörperfrei durch seine Nachbarschaft joggt, während er in die Kamera seines Handy spricht: "Ich laufe oberkörperfrei mit einem Fernseher unter meinem Arm. Irgendjemand muss mich doch anhalten. Aber falls nicht: Was war das Problem mit Ahmaud?"

Der Clip wurde inzwischen millionenfach aufgerufen und vielfach in den sozialen Netzwerken geteilt. Es ist ein Akt der Solidarität. Demsick setzte mit seiner Aktion ein Zeichen für Ahmaud Arbery. Der 25-jährige Afroamerikaner wurde im Februar erschossen, als er gerade durch eine Wohngegend in der Nähe von Brunswick, Georgia, joggte.

Überwachungskameras bringen Licht ins Dunkel

Es wurde zunächst niemand festgenommen. Erst nachdem ein Video in der vergangenen Woche auftauchte, kamen die Ermittlungen in Gang. Darin ist zu sehen, wie Arbery von zwei Männern verfolgt und erschossen wird. Daraufhin wurden nun ein 64-jähriger ehemaliger Polizist und sein 34-jähriger Sohn festgenommen. Sie sollen Arbery erschossen haben. Berichten zufolge sagten die beiden Verdächtigen der Polizei, sie glaubten, Arbery hätte einem mutmaßlichen Einbrecher ähnlich gesehen, der zuvor auf Überwachungskameras festgehalten worden war.

Ein weiteres Video der Überwachungskamera eines Hauses in der Nähe des Tatortes zeigt Arbery, wie er beim Joggen eine Pause einlegt und ein verlassenes Haus betritt. Ein Nachbar soll währenddessen einen Notruf abgesetzt haben, in dem er einen Einbrecher meldete. Laut seinen Anwälten hielt sich Arbery weniger als drei Minuten auf dem Grundstück auf und beschädigte nichts. Die beiden Verdächtigen hatten die Szene offenbar beobachtet. Sie verfolgten den 25-Jährigen, als er das Haus verlies. Wenig später war er tot.

#IRunWithMaud: Hunderte joggen für Arbery

Am 10. Mai wäre Ahmaud Arbery 26 Jahre alt geworden. Im seinem Andenken startet sein ehemaliger Football-Coach Jason Vaughn den Hashtag #IRunWithMaud (auf Deutsch: "Ich renne mit Maud") auf Twitter. Seither zeigten sich viele Menschen im Netz solidarisch – so auch Richard Demsick.

Aber auch Prominente wie Basketball-Star LeBron James äußerten sich zum Fall. "Wir werden JEDEN TAG/JEDES MAL buchstäblich gejagt, wenn wir unsere eigenen vier Wände verlassen! Können nicht mal joggen gehen. Was zum Teufel, Mann, soll das ein Witz sein?!?!?!?!?!?", schrieb der Profi der Los Angeles Lakers am Donnerstag zu einem Bild von Arbery auf Twitter.

In der Tat kam es in den vergangenen Jahren mehrfach zu willkürlichen Gewalttaten gegen Schwarze in den USA. 2012 wurde der 17-jährige Trayvon Martin aus Florida von einem Freiwilligen der Nachbarschaftswache erschossen. Auch er wurde verdächtigt, in der Nachbarschaft Einbrüche begangen zu haben. Sein Mörder kam vor Gericht – und wurde freigesprochen.

Quelle: "New York Times"

rpw

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