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"Maersk Alabama": Kapitän wollte Piraten davonschwimmen

Fluchtversuch auf hoher See: Der von Piraten gekidnappte Kapitän des Frachters "Maersk Alabama" hat offenbar erfolglos versucht, schwimmend aus der Gewalt seiner Entführer zu entkommen. Unterdessen schicken die US-Streitkräfte Verstärkung in die Region.

Der vor Somalia verschleppte amerikanische Kapitän Richard Phillips hat offenbar vergeblich versucht, aus der Gewalt der Piraten fliehen. Wie der US-Fernsehsender CNN berichtete, wollte der 53-Jährige am Freitag seinen Kidnappern davonschwimmen. Den Piraten sei es aber gelungen, ihn wieder in das Rettungsboot zu schaffen. "Der Kapitän ist unverletzt", berichtete der Sender. Ohne den Kapitän des Containerschiffs "Maersk Alabama" wären die Seeräuber nach ihrem gescheiterten Überfall vom Mittwoch ohne jedes Faustpfand auf hoher See.

Die Piraten hatten die "Maersk Alabama" am Mittwochmorgen 500 Kilometer vor der somalischen Küste zunächst gekapert, ihr eigenes Schiff war dabei gesunken. Die 20-köpfige US-Crew brachte das Schiff jedoch wieder in ihre Gewalt. Die vier Seeräuber flohen mit Kapitän Philipps auf ein Beiboot, das inzwischen ohne Benzin in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem US-Zerstörer "USS Bainbridge" im Indischen Ozean dümpelt. Nach Informationen des britischen Rundfunksenders BBC haben die Piraten an Bord des Beibootes Wasser und Lebensmittel für eine Woche.

Die vier Seeräuber verlangen Lösegeld für die Freilassung des Kapitäns, sagte der Zweite Offizier der "Maersk Alabama", Ken Quinn, in einem Telefongespräch mit dem US-Nachrichtensender CNN. Während der Frachter wieder Kurs auf seinen kenianischen Zielhafen Mombasa genommen hat, verhandeln FBI-Experten mit den Piraten über die Freilassung des Kapitäns. Unterdessen verstärken die US-Streitkräfte ihre militärische Präsenz am Horn von Afrika. Die USA wollten sicherstellen, dass für die nächsten Tagen alle möglicherweise gebrauchten Ressourcen vorhanden seien, erklärte der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte im Mittleren und Nahen Osten, General David Petraeus. Möglicherweise bekommen auch die Seeräuber Verstärkung. Angeblich wollen andere Piraten ihren Kollegen zu Hilfe eilen, sagte Andrew Mwangura vom Ostafrikanischen Seefahrerprogramm.

Befreiung der "Hansa Stavanger" durch GSG 9 offenbar geplatzt

Im Fall des ebenfalls von Piraten gekaperten Frachters "Hansa Stavanger" mit fünf deutschen Seeleuten an Bord hatte die Bundesregierung Medienberichten zufolge eine Befreiungsaktion durch die Eliteeinheit GSG 9 erwogen. Dies sei aber daran gescheitert, dass die Seeräuber das Containerschiff zu schnell zu ihrem Stützpunkt in der Bucht von Harardere an der somalischen Küste gebracht hätten, berichtete der "Spiegel". Laut "Focus" kam die Aktion wegen eines Zuständigkeitsstreits zwischen dem Bundesinnenministerium und dem Verteidigungsministerium nicht zustande.

Beide Nachrichtenmagazine berichteten, dass ein Kommando der Anti-Terror-Einheit der Bundespolizei bereits auf dem Weg nach Kenia gewesen sei beziehungsweise bereitgestanden habe. Das Auswärtige Amt, in dem ein Krisenstab an der Freilassung der Entführten arbeitet, wollte zu den Berichten keine Stellungnahme abgeben. Eine Sprecherin sagte am Freitag auf Anfrage lediglich: "Der Krisenstab bemüht sich weiter intensiv um eine Lösung des Falles."

Das Containerschiff mit insgesamt 24 Besatzungsmitgliedern war am 4. April rund 400 Seemeilen vor der somalischen Küste von Seeräubern gekapert worden. Es fährt für die Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg. Das Schiff wurde 1997 gebaut, ist 170 Meter lang und kann 1550 Standardcontainer laden.

Ruf nach Gerichtshof für Piraterie

Hamburgs Justizsenators Till Steffen (Grüne) forderte am Freitag, einen internationalen Gerichtshof zur Verfolgung von Piraterie einzurichten. Deutschland hat bislang in zwei Fällen festgenommene Piraten an Kenia überstellt, wo ihnen der Prozess gemacht werden soll. "Auf Dauer ist es keine Lösung, das Problem bei der kenianischen Justiz abzuladen", sagte Steffen. "Besonders die Idee des Verbandes Deutscher Reeder, diesen Gerichtshof in Hamburg beim Internationalen Seegerichtshof aufzubauen, sollten wir zügig prüfen."

DPA/AP / AP / DPA