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50. Jahrestag des Mauerbaus Touristen auf der Suche nach der geteilten Stadt


Am 13. August wird des Mauerbaus vor 50 Jahren gedacht. Touristen suchen in Berlin nach Spuren der einst geteilten Stadt. Wo sind die Grenzen zwischen seriöser Erinnerung, Kommerz und Rummelatmosphäre?

Am Brandenburger Tor in Berlin wehen DDR-Fahnen. Als DDR-Soldaten kostümierte Männer posieren mit Touristen für ein Foto. "Ich hab kein Problem mit der Uniform, ich bin die nächste Generation", sagt unbekümmert der junge Mann, der sich Charlie nennt und in einer Leutnantsuniform der Nationen Volksarmee der DDR steckt. Ein Foto gibt es gegen Trinkgeld. Gleich nebenan tummeln sich auch Breakdancer, Porträtmaler, Karten- und Stempelanbieter. In übermannsgroßen Tierfiguren wie dem Berliner Bären schwitzen junge Menschen.

Muss eine solche Rummelatmosphäre an dem historischen Ort toleriert werden? Gerade jetzt, da Berlin des Mauerbaus vom 13. August 1961 gedenkt? Schließlich war auch das Brandenburger Tor ein Symbol der Teilung. Nach dem Mauerbau stand es im abgesperrten DDR-Grenzstreifen - unerreichbar.

Die Meinungen zu der Szenerie reichen vom Schulterzucken bis zu Verbotsforderungen. "Ist doch einfach eine Touristenattraktion hier", befindet der aus dem Ostteil der Stadt stammende Christian Schmeller, der sich noch gut erinnern kann, wie er vor dem Tor einen Blick in den Westen zu erhaschen versuchte.

"Geschmackloses Treiben am Tor"

Doch der Leiter der Stasiopfer-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, meint, es sei "höchste Zeit", öffentliches Zeigen von Symbolen kommunistischer Organisationen unter Strafe zu stellen. In Ungarn würden dafür Geldstrafen verhängt. Für viele Opfer sei das geschmacklose Treiben am Tor belastend. Der Berliner Grünen-Abgeordnete Andreas Otto nennt es Verharmlosung. "Wenn nicht mal im 50. Jahr des Mauerbaus ein Zeichen dagegen gesetzt wird, ist das ein Manko", sagt er der dpa.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) stört sich zwar an "so ein bisschen Disneyland", wie er dem Deutschlandfunk sagte. Das sei aber schwer zu unterbinden. "Das ist mit unserer Rechtsordnung nicht hinzukriegen." Das Brandenburger Tor sei ein öffentlicher Ort, "da können sich auch Menschen hinstellen".

Kulturstaatssekretär André Schmitz verweist auf die Gedenkstätten in der Bernauer Straße und im früheren Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen. "Über fünf Millionen Besucher in den Gedenkstätten und zeitgeschichtlichen Museen Berlins sprechen da eine deutliche Sprache."

Easy Money am Checkpoint Charlie

Doch die liegen nicht gerade im Zentrum der Stadt. Am einstigen Grenzkontrollpunkt Checkpoint Charlie an der Friedrichstraße dagegen drängeln sich die Touristen, das Geld sitzt locker. Ein Foto mit falschen US-Soldaten vor einem wiederaufgebauten Wachhäuschen ist für 2 Euro zu haben, eine durchsichtige Plastikkugel mit einem angeblich echten Mauerstückchen für 15 Euro. Auch Gasmasken, bedruckte Shirts, Blechtassen und Karten mit DDR-Stempeln finden Abnehmer.

Gesucht wird offensichtlich Erinnerung zum Anfassen. Sperranlagen und Wachtürme sind auch hier, wo sich in den Tagen nach dem Mauerbau US-amerikanische und sowjetische Panzer gegenüberstanden, längst abgerissen. Das schmale Band aus Kopfsteinpflaster, das an den Verlauf der Mauer markiert, sehen viele erst auf den zweiten Blick.

Zwischen Eis- und Bratwurst-Ständen mittendrin: das schon in den 60er Jahren gegründete private Mauermuseum. 12,50 Euro Eintritt sind zu berappen, Historiker schmähen die Sammlung schon mal als Sammelsurium. Sei's drum: Michael Scholz aus Osnabrück, der sie sich mit seiner Familie ansieht, findet es wichtig, die Geschichte der Mauer an die jüngere Generation weiterzugeben. Für die 13-jährige Tochter Lena war neu, wie sich Menschen in Fluchtautos versteckten.

Trotz aller Kritik am geschäftigen Checkpoint-Charlie-Rummel gehört das private Museum zu den am besten besuchten der Hauptstadt. Zwar möchte die Stadt den geschichtsträchtigen Ort nicht der kommerziellen Verwertung allein überlassen. Immerhin ist dort im Berliner Gedenkkonzept ein Museum des Kalten Krieges vorgesehen. Doch das lässt weiter auf sich warten: Vor Ende 2014 werde es wohl nichts werden, verlautet aus dem Senat.

Jutta Schütz, DPA DPA

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