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Nach dem Ende von Roe v. Wade Lange Wartezeiten bei Abtreibungskliniken wegen Andrang aus anderen US-Staaten

Eine Abtreibungsbefürworterin hält ein Protestschild vor dem Obersten Gerichtshof in Washington hoch
Termine für Abtreibungen sind in den USA seit dem Ende von Roe v. Wade in vielen Kliniken nur schwer zu bekommen 
© Sue Dorfman / ZUMAPRESS.com / Picture Alliance
Immer mehr Schwangere, die in den USA eine Abtreibung durchführen wollen, müssen dafür nach dem Ende von Roe v. Wade in andere US-Staaten reisen. Durch den Andrang müssen Betroffene auch in den Staaten, wo Abtreibungen legal bleiben, immer länger auf Termine warten.

Bis im Juni galt durch das Grundsatzurteil "Roe v. Wade" aus dem Jahr 1973 grundsätzlich ein landesweites Recht auf Abtreibung in den USA. Nachdem der Oberste Gerichtshof das Urteil zuletzt gekippt hatte, ist das Recht auf Abtreibung wieder Sache der einzelnen US-Staaten. In einigen wurden Abtreibungen seitdem bereits verboten oder stark eingeschränkt, für andere wird dies noch erwartet. 

Seit dem Ende des landesweiten Rechts müssen in den USA viele Schwangere, die abtreiben möchten, dafür in US-Staaten reisen, in denen dies weiterhin legal ist. Laut einem Bericht der "New York Times" führt dieser wachsende Andrang bereits jetzt dazu, dass Termine für Abtreibungen auch in den Staaten, wo diese bislang legal geblieben sind, immer schwieriger zu bekommen sind.

Oft mehrere Wochen Wartezeit für Termine bei Abtreibungskliniken 

Vor dem Ende von Roe v. Wade mussten Frauen laut "New York Times" in den meisten Teilen der USA im Durchschnitt fünf Tage auf Termine in Abtreibungskliniken warten – ein Wert, der sich bisher zwar nur leicht erhöht habe. Allerdings habe die Wartezeit bei 22 Prozent der Kliniken in Städten, die sich in der Nähe von Staaten mit Abtreibungsverboten befinden, laut einer landesweiten Umfrage Mitte Juli bei mehr als drei Wochen gelegen. Dieser Umfrage zufolge, die das Middlebury College vom 11.-14. Juli in Kliniken durchgeführt hat, sei besonders New Mexico betroffen. Der Staat liegt unter anderem an der Grenze zu Texas und Oklahoma, die Abtreibungen nach dem Ende von Roe v. Wade bereits verboten haben. Demnach habe bei fünf von sieben Abtreibungskliniken in New Mexico die Wartezeit für einen Termin bei mindestens drei Wochen gelegen – einige hätten zu diesem Zeitpunkt sogar gar keine Termine vergeben können. 

Die längeren Wartezeiten führen dazu, dass viele Betroffene noch weiter reisen müssten, um eine Klinik zu finden. Man wisse bereits aus Untersuchungen, dass logistische Hürden, wie lange Anfahrten, Abtreibungen in einigen Fällen verhinderten – vor allem bei von Armut Betroffenen, berichtet die "New York Times" weiter. Gleichzeitig würden durch lange Wartezeiten bei Terminen viele Abtreibungen erst zu einem späteren Zeitpunkt in der Schwangerschaft stattfinden – was vielerorts gar nicht möglich ist. In Ohio, Tennessee, Georgia und South Carolina ist bereits eine Regelung in Kraft getreten, nach der Abtreibungen zwar nicht komplett verboten, aber nach sechs Wochen nicht mehr erlaubt sind. Generell gilt, dass medikamentöse Abtreibungen überall in den USA nur bis zur zehnten Schwangerschaftswoche erlaubt sind. Da Frauen aber meist frühestens nach vier Wochen erfahren, dass sie schwanger sind, könnten wochenlange Wartezeiten auf Termine in Kliniken medikamentöse Abtreibungen für sie erschweren.

Lange Wartezeiten belasten Betroffene

Mit der Abtreibung länger warten zu müssen, würde die Behandlung nicht nur medizinisch komplizierter und teuer machen. Auch die körperlichen und emotionalen Folgen könnten für Betroffene sehr belastend sein, warnt Dr. Lisa Hofler vom "University of New Mexico Center for Reproductive Health" in der "New York Times". In der gynäkologischen Abteilung, in der sie arbeitet, müssten Patientinnen momentan sechs Wochen auf einen Termin für eine Abtreibung warten – falls sie überhaupt einen Termin bekommen. 

Adrienne Mansanares, CEO von "Planned Parenthood" in New Mexico, Nevada and Colorado, berichtete der Tageszeitung, man habe zwar mit einem höheren Ansturm gerechnet und versucht, sich darauf vorzubereiten. Dennoch sei es für ihre Organisation schwierig, auf die hohe Nachfrage in New Mexico zu reagieren. Auch in Colorado könne die Situation bald schwierig werden, wenn mehr benachbarte Staaten Abtreibungsverbote erlassen. Wenn die gesundheitliche Versorgung nicht rechtzeitig ausgebaut wird, würde sich die Situation immer weiter verschärfen, warnte sie.

Einige Betreiber von Kliniken für Schwangerschaftsabbrüche haben nun allerdings Pläne angekündigt, die die Wartezeiten für Betroffene verbessern könnten. Unter anderem "Whole Women's Health" und die "Jackson Women’s Health Organization" wollen Kliniken verlegen oder weitere eröffnen, um den Andrang in Staaten wie New Mexico abzufedern. 

Quelle: "New York Times" (I), "New York Times" (II)

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