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Transport nach England: Affenbaby Rieke muss Berlin verlassen

Orang-Utan-Baby Rieke verlässt Berlin in Richtung England. In der neuen Heimat wartet schon ein Spielkamerad. Er teilt ein ähnliches Schicksal.

Nach der Geburt ist das Affenmädchen Rieke von ihrer Mutter verstoßen worden. Die Tierpfleger im Berliner Zoo ziehen es seitdem mit der Flasche auf

Nach der Geburt ist das Affenmädchen Rieke von ihrer Mutter verstoßen worden. Die Tierpfleger im Berliner Zoo ziehen es seitdem mit der Flasche auf

Wenn es um das Wohl von Affen geht, kann Alison Cronin richtig kratzbürstig werden. "In Großbritannien ist es genauso leicht einen Schimpansen als Haustier zu kaufen wie einen Goldfisch", wettert sie, als sie vor dem Umweltausschuss des britischen Parlaments als Sachverständige geladen ist. Die Frau meint es ernst.

Seit über 20 Jahren kümmert sie sich in der Monkey World in Wool (Grafschaft Dorset) um zurückgelassene, geschlagene, vernachlässigte und misshandelte Affen. Die Monkey World ist das weltweit anerkannteste Zentrum dieser Art. Und es ist die neue Heimat von Rieke, dem Urang-Utan-Baby, das seit Januar im Berliner Zoo aufgepäppelt wurde.

Rettungszentrum für Menschenaffen

Alison Cronin hat das Zentrum an der südenglischen Kanalküste gemeinsam mit ihrem amerikanischen Mann Jim gegründet. Damals holten die beiden Schimpansen von den Stränden der Welt, die dort als Touristenattraktionen herhalten mussten. Heute leben auf dem 25 Hektar großen Gelände mehr als 250 Affen, darunter drei Gruppen Orang Utans und rund 60 Schimpansen.

Die Monkey World ist inzwischen nicht nur das größte Auffangbecken und Rettungszentrum für Menschenaffen weltweit. Es ist auch eine Attraktion für die Urlauberregion im Süden Englands. Vor allem Familien mit Kindern zieht es in den Erlebnispark.

Spielkamerad Bulu wartet bereits

Künftig werden sie dort auch Rieke bestaunen. Am Montag wird das am 12. Januar in Berlin geborene Urang-Utan-Baby nach einer 1300 Kilometer langen Reise zusammen mit Tierart Dr. André Schüle und seinem Tierpfleger Christian Aust in England eintreffen.

Die große Hoffnung ist, dass vor allem einer der Bewohner sie besonders herzlich in Empfang nimmt: Seit Weihnachten lebt in Dorset ein kleiner Sumatra-Orang-Utan mit Namen Bulu Mata, selbst erst fünf Monate alt. "Wir freuen uns, dass Rieke in Monkey World nicht nur ein neues Zuhause unter Artgenossen, sondern auch einen Spielkameraden in ihrem Alter bekommt", sagt Tierpfleger Aust.

Große Hoffnung für das Waisenbaby

Die Pfleger in Berlin wie in Dorset hoffen, dass Rieke und Bulu Mata schnell Freunde werden und wie Geschwister aufwachsen können. Bulu Matas Mutter ist nur eine Woche nach der Geburt verstorben. Orang-Utan-Damen im Park haben sich dem Affen-Baby angenommen und es versorgt. Eines der Weibchen hat eine besonders soziale Ader - sie hatte bereits zuvor ein dreijähriges Junges adoptiert. Ob sie sich auch um Rieke kümmert, muss sich zeigen.

Aber auch für den Fall, dass sich keine der Affendamen für die Mutterschaft Riekes erwärmen sollte, sind die Engländer gerüstet. Die Pfleger tragen spezielle Mäntel, die dem Fell der Affen nachempfunden sind. So sollen sich die Kleinen geborgener fühlen, etwa wenn sie mit der Nuckelflasche gefüttert oder mit Windeln für neugeborene Menschenbabys gewickelt werden.

Oder wenn sie die kleinen Äffchen einfach umhertragen. Orang-Utan-Mütter tragen ihre Jungen in freier Natur sieben Jahre lang am Körper.

lib/DPA / DPA