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AKW Krümmel: Transformator war vorgeschädigt

Ursache des Brandes im Atomkraftwerkes Krümmel war laut Betreiber "Vatterfall" eine Vorschädigung des Transformators. Die Schnellabschaltung des Reaktors sei aber unnötig gewesen. Krümmel komplett abzuschalten wird allerdings nicht erwägt.

Acht Tage nach dem Zwischenfall im AKW Krümmel hat der Betreiber Vattenfall eine ganze Reihe von Komplikationen und Fehler eingeräumt. Ursache für den Kurzschluss sei möglicherweise eine Vorschädigung des Transformators gewesen, erklärte das Unternehmen am Freitag in Hamburg. Im Anschluss habe der Reaktorführer unnötigerweise von Hand eine Schnellabschaltung eingeleitet und Rauch sei in die Reaktorwarte gedrungen. Außerdem gestand das Unternehmen eine Fehleinschätzung bei der Kommunikation ein. Erst am Freitag wurde bekannt, dass bei dem Brand auch Rauch in die Reaktorwarte gelangte, wie das für Reaktorsicherheit zuständige Sozialministerium in Kiel mitteilte. In der so genannten Warte wird der Reaktor gesteuert. Wenn die Mitarbeiter dort nicht mehr arbeiten können, wäre das Kraftwerk möglicherweise führungslos.

Mögliche Vorschädigung des Transformators

Das Bundesumweltministerium verlangte Aufklärung von der Landesaufsicht in Schleswig-Holstein und von Vattenfall. Man habe zu einem "bundesaufsichtlichen Gespräch" gebeten, erklärte das Ministerium in Berlin. Dieses soll am Montag in Kiel stattfinden. "Die Zuluft wird gefiltert, dennoch sind Brandgase in Schaltgebäude gedrungen", erklärte der Geschäftsführer der Vattenfall Europe Nuclear Energy GmbH, Bruno Thomauske auf einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz.

Bei einigen Mitarbeitern habe dies eine Reizung der Schleimhäute ausgelöst. "Der Reaktorfahrer selbst hat nach Öffnen der Ventile eine Gasmaske angelegt", sagte Thomauske. Nun müsse die Konzentration der Brandgase und eine mögliche gesundheitliche Bedrohung untersucht werden. Zur Entstehung des Brandes sagte Thomauske: "Wir Führen dies auf eine mögliche Vorschädigung des Transformators zurück." Nach dem derzeitigen Kenntnisstand sei ein vorangegangener Zwischenfall im AKW Brunsbüttel nicht ursächlich für den Transformatorbrand in Krümmel. Die Netzsituation sei an diesem Tag unauffällig gewesen. Ein Transformator ohne Vorschädigung hätte den Spannungswechsel ohne Problem überstanden, sagte Thomauske. Nun werde der Transformator auseinander genommen und untersucht. Die eigentliche Schnellabschaltung war nach Angaben von Thomauske nicht notwendig.

In dem hier vorliegenden Fall hätte man sich damit ein bis zwei Tage Zeit lassen können. Nun müsse geklärt werden, warum sich der Reaktorführer nicht wie vorgeschrieben rückversichert habe.

Künftig alle Störfälle unverzüglich im Internet

Zur Informationspolitik nach dem Zwischenfall sagte Thomauske, man habe den Brand und die Sicherheit im Vordergrund des öffentlichen Interesses gesehen und darüber informiert, nicht jedoch über die weiteren Folgen. "Wir räumen ein, dass wir dieses auf Grund anderer Erfahrungen unterschätzt haben", sagte Thomauske. Eine Schnellabschaltung 2005 habe kein derartiges Medieninteresse gefunden. Thomauske kündigte an, dass Vattenfall künftig über alle Störfälle umgehend im Internet berichten werde. Vattenfall wird sich nach eigenen Angaben nun auf die Reinigungsarbeiten und die weiteren Untersuchungen der Vorfälle konzentrieren. Man prüfe außerdem, ob die für August geplante Revision wie vom Sozialministerium angeregt vorgezogen werde. Thomauske rechnete jedenfalls damit, dass die gesamten Arbeiten noch sieben bis acht Wochen dauern könnten. "Wie erwägen nicht, Krümmel komplett abzuschalten", sagte Thomauske auf die entsprechende Frage.

Am Donnerstag vor einer Woche hatte im AKW Krümmel im schleswig-holsteinischen Geesthacht ein Transformator nach einem Kurzschluss Feuer gefangen. Gutachter machten einige Tage später publik, dass es in der Folge weitere Zwischenfälle gegeben habe und auch der Reaktor betroffen gewesen sei. Vattenfall hatte zuvor immer gemeldet, der Reaktor sei nicht betroffen gewesen.

Simone Utler/AP / AP