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Aosta-Tal: Eltern lassen drei kleine Kinder in Pizzeria zurück

In Italien verstehen drei kleine Kinder die Welt nicht mehr: Nachdem sie mit ihren Eltern in einer Pizzeria essen waren, sind die Erwachsenen spurlos verschwunden und haben das Trio im Alter von zwei Monaten, zwei und sechs Jahren allein zurückgelassen. Die italienische Polizei hat die Fahndung aufgenommen.

Die italienischen Behörden sind auf der Suche nach einem deutschen Paar, das seine drei kleinen Kinder in einer Pizzeria im Aosta-Tal zurückgelassen hat. Die beiden wollten angeblich nur kurz eine Zigarette rauchen gehen, sind dann aber spurlos verschwunden. Die Kinder im Alter von etwa sechs Monate, zwei und sechs Jahren sind nach Angaben eines Polizeisprechers gesund, wirken aber verwahrlost.

Die Familie saß beim gemeinsamen Essen, als die 26-jährige Frau und ihr 24-jähriger Begleiter die Pizzeria verließen, um vor der Tür zu rauchen. Als sie nach längerer Zeit nicht zurückkehrten, schauten die Mitarbeiter der Pizzeria erst auf dem Parkplatz und auf der Toilette nach, weil sie sich nicht vorstellen konnten, dass die Erwachsenen einfach verschwinden. Die Kinder haben von alledem nichts mitbekommen und in aller Ruhe weitergegessen. Nach einer längeren Zeit informierten die Mitarbeiter die Polizei, die die Fahndung einleitete. Laut Pizzeria-Besitzer Carmelo Casella war für die Kinder unvorstellbar, dass ihre Eltern einfach verschwunden sind: "Die zwei älteren Kinder wussten von nichts. Sie glauben, ihre Mutter ist zur Toilette gegangen und hat nicht den Weg zurück gefunden", sagte er im italienischen Fernsehen.

Das Auto des Duos wurde später am Stadtrand von Aosta gefunden, laut einer Polizeimitteilung deuteten Hinweise darauf hin, dass die Mutter und ihr Lebensgefährte, der nicht der leibliche Vater der Kinder ist, "offenbar in Schwierigkeiten steckten". Neben finanzieller Not vermuten die italienischen Behörden außerdem Drogenprobleme.

Die Kinder sind noch am Sonntagabend ins Krankenhaus von Aosta gebracht und untersucht worden. Gesundheitlich seien sie fit. Jetzt kümmert sich der Sozialdienst um die Drei. Über Interpol wurde inzwischen die Großmutter ausfindig gemacht, ein Gericht in Turin muss entscheiden, ob die Kinder der Frau übergeben werden können.

Die Familie war den Angaben zufolge bereits am Samstag in der bei Touristen beliebten Stadt in den italienischen Alpen angekommen. Ihnen soll das Benzin in ihrem Kleinwagen ausgegangen sein. Sie hatten sich ohne Gepäck in einem nahe gelegenen kleinen Hotel einquartiert, in dem sie ursprünglich bis Montag bleiben wollten. Der Besitzer des Hotels sagte, die jungen Leute hätten einen "völlig normalen Eindruck gemacht". Erst später sei aufgefallen, dass die vorgelegte Kreditkarte bereits abgelaufen war.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP sollen die abgetauchten Eltern aus dem Kreis Olpe stammen. Ihnen sei inzwischen das Sorgerecht entzogen worden, wie eine Sprecherin des Landgerichts Siegen mitteilte. Demnach hat das Jugendamt des Kreises Olpe den Entzug des Sorgerechts am Dienstag vor dem Amtsgericht Lennestadt erwirkt.

DPA/AP / AP / DPA
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