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Nach dem Tod eines Feuerwehrmannes: Taxifahrer filmte Attacke von Augsburg – Polizei sieht keine Schuld beim Opfer

Beinahe eine Woche nach der tödlichen Attacke in Augsburg, bei der ein Feuerwehrmann starb, ist ein Video aufgetaucht. Es soll den Vorfall dokumentieren. Die Polizei will den Film eines Taxifahrers mit in die Ermittlungen aufnehmen.

Improvisierte Gedenkstätte auf dem Königsplatz in Augsburg

Augsburg kommt auch eine Woche nach dem Tod eines 49-jährigen Feuerwehrmannes nicht zur Ruhe. Bei den Ermittlungen nach der tödlichen Attacke hat die Kriminalpolizei inzwischen eine sogenannte Dashcam ausgewertet. Diese Frontscheibenkamera aus einem Taxi soll die Tat aufgezeichnet haben. Das Video, über das die "Augsburger Allgemeine" zuerst berichtete, führte in der Augsburger Bevölkerung und in diversen Internetforen zu Debatten und heizte Spekulationen darüber an, ob die Opfer den Streit am zentralen Königsplatz provoziert hätten.

Rolf Werlitz, Leiter der Staatsanwaltschaft Augsburg

Rolf Werlitz, Leiter der Staatsanwaltschaft Augsburg, hat aufgrund des großen öffentlichen Interesses an den Hintergründen zum Tod eines Feuerwehrmannes sogar eine Pressekonferenz einberufen.

Am vergangenen Freitagabend waren die zwei befreundeten Ehepaare mit einer siebenköpfigen Gruppe Jugendlicher in Streit geraten. Ein 49-jähriger Mann starb nach einem heftigen Schlag gegen den Kopf, sein 50-jähriger Freund wurde ebenfalls verletzt. Die Attacke sorgte bundesweit für Aufsehen, auch weil  — nachdem bekannt wurde, dass es sich bei dem Getöteten um einen Feuerwehrmann handelte — die Anteilnahme in und um Augsburg groß war.

Warum der stern das Video nicht zeigt

Der Film, der auch dem stern vorliegt, zeigt knapp 15 Sekunden lang in dürftiger Qualität eine Männergruppe. Im Nebel sind Personen zu erkennen, die in eine Rangelei geraten – und wie ein Mann zu Boden geht. Wie die Polizei bestätigt, handelt es sich um den 49-jährigen Feuerwehrmann, der seinen durch einen Schlag erlittenen Verletzungen erlag. Auch die Überprüfung der Szenen durch die stern-Redaktion stützt die Echtheit des Materials. Details des Ortes und der Szene passen zum bisher bekannten Ermittlungsstand. Der stern wird dieses Video, auf dem ein Mensch in den letzten Minuten kurz vor seinem Tod zu sehen ist, trotzdem nicht zeigen. Aus Rücksicht auf die Angehörigen und Freunde des Feuerwehrmannes und seines verletzten Freundes. 

Die Augsburger Polizei hat inzwischen bekannt gegeben, dass sie das Video des Taxifahrers in ihre Ermittlungen mit einfließen lassen will. Die Beamten gehen nach aktuellem Kenntnisstand nicht davon aus, dass das Opfer durch sein Verhalten die mutmaßlichen Täter provoziert und den tödlichen Schlag selbst verschuldet hat.

Anwälte zweifeln die Vorwürfe an

Seitdem das Video aufgetaucht ist, wird allerdings vor allem in Augsburg heftig über den möglichen Tathergang diskutiert. Insbesondere um die kurze Rangelei ranken sich wilde Spekulationen: Wer hat angefangen? Wer hat wen geschubst? Neben dem 17-jährigen Hauptverdächtigen wurden zu Wochenbeginn auch alle anderen sechs Mitglieder der Gruppe verhaftet.

Den jungen Männern wird Beihilfe zum Totschlag vorgeworfen. Doch genau das sei nach Betrachten der Videosequenzen fragwürdig, argumentieren die Anwälte mehrerer mutmaßlicher Mittäter. Der Augsburger Allgemeinen sagte der Anwalt Klaus Rödl, was auf dem Video zu sehen sei, weiche nach seiner ersten Einschätzung gravierend von dem ab, was im Haftbefehl stehe.

Stadt der Augsburger Puppenkiste von Gewalt schockiert

Für Augsburg, das sich trotz seiner Größe von knapp 300.000 Einwohnern gerade zur Adventszeit eine bayerische Gemütlichkeit bewahrt hat, ist die Gewalttat ein großes Thema. Die beiden Ehepaare hatten einen gemeinsamen Abend auf dem Augsburger Christkindlesmarkt verbracht, als sie auf die jugendliche Gruppe trafen. Der Weihnachtsmarkt, dessen Tradition bis in das Jahr 1498 zurückreicht, ist vielen Augsburgern heilig.

Viele Augsburger verbinden die Innenstadt mit Kindheitserinnerungen. Da ist die Engeles-Backstube für Kinder im obersten Stock eines Kaufhauses oder das Weihnachtsmärchen, das jedes Jahr in den Schaufenstern der Geschäfte von der Augsburger Puppenkiste erzählt wurde. Jetzt ist es ein Ort, an dem Kerzen und Blumen liegen und Zettel mit Fragezeichen: Warum töten Kinder? Der mutmaßliche Haupttäter, ein junger Mann, in Augsburg geboren, ist gerade einmal 17 Jahre alt.

Quellen: dpaAugsburger Allgemeine

Von:

sowie Verena Lugert