Bilanz 2008 Zahl der Drogentoten schnellt in die Höhe


Alarmierende Trendwende: 2008 sind in Deutschland 1449 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums gestorben, so viel wie seit fünf Jahren nicht mehr. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung befürchtet einen weiteren Anstieg in den nächsten Jahren.

Die Zahl der Drogentoten ist im vergangenen Jahr deutlich angestiegen. 2008 starben im Vergleich zum Vorjahr 3,9 Prozent mehr Rauschgiftabhängige, teilte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, am Dienstag mit. Insgesamt 1449 Menschen kamen durch den Konsum illegaler Drogen ums Leben, 55 mehr als im Jahr zuvor. So viele Drogentote gab es seit 2003 nicht mehr.

In den kommenden Jahren sei mit einem weiteren Anstieg zu rechnen, weil Folgeerkrankungen wie Hepatitis C neue Opfer forderten, sagte Bätzing. Erstmals seit 2004 stieg auch die Zahl der erstauffälligen Konsumenten wieder, im vergangenen Jahr um rund drei Prozent, wie der Präsident des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, mitteilte.

19.203 Menschen seien im Jahr 2008 erstmals als Drogenkonsumenten bei den Behörden aufgefallen. Dies seien aber keine "Probierer" oder "Gelegenheitskonsumenten", sondern auch Menschen, die bereits seit Jahren süchtig, aber bisher noch nicht auffällig geworden seien.

Grund für den Anstieg bei der Zahl der Drogentoten seien besonders die vermehrten Todesfälle älterer Abhängiger. Die Hälfte der Opfer habe mehrere illegale Drogen zeitgleich konsumiert. Hauptursache sei eine Überdosis gewesen. Rund 70 Prozent kamen im privaten Umfeld ums Leben. "Das Bild vom Drogentoten auf dem Bahnhofsklo gehört der Vergangenheit an", sagte Bätzing.

Außerdem gebe es in Deutschland verstärkt Haschisch aus Afghanistan. Die Polizei spüre verstärkt Cannabisplantagen auf, allein 517 im vergangenen Jahr. Insgesamt stagniere die Nachfrage nach Drogen ungeachtet aller Aufrufe gegen Rauschgift auf hohem Niveau, räumte Bätzing ein.

Sie forderte, die Behandlung mit dem Heroin-Ersatzstoff Diamorphin auszubauen. Diamorphin bringe bessere Erfolge als die Behandlung mit Methadon. Nach vier Jahren Erfahrung mit Diamorphin habe es keine Toten während einer Diamorphin-Therapie gegeben, sagte Bätzing. Bätzing wies auch auf die soziale und psychische Verelendung der Abhängigen hin. Rund ein Drittel der Opiatabhängigen hätten einen Suizidversuch hinter sich, erklärte Bätzing.

AP/DPA AP DPA

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