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Bis zu 200 Tote vor Indonesien: Flüchtlingsboot sinkt in Hai-verseuchten Gewässern

Auf der Suche nach neuem Lebensglück in Australien sind bis zu 200 Bootsflüchtlinge vor Indonesien umgekommen. Die Hoffnung, Überlebende zu finden, ist gering. Das Meer ist voller Haie.

Ein völlig überladenes Flüchtlingsboot mit vermutlich 250 Menschen an Bord ist vor Indonesien in einem Sturm gesunken. Nach australischen Medienberichten sollen etwa 40 Kinder auf dem Boot gewesen sein. Nur zwei Jungs, die etwa neun oder zehn Jahre alt seien, befänden sich unter den Geretteten. Ein paar Dutzend Menschen seien von Fischern gerettet worden, aber es bestehe wenig Hoffnung, weitere Überlebende zu finden, teilte die Küstenwache mit. Die See vor Ostjava war rau, das Meer wimmelte vor Haien, und nach Angaben von Überlebenden waren nicht genug Schwimmwesten an Bord. Das Schiff sollte die Menschen nach Australien bringen. Dort gaben Menschenrechtler der Regierung in Canberra Mitschuld an der Tragödie.

Das Boot war nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Antara nur für 100 Menschen zugelassen. Es habe indonesischen Menschenhändlern gehört, die die Flüchtlinge - die meisten aus Afghanistan und dem Iran - auf die zu Australien gehörende Weihnachtsinsel unweit des indonesischen Festlands bringen wollten. Das Unglück ereignete sich am Samstag rund 60 Kilometer vor der Küste von Prigi in Ostjava, sagte ein Sprecher der Rettungsleitstelle in Surabaya. Die Indonesier sprachen von 33 Überlebenden, die australische Regierung von 87.

"Überlebende berichteten, dass das Schiff Maschinenschaden hatte und durch den hohen Wellengang Wasser an Bord kam", einer der Rettungshelfer, in einem Telefoninterview. Nach seinen Angaben besteht nur geringe Hoffnung, dass sich Schiffbrüchige auf nahe Inseln gerettet haben. Das Boot habe nur wenig Rettungswesten an Bord gehabt, sagte ein anderer Helfer im Rettungszentrum in Surabaya. "Wir fürchten, dass die Menschen mit dem Schiff untergegangen sind, denn wir haben in den vergangenen 24 Stunden keine Überlebenden mehr gefunden."

"Boat people" und Menschenrechte

Flüchtlinge aus dem Nahen Osten versuchen oft, über Indonesien nach Australien zu gelangen. Sie können ohne Visum nach Malaysia und von dort problemlos nach Indonesien reisen. Schlepper verlangen für die Passage nach Australien umgerechnet rund 2000 Euro pro Person. Im November kamen acht Menschen um, als ein Boot mit Flüchtlingen aus dem Iran, Pakistan und Afghanistan vor Westjava sank. Das schwerste Unglück passierte im Oktober 2001: Damals ertranken 354 Menschen.

Weil Australien Flüchtlingsboote beschlagnahmt, setzen die Schlepper nach Angaben von Menschenrechtlern kaum seetaugliche Boote ein, sagte ein Anwalt der Agentur AAP. Die hohen Strafen für Schlepper bedeuteten, dass nur noch zwielichtige Gestalten mit wenig Erfahrung unterwegs seien. Der Anwalt vertritt Überlebende eines anderen Unglücks vor der Weihnachtsinsel vor einem Jahr. Damals zerschellte ein Flüchtlingsboot während eines Sturms an Felsklippen. Rund 50 Menschen kamen ums Leben.

Keine der großen australischen Parteien kann mit einem überzeugenden Konzept zum Umgang mit Flüchtlingen aufwarten, kritisieren Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International. Einen umstrittenen Stellenwert hat der Begriff "boat people" (in etwa: Schiffsvolk), mit dem illegale Einwanderer von Politikern und der Presse bezeichnet werden. Der Terminus ist in Australien überaus umstritten, da er direkt auf die Ankunft der weißen Siedler im 18. Jahrhundert anspielt, welche ebenfalls per Schiff nach Australien kamen und das Land ohne Rücksicht auf die Bewohner in Besitz nahmen.

Hilfsorganisationen fordern, dass Flüchtlingen der legale Weg nach Australien geebnet wird. In Asyllagern waren nach Regierungsangaben Ende Oktober 5138 Menschen untergebracht, je knapp ein Drittel aus Afghanistan und dem Iran.

ono/DPA / DPA