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Antisemitismus Neonazi an jüdischem Grab beerdigt – Antisemitismusbeauftragter stellt Anzeige

In Stahnsdorf, südwestlich von Berlin wurde ein Neonazi auf dem Grab eines jüdischen Wissenschaftlers beerdigt (Symbolfoto)
In Stahnsdorf, südwestlich von Berlin wurde ein Neonazi auf dem Grab eines jüdischen Wissenschaftlers beerdigt (Symbolfoto)
© Dirk Pagels / Picture Alliance
Eine Beerdigung in Stahnsdorf in Brandenburg sorgt für Aufsehen: Ein bekannter Neonazi wurde am vergangenen Freitag ausgerechnet auf dem Grab eines jüdischen Wissenschaftlers beerdigt. Daraufhin hat der Antisemitismus-Beauftragte des Landes Berlin, Samuel Salzborn, nun Strafanzeige erstattet.

Am vergangenen Freitag versammelten sich bekannte Neonazis, Revisionisten und Holocaustleugner auf dem Friedhof in Stahnsdorf südwestlich von Berlin, wo ein jüdischer Musikwissenschaftler begraben ist. Henry Hafenmayer, bekannt als Holocaustleugner, Rechtsextremist und Antisemit, wurde nämlich ausgerechnet auf dem Grab des im Jahr 1934 verstorbenen Juden Max Friedländer beerdigt.

Der Grabstein, welcher noch als Aufschrift den Namen des jüdischen Wissenschaftlers Max Friedländer trug, war während der Beerdigung mit einem schwarzen Tuch bedeckt. Friedländer wurde laut der Musikenzyklopädie "Musik in Geschichte und Gegenwart" "wegen seiner jüdischen Abstammung von den Nationalsozialisten aus allen Ämtern verdrängt."

Beerdigung von Henry Hafenmayer: Größen aus der Nazi-Szene anwesend

Bei der Beerdigung waren prominente Personen aus der Szene anwesend, darunter Horst Mahler, der unter anderem wegen wiederholter Holocaust-Leugnung mit Unterbrechungen von 2006 bis 2020 in Haft war. Auch dessen ehemalige Frau Sylvia Stolz, die ebenfalls die Shoa leugnet, war anwesend. Weitere Anwesende waren Gerd Walther, zuletzt 2021 zur einer achtmonatigen Haftstrafe wegen Volksverhetzung verurteilt, Dennis Ingo Schulz, wegen antisemitischer Videos zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, sowie die aus Großbritannien angereiste Holocaustleugnerin Michèle Renouf.

Außerdem nahmen weitere Neonazis an der Bestattung teil: Darunter seit vielen Jahren aktive Figuren, der norddeutsche Kader Thomas "Steiner" Wulff oder Michel Fischer aus Thüringen, der bereits in verschiedenen Neonazigruppen aktiv war und aktuell für den Zusammenschluss "Neue Stärke Erfurt" in Aktion tritt. Anwesend waren auch NPD-Mitglieder wie Richard Miosga aus Berlin, ehemaliger Kandidat für das Bezirksparlament. Der ebenfalls anwesende rechte Medienaktivist Nikolai Nerling ("Der Volkslehrer") berichtete, dass Stolz, Mahler und Wulff eine Ansprache bei der Trauerfeier hielten.

"Der Holocaust war ein wichtiger Bezugspunkt für mich": Wie tickt ein Neonazi?

Ein weiterer Anwesender war Uwe Meenen. Der ehemalige Berliner NPD-Landesvorsitzende hatte die Trauerfeier offenbar organisiert und zuvor einen Spendenaufruf gestartet. Darin stand geschrieben. "Henry starb mittellos und hat keine Verwandten, so daß für die erheblichen Bestattungskosten im Kameradenkreis gesammelt werden muß."

Die Anwesenden legten mehrere Kränze an Hafenmayers Grab nieder, teilweise waren darauf die Reichskriegsflagge abgebildet. "Die Rechte Dortmund" dankte dem verstorbenen Neonazi für seinen "Kampf um die Wahrheit". Über einem Bild des Toten hing ein Zettel mit den Daten über seine Person. Auf dem Zettel stand zudem das Zitat aus dem Johannesevangelium ("Und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen") geschrieben.

Berliner Antisemitismus-Beauftragte erstattet Strafanzeige

Der Antisemitismus-Beauftragte des Landes Berlin, Samuel Salzborn, hat daraufhin am Dienstag mitgeteilt, Strafanzeige wegen des Verdachts der Störung der Totenruhe, der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener und der Volksverhetzung erstattet zu haben. "Die Absicht liegt hier auf der Hand, dass Rechtsextremisten bewusst ein jüdisches Grab gewählt haben, um durch die Beisetzung eines Holocaustleugners die Totenruhe zu stören", sagte Salzborn.

Das "gesamte Friedhofsetting mit verurteilten Holocaustleugnern bei der Beisetzung" verlange nach einer strafrechtlichen Überprüfung. Salzborn sei mit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) "im konstruktiven Austausch", welche Konsequenzen der Vorfall haben soll. Es müsse geprüft werden, ob und wie schnell die sterblichen Überreste von Hafenmayer umgebettet werden können, um das würdige Andenken an den Max Friedländer nicht länger zu stören.

Quelle:bnr.de, B.Z.


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