Die „Rettung“ von Timmy, dem Buckelwal, war anscheinend eine qualvolle Angelegenheit. Details der Rettungsaktion deuten darauf hin, dass das Tier während der dramatischen Befreiung schwere Blessuren davongetragen haben könnte – wie genau, ist aber unklar.
Nach Angaben von Crewmitglied Jeffrey Foster lief der Einsatz Anfang Mai unter schwierigen Bedingungen ab: starker Seegang, Zeitdruck und ein Tier, das sich in der engen Lage auf der Barge kaum noch bewegen konnte, so der Walexperte in der „Bild“-Zeitung.
„Timmy“ übersät mit Schürfwunden und Schrammen
Als die Helfer Timmy am 1. Mai untersuchten, zeigten sich laut Protokoll mehrere Verletzungen – darunter Wunden am Kopf, Abschürfungen im Bereich des Atemlochs, eine längere Verletzung an der Schwanzflosse und eine größere Schramme an der Körperseite. Offenbar haben sie befürchtet, dass der Wal die Nacht nicht überstehen würde.
Besonders heikel war die technische Improvisation beim Tracking-Sender. Das Gerät war eigentlich für Robben gedacht und musste mit Schläuchen und Harz notdürftig angepasst werden. Gleichzeitig verschlechterten sich Wind und Wellen, und der Wal prallte immer wieder gegen die Bordwand. Die geplante Befreiung geriet dadurch zunehmend aus dem Takt, bis die Aktion zunächst gestoppt wurde.
Am Folgetag ging es zwar weiter, allerdings anders als abgesprochen. Die Barge legte früher ab als geplant, das Team vor Ort war nicht vollständig dabei, und vom Schlepper aus soll Foster beobachtet haben, dass stärker gezogen wurde als vereinbart. Timmy wurde schließlich über Sandsäcke aus dem Schiff in die Nordsee befördert, wirkte beim Auftauchen kurz orientierungslos und fing sich dann wieder.
Wer hat Buckelwal „Timmy“ noch verletzt?
Später ausgewertete Senderdaten legten nahe, dass der Buckelwal danach noch mehrere Tage unterwegs war und sogar tief tauchte. Umso rätselhafter bleibt sein Ende: Am 15. Mai wurde Timmy tot vor Anholt gefunden.
Hinweise an der Schwanzflosse und eine auffällige Delle an der Seite lassen nun vermuten, dass der Wal nicht nur durch die Rettung selbst, sondern womöglich auch durch einen anderen Vorfall verletzt wurde.