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Ortsbegehung auf Abwegen: Bürgermeister von Bogotá wollte Notfallwege inspizieren. Dann ging so einiges schief

Eigentlich wollte der Bürgermeister von Bogotá nur einen Touristenpfad inspizieren und den Ausbau von Notfallwegen vorantreiben. Dann wurde aus der Ortsbegehung ein kleines Abenteuer.

Bürgermeister von Bogota geht verloren

An diese Ortsbegehung wird sich der Bürgermeister von Bogotá, Enrique Penalosa, noch lange erinnern.

Eines muss man vorausschicken: Wenn in Kolumbien Menschen von der Bildfläche verschwinden - Politiker zumal - ist das alles andere als trivial. Dafür hat es in den Jahrzehnten des Bürgerkriegs zu viele Entführungen und Ermordungen gegeben. Und auch jetzt, da der Friedensprozess endlich in Gang gekommen ist, ist das Land nicht vollkommen sicher. So gesehen, hätte man sich um Enrique Peñalosa, den Bürgermeister von Bogotá, durchaus ernsthaft Sorgen machen müssen. Dies aber ist die Geschichte einer einfachen Ortsbegehung, wie sie Kommunalbeamten in aller Welt machen.

Peñalosa und eine Gruppe von 20 weiteren Beamten der kolumbianischen Hauptstadt hatten sich am vergangenen Samstag in die östlich der Kapitale gelegenen Hügel aufgemacht. Der dort gelegene "Pfad der Schmetterlinge" soll zu einer weiteren Touristenattraktion ausgebaut werden - ein Eingriff in die Natur, die in Kolumbiens Hauptstadt nicht nur auf Gegenliebe stößt. Außerdem will das Stadtoberhaupt den Brandschutz in der Gegend verbesseren und die Notfallversorgung sichern, sollte es zu Waldbränden kommen. So berichteten es kolumbianische Medien.

Die Führer fingen an, sich über den Weg zu streiten

Zu Beginn verlief der Termin problemlos. Die städtische Wandergruppe nutzte zunächst die Seilbahn rauf auf Bogotás Hausberg Monserrate - so, wie es auch viele Touristen tun. Dort angekommen, ließen sie rasch die Pilgerstätte (eine Kirche aus dem 17. Jahrhundert mit dem Schrein "El señor caída" - "Der gefallene Jesus") und den angrenzenden Markt hinter sich. Dass der Weg danach "anspruchsvoll" sein werde, darüber waren Peñalosa und seine Beamten informiert. Zwei ortskundige Führer standen ihnen deshalb zur Seite. Zudem gesellte sich ein streunender Hund zu ihnen, der schnell den Namen "Tiger" verpasst bekam.

Gute Stimmung also, ein Vormittag mit einem Spaziergang unter Bäumen, Orchideen und Schmetterlingen stand bevor. Doch als schon drei Stunden vergangen waren und die Führer anfingen, sich zu streiten, wusste die kommunale Wandergruppe, dass etwas nicht stimmen konnte. "Peñalosa mag Abenteuer", berichtete ein Mit-Wanderer der Zeitung "El Tiempo", "er bleibt ruhig und das hat uns allen sehr geholfen." Das war wichtig, denn rasch wurde klar: Sie hatten sich verlaufen, und alle Versuche, die Flüsse Vicachá oder San Francisco zu finden, um sich neu orientieren zu können, schlugen fehl. Selbst "Tiger" war keine große Hilfe.

Steine, Abgründe, Tiere aller Art

"Es war ein Schauspiel, wie man es sich kaum vorstellen kann", berichtete ein anderer Beamter dem Blatt. "Das Gestrüpp wurde immer dichter, der Chusque verletzte unsere Arme", erinnerte er sich an schmerzhafte Begegnungen mit den kleinen harten Schilfrohren. Dazu "Steine, viele Abgründe, Riesenbäume und alle Arten von Tieren". Zudem stritten die Führer immer weiter, und der Bürgermeister - so ist zumindest überliefert - sprach trotz allem immer noch über den Schmetterlingsweg, und was man daraus machen könnte.

Zu allem Überfluss regnete es auch noch, der Boden wurde rutschig, der Pfad, so noch zu erkennen, immer gefährlicher. "Alles war voller Schlamm", heißt es in einem Bericht des Bürgermeisterbüros. Und langsam aber sicher musste man daran denken, dass es bald dunkel werden würde. Die Aussicht, eine Nacht in der Wildnis zu verbringen, schmeckte den Beamten aber gar nicht. Nach langer Suche fand einer der Beamten eine Stelle, an der er ein Handy-Signal bekam. So konnte er die Feuerwehr alarmieren und die Helfer von der misslichen Lage der Gruppe informieren.

Acht Stunden in den unberührten Rändern von Bogotá

Für die Rettungskräfte war es schließlich ein leichtes, die Wanderer aufzuspüren, sicher zurück in die Stadt zu bringen und zu verpflegen. So hatte der Ortstermin letztlich gezeigt, dass in Notfällen auch jetzt schon schnell und professionell geholfen werden kann. "Zwischen Monserrate und Guadalupe haben wir uns verirrt", gab Bürgermeister Peñalosa via Instagram unumwunden zu. "Dank der Feuerwehr von Bogotá haben wir nicht auf dem Hügel geschlafen ... 8 Stunden Wandern zwischen dichter Vegetation, Schluchten, Bächen ... den unberührten Rändern von Bogotá."

Dass der Bürgermeister in seinem Posting der unberührten Natur seiner Stadt Respekt zollt, ist nicht ohne Ironie. Schließlich will er das mit der Erschließung des "Pfads der Schmetterlinge" ja grundlegend ändern. Für viele Bogotanos hat sich die Natur daher am Wochenende ein letztes Mal gegen die Pläne des Bürgermeisters gewehrt.

tkr
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