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Debatte um Krankenhaus-Hygiene Klinik sieht keinen Zusammenhang mit toten Babys


Das Drama an der Mainzer Uniklinik hat die Debatte um die Hygiene in Krankenhäusern befeuert. Die Ärzte stellen jedoch klar: Der Tod der drei Babys stehe in keinem Zusammenhang mit den Problemen von Krankenhaus-Infektionen.

Nach dem Tod dreier mit verseuchter Nährlösung behandelter Babys an der Uniklinik Mainz stehen die Hygiene-Vorschriften für Krankenhäuser auf dem Prüfstand. Das Bundesgesundheitsministerium kündigte am Dienstag in Berlin an, mit den für die Krankenhaus-Hygiene zuständigen Ländern zusätzliche Regelungen zu erörtern. Zudem wurden in der schwarz-gelben Koalition Forderungen nach bundesweit gültigen Vorschriften laut.

Drei Tage nach den ersten Todesfällen war immer noch unklar, ob die Nährlösung Todesursache war und wie sie kontaminiert wurde. Montagabend war ein drittes Baby gestorben. "Auch zum jetzigen Zeitpunkt wissen wir nicht, wie die Todesursache genau lautet", sagte der ärztliche Direktor des Klinikums, Norbert Pfeiffer, in Mainz. "Wir stehen im Moment noch vor einem Rätsel, wie und wann an dieser Stelle eine Verkeimung vonstattengehen konnte." Nach dem "Leck" im Herstellungsprozess der Infusion werde fieberhaft gefahndet.

Krankenhaus-Infektionen sind ein anderes Thema

Das am Montagabend gestorbene dritte Frühgeborene habe ein sehr niedriges Geburtsgewicht gehabt, sagte Pfeiffer. Es sei in der 24. Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen, mit seinem Tod sei gerechnet worden. Normalerweise dauert eine Schwangerschaft 40 Wochen. Die Leiche des Säuglings solle in der Rechtsmedizin in Frankfurt obduziert werden, um Aufschluss über die Todesursache zu erhalten.

Der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn, warf den Kliniken allgemein vor, zu wenig für die Hygiene zu tun. "Mehr als 600.000 Infektionen pro Jahr in Krankenhäusern sind ein Skandal", sagte er Reuters. Norbert Pfeiffer stellte einen Zusammenhang zwischen dem Tod der Babys und Krankenhaus-Infektionen in Abrede. Der Vorgang sei vollkommen von der Debatte um die Hospital-Infektionen zu trennen, sagte er. Bei diesen Infektionen stecke beispielsweise ein Patient einen anderen an.

Auch für die Mitarbeiter der Klinik ist es eine schwere Zeit

Pfeiffer betonte, dass man dem Recht der Familie und des Kindes auf einen würdigen Abschied in Ruhe Vorrang vor der Informierung der Öffentlichkeit gegeben habe, weswegen der Tod des Säuglings erst am Dienstag mitgeteilt worden sei. Die Kriminalpolizei sei sofort nach dem Tod des Säuglings verständigt worden. "Dieser weitere Todesfall löst bei allen Beteiligten große Trauer und Betroffenheit aus. In Gedanken sind wir bei den Eltern und Angehörigen des Kindes", fügte der Vorstandsvorsitzende der Mainzer Universitätsmedizin hinzu.

Auch für die Mitarbeiter Klinik sei dies eine "ganz schwere Zeit". Es sei "furchtbar, wenn überhaupt Patienten versterben, wenn es kleine Kinder sind, ist es noch schlimmer". Wenn dann noch die Vermutung im Raum stehe, dass die Klinik zur Verschlechterung des Zustands beigetragen habe, "dann ist das ganz schwer auszuhalten". Den Eltern der Kinder und den Mitarbeitern sei psychologische Beratung angeboten worden.

Zustand der vier weiteren Frühchen hat sich verbessert

Der zunächst kritische Zustand von vier weiteren Frühgeborenen habe sich in der Nacht zum Dienstag gebessert, sagte Pfeiffer weiter. Die Kinder seien aber weiter schwer krank. Mit weiteren Todesfällen werde nun nicht mehr gerechnet.

Die ersten beiden Babys waren am Samstag gestorben, nachdem sie die verunreinigte Nährlösung erhalten hatten. In der Infusion wurden bislang zwei Sorten Fäkalkeime identifiziert, die normalerweise keine Gefahr für Menschen darstellen. Nach Angaben des Direktors der Kinder- und Jugendmedizin an der Mainzer Klinik, Fred Zepp, ist bei Frühgeborenen das Immunsystem aber noch nicht voll ausgebildet. Deswegen reichten minimale Keimmengen für tödliche Infektionen. Wegen der Todesfälle ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Unbekannt wegen des Verdachts fahrlässiger Tötung.

zen/DPA/Reuters/APN DPA Reuters

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