Elfenbeinküste Franzosen beseitigen Giftmüll


Die Entsorgung von 500 Tonnen Giftmüll war einem europäischen Unternehmen zu teuer. Also - ab damit nach Afrika. Ergebnis: Sieben Tote, 30.000 Geschädigte, zwei Wochen lang riskante Aufräumarbeiten. Und letztlich landet der Müll doch wieder in Europa.

In Schutzanzügen und Atemmasken haben französische Experten am Sonntag in der Elfenbeinküste mit der Beseitigung von 500 Tonnen giftiger Chemikalien begonnen. Die nach faulen Eiern stinkende Flüssigkeit, die Ölrückstände und Reinigungschemikalien enthält, soll in einer französischen Sondermüllanlage verbrannt werden. Rund 25 Experten der Firma Seche brachten die notwendigen Geräte zum Absaugen des Schlicks an einer der mehr als zehn Orte, an denen der Schlamm auftauchte. Innerhalb der nächsten Tage werde mit dem Pumpen begonnen, sagte der Einsatzleiter Francois Salbaing. Der Einsatz sei technisch schwierig. Es gebe spezielle Vorgehensweisen, um zu vermeiden, dass die Ausdünstungen beim Absaugen nicht noch stärker würden. Ein Sprecher der Firma sagte, die Prozedur werde bis zu zwei Wochen dauern.

Regierung musste zurücktreten

Der Giftmüll war im vergangenen Monat von einem Schiff in der Wirtschaftsmetropole des westafrikanischen Landes, Abidjan, abgeladen worden. Durch die giftigen Dämpfe starben sieben Menschen, zehntausende weitere mussten medizinisch behandelt werden. Infolge des Giftmüllskandals trat die Regierung des Landes zurück. Inzwischen stellte Premierminister Charles Konan Banny seine neue Regierungsmannschaft vor. Kritiker warfen Banny jedoch vor, den Skandal zur Umbildung der zerstrittenen Übergangsregierung genutzt zu haben. Die Minister für Umwelt und Transport, die der Mitverantwortung für den Skandal beschuldigt worden waren, wurden ausgewechselt. Eine aufgebrachte Menge hatte den Transportminister verprügelt und ihn gezwungen, an einer der Müllhalden die übel riechenden Gase einzuatmen.

Der Chef des UN-Umweltprogramms, Achim Steiner, sprach von einem "besonders schmerzhaften Beispiel", wie illegaler Export in Entwicklungsländer "menschliches Leid erzeuge". Es sei zu befürchten, dass der Schmuggel von Sondermüll sich immer mehr lohnen werde. Die beteiligten Firmen müssten "mit harten Strafen" rechnen, sagte er dem "Spiegel". Nach europäischem Recht ist die Ausfuhr gefährlichen Mülls in Entwicklungsländer grundsätzlich verboten.

Hauptsache billig

Nach Angaben der Ölhandelsfirma Trafigura scheiterte eine ordnungsgemäße Entsorgung der Schiffsölabfälle in Europa an der Zahlung von 250.000 Euro und einer drohenden Vertragsstrafe für die verspätete Öllieferung. Die Entsorgung in Abidjan sei danach "auftragsgemäß" erfolgt, berichtete der "Spiegel". Ein vertrauliches Telefax vom Kapitän des betroffenen Öltankers belege, dass die Gefährlichkeit der Tankladung bekannt war.

Die Behörden haben in Folge des Giftmüllskandals sieben Bürger der Elfenbeinküste und einen Nigerianer in Gewahrsam genommen. Unter den Festgenommenen sind die Direktoren der Firmen, die sich um die Formalitäten im Hafen kümmerten und das Schiff entluden. Das unter der Flagge Panamas fahrende Frachtschiff Probo Koala war von der niederländischen Firma Trafigura Beheer BV gechartert worden. Der Giftmüll wurde an über zehn Stellen in Abidjan verteilt. Mehr als 30.000 Menschen mussten unter anderem wegen Erbrechens, Bauchschmerzen, Nasenbluten und Atembeschwerden behandelt werden. Trafigura beschrieb den Müll als "eine Mischung aus Benzin, Wasser und ätzender Säure".

Reuters/DPA DPA Reuters

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