Elfenbeinküste Tausende krank durch Giftmüll


Bei einem Giftmüllskandal in der Elfenbeinküste sind sechs Menschen getötet worden, 16.000 sind an den Dämpfen erkrankt. Die giftige Ladung sollte angeblich schon in Amsterdam gelöscht werden. Experten fordern deshalb schärfere Kontrollen.

Der bislang größte bekannt gewordene Giftmüllskandal in Afrika weitet sich aus. Nach offiziellen Angaben sind in der Elfenbeinküste mittlerweile sechs Menschen nach dem Einatmen giftiger Dämpfe gestorben, etwa 16.000 ließen sich wegen Atembeschwerden und anderer Vergiftungssymptome behandeln. "Wir kennen noch immer nicht die genaue Zusammensetzung des Giftstoffes und welche gesundheitlichen Folgen er haben kann", sagte Carlo Piccinini vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in der ivorischen Hauptstadt Abidjan.

Ein von dem niederländischen Unternehmen Trafigura Beheer BV gechartertes Schiff hatte Mitte August etwa 400 Tonnen Ölabfall im Hafen von Abidjan gelöscht. Die Abfälle waren auf mehreren Deponien in dicht besiedelten Vierteln gelagert worden.

Schlick sollte in Amsterdam entsorgt werden

Die Besatzung des Schiffes hat möglicherweise versucht, ihre gefährliche Ladung zunächst in Amsterdam loszuwerden. Das in Panama registrierte Schiff habe im Juli in Amsterdam angedockt, um dort übel riechenden Schlick zu entsorgen, sagte ein Sprecher der Hafenbehörde. Dem für die Entsorgung zuständigen Dienstleister sei die Fracht jedoch verdächtig vorgekommen und er habe deswegen einen Aufpreis gefordert. Daraufhin sei das Schiff wieder abgefahren. In den Niederlanden ermittelt die Staatsanwaltschaft, ob ein Rechtsbruch vorliegt. Europäisches Recht verbietet jede Ausfuhr gefährlicher Abfälle in Entwicklungsländer.

Infolge des Umweltskandals trat vor einer Woche die Übergangsregierung des westafrikanischen Landes zurück. Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) untersuchen derzeit die Konsistenz des Schlicks. Die Firma Trafigura Beheer BV beschrieb den Müll als "eine Mischung aus Benzin, Wasser und ätzender Substanz." Mehrere Experten aus Frankreich und der Schweiz helfen bei der Schadensbegrenzung. Die ivorische Regierung bat die internationale Gemeinschaft um etwa 13 Millionen Dollar, um die Folgen der Katastrophe zu beseitigen.

Gegen solche Umweltkatastrophen können nach Ansicht von Michael Dreyer, Experte bei der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), nur strengere Kontrollen in den Herkunftsländern wirksam helfen. "Wir brauchen sehr viel dünnmaschigere Exportkontrollen", sagte Dreyer. Vor allem bei Ladungen nach Afrika oder Asien sollten die Industrieländer genauer hinschauen.

Zwar regelten internationale Konventionen den Umgang mit Giftmüll, aber unsichere politische Verhältnisse, Korruption und zu wenig Kapazität für Kontrollen lockten Kriminelle in Entwicklungsländer an. Dort könnten sie bequem hohe Entsorgungskosten für Sonderabfall umgehen, ein lohnendes Geschäft: "Die Entsorgung in Industrieländern ist inzwischen richtig teuer, rund 2000 bis 3000 Euro pro Tonne", sagte Dreyer. Neben hochgiftigen Chemikalien gehe mittlerweile auch problematischer Computerschrott auf die Reise in die Dritte Welt, getarnt als brauchbare Geräte.

Der gefährliche Chemikaliencocktail, der mit dem Schiff aus Holland an die Elfenbeinküste gekommen war, hätte weder nach Afrika noch sonstwohin gebracht werden dürfen, unterstrich Dreyer: "Dieses Zeug hätte auf keinen Fall die EU verlassen dürfen."

GTZ berät Regierungen

Die GTZ in Eschborn bei Frankfurt beschäftigt sich im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit unter anderem mit der Umsetzung internationaler Konventionen zur Chemikaliensicherheit. Dabei geht es um den Umgang mit weltweit verbreiteten Giftstoffen. GTZ-Experten beraten außerdem Regierungen und Unternehmen bei allgemeinen Umweltprojekten.

DPA/Reuters DPA Reuters

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