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Verseuchter Fluss in Brasilien: Die verheerende Katastrophe am Rio Doce

Brasilien steht vor der wohl schlimmsten Umweltkatastrophe, die das Land je heimgesucht hat: Große Teile des Flusses Rio Doce sind nach einem Dammbruch mit hochgiftigem Schlamm verseucht. Und nun treibt die Brühe voller Blei, Kupfer und Quecksilber in den Atlantik.

Braun trifft auf Blau: Die Schlammbrühe des Rio Doce vermischt sich an der Küste von Espiritio Santo (Brasilien) mit Meerwasser.

Braun trifft auf Blau: Die Schlammbrühe des Rio Doce vermischt sich an der Küste von Espiritio Santo (Brasilien) mit Meerwasser.

In Brasilien nennen sie ihn Rio Doce, den süßen Fluss. Er schlängelt sich durch den Südosten des Landes, von der Quelle im Bundesstaat Minas Gerais bis zur Mündung in den Atlantik misst er über 800 Kilometer. Der Rio Doce ist kein gewöhnlicher Fluss, er ist eine Lebensader, Heimat für unzählige Fische und Wasservögel. Und Lebensexistenz für viele Fischer, die im Rio Fische fangen und von dem Verkauf ihre Familien ernähren.

Vom heutigen Standpunkt aus gesehen, muss man sagen: Der Rio Doce war eine Lebensader. Denn das einst klare Wasser des Flusses hat sich in eine trübe, rötlich-schimmernde Brühe verwandelt. Diese sieht nicht nur giftig aus, sie ist es auch: Schwermetalle wie Arsen, Quecksilber, Blei und Kupfer vergiften den Flusslauf, töten die Lebewesen in dem Gewässer und rauben den Menschen, die mit und von dem Rio Doce gelebt haben, die Existenzgrundlage. Was ist geschehen?

Die braune Brühe überrollt ein Bergdorf und verseucht ganze Landstriche

Die Ursache der Umweltkatastrophe liegt schon einige Tage zurück: Vor rund zwei Wochen brachen die Mauern eines Rückhaltebeckens der Erzmine Samarco im Bundesstaat Minas Gerais. 60 Millionen Kubikmeter Schwermetallschlamm rollten daraufhin ins Tal, begruben ein Bergdorf unter sich, verseuchten Tausende Hektar fruchtbaren Bodens und töteten wohl mehr als 20 Menschen.

Rio Doce in Brasilien: Einst Lebensader, jetzt voller Giftmüll
Trauriger Ausblick: Drei Männer betrachten die trübe Brühe des Rio Doce. Tausende Menschen leben von dem Fluss - vor allem die Existenz der zahlreichen Fischer ist nun bedroht.

Trauriger Ausblick: Drei Männer betrachten die trübe Brühe des Rio Doce. Tausende Menschen leben von dem Fluss - vor allem die Existenz der zahlreichen Fischer ist nun bedroht.


Seit dem Dammbruch sieht sich Brasilien der wohl schlimmsten Umweltkatastrophe seiner Geschichte ausgesetzt: Mit dem Wasserstrom verteilt sich die braune Brühe unaufhaltsam im Südosten des Landes und vergiftet ganze Landstriche. Zudem sind unzählige Menschen von der Wasserversorgung abgeschnitten, sie haben kein sauberes Trinkwasser mehr und müssen mit Tanklastwagen versorgt werden.

Dead fish and devastated fishermen: Brazil's Doce River after one of the worst mining disasters in the country's history.

Posted by AJ+ on Mittwoch, 25. November 2015

Medien berichten über ein Fischsterben im Rio Doce. Die Medienseite "AJ+" hat ein Video auf Facebook gepostet, das bereits über neun Millionen Mal angesehen wurde. Es zeigt lokale Fischer, die tote Tiere aus dem Rio Doce ziehen. Sie sind den Tränen nahe: "Wie sollen wir Fischer nun überleben?", fragt einer der Männer in die Kamera.

Auch Umweltschützer sind alarmiert. Sie beunruhigt die Tatsache, dass das giftige Flusswasser bereits den Atlantik erreicht hat: "Wir fürchten schwere Schäden an den artenreichen, empfindlichen Küstenökosystemen im Mündungsgebiet", heißt es etwa auf der Seite der Umweltschutzorganisation WWF. Diese seien unter anderem Lebensraum für Wale, Roben und Meeresschildkröten.

Wer hat Schuld an der Katastrophe?

Derweil wächst die Wut vieler Brasilianer auf die Minenbetreiber Samarco. Die Mine gehört dem brasilianischen Bergwerkskonzern Vale und dem britisch-australischen Konzern BHP Billiton. Erst im vergangenen Jahr soll die Produktion der Mine gesteigert worden sein, sodass auch mehr Giftschlamm angefallen ist. Weshalb die Dämme des Rückhaltebeckens gebrochen sind, ist derzeit noch nicht geklärt. Der Betreiber Samarco jedenfalls bemüht sich um Schadensbegrenzung und ließ erklären, die Abwässer der Mine seien nicht giftig.

Eine Aussage, die die lokalen Fischer kaum glauben können: Sie sehen die toten Fische, sie sehen die braune Brühe. Ihr Rio Deco, der einst süße Fluss, ist tot.