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Inventur im Atommülllager: Giftmüll in Asse strahlt deutlich stärker als angenommen

Ein Politikum ist die Asse schon lange: Nun zeigt der Abschlussbericht des ehemaligen Besitzers, dass in dem niedersächsischen Atommülllager rund 15.000 Fässer mit mittelradioaktiven Abfall mehr lagern als gedacht. Die geplante Bergung könnte damit deutlich schwieriger werden.

Im maroden Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel lagern zehnmal mehr Fässer mit mittelradioaktivem Abfall als angenommen. Das geht aus der Abschlusserhebung des früheren Asse-Betreibers hervor. Damit steigt das Risiko der Arbeiter, die die insgesamt etwa 126.000 Fässer mit schwach und mittelradioaktivem Abfall aus dem alten Salzbergwerk bergen sollen.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter erklärte: "Der Bericht dokumentiert die Diskrepanz zwischen den Angaben der damaligen Abfallanlieferer und den wirklichen Inhalten der Fässer." Die Dokumentation helfe, bei Bergung der Fässer die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen für Beschäftigte und Bevölkerung zu treffen. Möglicherweise werde der Schutz der Mitarbeiter bei den Arbeiten unter Tage jetzt noch schwieriger, sagte eine Sprecherin des niedersächsischen Umweltministeriums in Hannover. Am Donnerstag hatte das BfS mit ersten Vorarbeiten für die geplante Bergung der Atommüll-Fässer begonnen. Das Bergwerk ist stark einsturzgefährdet, von außen dringt Wasser ein.

Fässer enthalten stärker strahlenden Abfall

Rund 15.000 Abfallbehälter, die als leichtradioaktive Stoffe deklariert wurden, enthalten nach dem Bericht des früheren Asse-Betreibers, des Helmholtz Zentrums München, tatsächlich mittelradioaktive Abfälle. Bisher hatte es geheißen, es seien knapp 1300 Fässer mit mittel aktiv strahlendem Müll in der Asse. Außerdem liegen die speziell abgeschirmten Behälter in mehreren Lagerkammern auf verschiedenen Ebenen im Bergwerk verteilt. Auch das war bisher nicht bekannt. Die Fässer waren vor mehr als 30 Jahren in die Asse gekommen.

Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel kritisierte: "Die Öffentlichkeit ist über den wahren Inhalt belogen worden." Er forderte auch eine Unterrichtung des Landtags-Umweltausschusses am Montag. Danach soll sich der Untersuchungsausschuss zur Asse am Donnerstag mit dem Bericht beschäftigen.

Die SPD im Landtag kritisierte, damals sei unverantwortlich mit den Hinterlassenschaften der Atomindustrie umgegangen worden. Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Ulrich Kelber, wetterte: "Bei der Atomenergie stirbt die Wahrheit zuerst."

Mehr Gewissheit über den Inhalt der Fässer

Die knapp 16.000 Asse-Fässer mit mittel radioaktiven Stoffen sind mit einer Betonabschirmung versehen worden, um sie unter anderem leichter transportieren zu können. Damals habe die Genehmigungsbehörde die Einlagerung dieser mittel radioaktiven Stoffe dann als schwach radioaktiven Abfall genehmigt, heißt es in dem Abschlussbericht zum eingelagerten Asse-Abfall.

Wenzel sagte, der Bericht biete nun auch mehr Gewissheit über die Inhalte der Fässer. Dadurch könnte das Herausholen der Behälter auch sicherer werden. Experten argumentieren zudem immer wieder, dass gerade mittel radioaktives Material relativ schnell zerfällt und die Strahlung gerade bei den schwach radioaktiven Stoffen länger anhält. In der Asse liegen rund 110.000 Behälter mit schwach strahlenden Abfällen.

be/DPA / DPA