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Erschossener Randalierer: Ermittlungen gegen Polizisten

In Hannover haben Einsatzkräfte auf einen Randalierer geschossen, der seine Exfreundin und die Beamten mit Messern bedroht hatte. Drei Schüsse trafen den Randalierer in den Oberkörper. Gegen zwei Polizisten ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Polizisten haben in der Nacht zum Mittwoch in Langenhagen bei Hannover einen 34-jährigen Randalierer erschossen, der mit zwei Messern auf einen Beamten losgestürmt war. Um ihn zu schützen, hätten zwei Kollegen sofort ihre Dienstwaffen gezogen und vier Schüsse auf den Angreifer abgefeuert, teilte der Chef der Kriminalpolizei Hannover, Thomas Rochell, mit.

Der Mann wurde dreimal im Oberkörper getroffen und erlag wenig später in einem Krankenhaus seinen Verletzungen. Vorangegangen war der Versuch des 34-Jährigen, trotz eines Umgangsverbots in die Wohnung seiner Ex-Freundin einzudringen.

Keine Disziplinarmaßnahmen

Nach den tödlichen Schüssen leitete die Staatsanwaltschaft gegen die 27 Jahre alte Beamtin und den 37 Jahre alten Beamten, die die Schüsse abgegeben hatten, ein Verfahren wegen des Verdachts des Totschlags ein. Es sei zu prüfen, "ob der Schusswaffengebrauch durch Notwehr gerechtfertigt war", teilte Sprecherin Kathrin Söfker in Hannover mit. Kripo-Chef Rochell geht indes von einer klaren Notwehrsituation aus. "Ich stech’ euch alle ab, ihr Schweine", habe der Angreifer geschrien. Die Beamten hätten im Bruchteil einer Sekunde reagieren müssen. Für disziplinarrechtliche Schritte gebe es keinerlei Anlass.

Nach Angaben der Polizei hatte der 34-Jährige vor der Wohnung seiner Ex-Freundin randaliert. Die 22-Jährige habe die Beamten alarmiert: Ihr Ex-Partner stehe mit Messern bewaffnet vor ihrer Tür und drohe sie einzutreten oder eine Scheibe einzuschlagen, wenn sie ihm nicht öffne. Nachdem der Mann bereits früher mehrfach gewalttätig geworden war, hatte die Polizei ihn Ende Mai der Wohnung verwiesen. Der 34-Jährige kam bei Nachbarn auf der gegenüberliegenden Straßenseite unter.

Vier Polizisten im Einsatz

Wie Rochell erklärte, sei es dem in der Nacht zum Mittwoch angerückten Streifenwagen-Team nicht gelungen, den Mann zu beruhigen. Sie forderten Verstärkung an. Insgesamt vier Polizisten bemühten sich schließlich, die Situation zu entschärfen und den Mann zu entwaffnen. Auch mit Pfefferspray habe sich der Angreifer jedoch nicht auf Distanz halten lassen. Er sei plötzlich und unvermittelt mit einem Brotmesser und einem Tranchiermesser auf einen 48 Jahre alten Polizisten losgestürmt.

Einer der abgegebenen Schüsse seiner Kollegen traf den Beamten am Fuß. Der 48-Jährige konnte nach einer Behandlung das Krankenhaus bereits am Mittwoch wieder verlassen. Der getötete Angreifer hatte bis Sommer vergangenen Jahres wegen Totschlags hinter Gittern gesessen. Aktuell ermittelte die Polizei gegen den 34-Jährigen wegen Eigentumsdelikten.

DPA / DPA