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Exorzismus in London Familie will psychisch krankem Sohn den Teufel austreiben – dann stirbt er

Exorzismus in London
Eine Familie in London führte exorzistische Rituale an einem psychisch erkrankten Sohn durch
© iStock / Getty Images
Weil ein junger Mann in London psychisch erkrankte, wurde er von seiner streng religiösen Familie gefesselt und bis zum Tod festgehalten. Mit Gebeten und körperlicher Gewalt versuchten sie, den Teufel auszutreiben. Jetzt müssen sie sich vor Gericht verantworten.

Ein Mann aus London war 26 Jahre alt und psychisch krank, als er in seinem Elternhaus im Norden der Metropole verstarb. Seine streng religiöse Familie glaubte, er sei vom Teufel besessen und versuchte, ihn zu heilen. Mit Seilen, Handschellen und Kabelbindern fesselten sie den gelernten Marketingmanager und hielten in tagelang fest – bis zu seinem Tod.  

Der Vorfall ereignete sich bereits im August 2016 und wird in diesen Tagen vor Gericht verhandelt. Wie die Staatsanwaltschaft bei der Eröffnung des Prozesses am Montag berichtet, hätte die Familie versucht, seine Krankheit durch Gebete zu heilen. "Sie nahmen das Gesetz selbst in die Hand und beendeten schließlich sein Leben", erklärte der Staatsanwalt gegenüber dem britischen "Independent". 

Obduktion zeigt 60 Verletzungen, darunter Bisswunden

Am Morgen des Todes am 22. August 2016 rief einer der Brüder einen Krankenwagen. Zu diesem Zeitpunkt war der Erkrankte jedoch bereits bewusstlos und die Versuche der Rettungsärzte, ihn wiederzubeleben, blieben erfolglos. Als die Familie daraufhin ein "Ritual der Wiederbelebung" durchführte, rief einer der Sanitäter die Polizei. Einer der Brüder soll an den Toten appelliert haben: "Ich befehle dir im Namen Jesu, dich zu erheben." 

Die Eltern des Opfers sowie seine fünf Brüder sind nun wegen Totschlags und Freiheitsberaubung angeklagt, bestreiten bisher jedoch sämtliche Vorwürfe. Die Obduktion des Toten spricht gegen sie: Mehr als 60 Verletzungen wies der Körper des jungen Mannes auf, darunter auch einige Wunden, die auf Bisse schließen lassen. 

Familie bat Londoner Ministerin um Hilfe

Auch der 64-jährige Vater sowie einer der Brüder weisen Verletzungen auf. "Mein Bruder wurde aggressiv und sprach immer wieder von der Zahl des Biestes, 666, Gott vergib ihm", sagte der versehrte Bruder gegenüber der Polizei. Die 666 ist eine biblische Zahl, die als Zeichen des Antichristen gilt. Damit verbunden ist auch ein sechsköpfiges biblisches Monster. Die 56-jährige Mutter des Opfers berichtete den Beamten, ihr Sohn hätte gegen sich selbst angekämpft.

Einige Tage vor dem Tod des Erkrankten versuchte die Familie, Hilfe aus dem Kreis ihrer religiösen Gemeinschaft heranzuziehen. So rief seine Mutter unter anderem bei der Ministerin der Jesus Sanctuary Ministries in London an und bat zwei weitere Minister, ergänzend zu ihnen nach Hause zu kommen und für ihren Sohn zu beten. "Sie entschieden sich für eine Heilung im eigenen Zuhause, anstatt rechtzeitig ärztliche Hilfe zu holen. Die Fesselung, die von der Familie durchgeführt worden war, führte zum Tod des jungen Mannes", erklärte der Staatswanwalt gegenüber der BBC. "Sie handelten nach ihrem fehlgeleiteten religiösen Glauben, nicht nach gesundem Menschenverstand."

Quellen: "Independent", BBC

Ein Tänzert wirbelt durch einen Voodoo-Schrein.
sve

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