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Forschungszentrum Jülich dementiert: "Wir vermissen keine Brennelemente"

Das Forschungszentrum Jülich bestreitet, Brennelementkugeln aus dem stillgelegten Forschungsreaktor zu vermissen. Das hochradioaktive Material befinde sich vollständig dort, wo es hingehöre.

Das Forschungszentrum Jülich vermisst nach eigenen Angaben keine Brennelementkugeln. Der Verbleib der rund 290.000 bis zur Stilllegung des Forschungsreaktors 1988 eingesetzten radioaktiven Kugeln sei "lückenlos dokumentiert" und werde regelmäßig überprüft, versicherte der Vorstandsvorsitzende des Forschungszentrums, Achim Bachem, gemeinsam mit Forschungsstaatssekretär Thomas Rachel (CDU).

Bei den 2285 laut Medienberichten angeblich verschwundenen Kugeln handele es sich überwiegend um Bruch, der größtenteils zu Forschungszwecken weiter zerteilt und dann als schwach-radioaktiver Abfall einzementiert worden sei, sagte Bachem. Knapp 200 Kugeln befänden sich noch im Reaktor. Jedes Milligramm des Materials sei erfasst und werde monatlich an das nordrhein-westfälische Energieministerium als Aufsichtsbehörde gemeldet und vierteljährlich durch Euratom überprüft. "An diesem Sachverhalt hat sich in den vergangenen 20 Jahren nichts geändert."

Forschungsreaktor wird demontiert

Der einbetonierte schwach radioaktive Abfall sei nach dem Einsatz in der Forschung zur Einlagerung ins Zwischenlager Asse transportiert worden. Der Großteil der abgebrannten tennisballgroßen Brennelementkugeln aus dem Reaktor lagere hingegen in 152 Castorbehältern auf dem Gelände in Jülich. Die Genehmigung des Zwischenlagers Jülich laufe allerdings 2013 aus. Sämtliche Transportbehälter mit dem radioaktivem Material sollen bis dahin ins Zwischenlager Ahaus gebracht sein, sagte Bachem. Der Forschungsreaktor Jülich wird derzeit demontiert. Der aufwendige Rückbau soll 2014/2015 abgeschlossen sein.

Das Bundesforschungsministerium hat der NRW-Landesregierung bezüglich der Aufregung um die Brennelementkugeln Irreführung vorgeworfenEr halte es für "äußerst unverantwortlich", dass die Regierung in Düsseldorf den Eindruck erweckt habe, es würden 2285 der radioaktiven Kugeln vermisst. Namentlich kritisierte Rachel die nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD). Diese war vom "Spiegel" mit der Vermutung zitiert worden, die Kugeln seien "allem Anschein nach" ins niedersächsische Forschungsbergwerk Asse gelangt.

san/DPA/AFP / DPA