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Freikirche: Sonntags ist Gott in Wuppertal

Den Kirchen gehen die Gläubigen aus? Nicht der Freikirche! Mit einer Mischung aus Party, Erleuchtung und erzkonservativen Regeln locken Freikirchen vor allem junge Menschen an. Zu Besuch bei den Pfingstlern von Oberbarmen.

Von Barbara Opitz

Freikirche: Am Sonntag ist Gott in Wuppertal

Freikirche mit Gottesdienst als Happening: Die Christus Gemeinde in Wuppertal bietet nicht feinsinnige Bibelauslegungen, sondern große Emotionen.

Die Zeit mit Gott beginnt an der Kaffeebar, gleich rechts hinter der gläsernen Eingangstür des weißen Betonbaus. Sonntag, 10.15 Uhr, Windhukstraße 102, Wuppertal-Oberbarmen. Junge Gesichter nicken freundlich ein Willkommen, Mahlwerke surren. Auf dem Tresen reihen sich die Sirupflaschen, Mandel, Vanille, um dem Kaffee eine besondere Note zu geben. "Turbogenial" sei das, sagt Nils Scharf, den hier alle nur Nils nennen. Er ist 35, selbstständiger Dachdecker und Basketballer, ein Zwei-Meter-Mann. Seine weiten Hosen trägt er tief im Schritt, dazu dicke Sneaker. Es gebe keine andere Kirche, die so eine Bar habe, der Kaffee sei der beste der Stadt.

Vor dem Gottesdienst noch zusammen "abchillen", so nennt Nils das. Er gehört zum engeren Kreis um Hauptpastor Friedhelm Holthuis. Dieses "Zusammensein", das sei wichtig. Freunde treffen. Christenfreunde. Man umarmt sich in der Christus Gemeinde. Während sie noch in Gruppen stehen, die Kinder umhertoben, wirft im großen Saal ein Beamer strahlend hell den Countdown an die Wand. Die letzten Minuten bis zum Gottesdienst.

Pastor Friedhelm Holthuis selbst wird heute predigen. Er ist der Visionär der Gemeinde, Chef eines Unternehmens in göttlicher Mission. Zeit mit Gott ist hier wie ein Konzert von Pur oder der Münchener Freiheit, poppiger Schlagersound. Lichtmaschinen tauchen Bühne und Band in Rot und Blau. Discokugeleffekt.

Die Pfingstgemeinden boomen

Die Christus Gemeinde gehört zum Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden. Freikirchen sind vom Staat unabhängige christliche Kirchen, meist der evangelikalen Bewegung zuzuordnen. Während die katholische und die evangelische Kirche beständig an Mitgliedern verlieren, werden es bei den Freikirchen immer mehr. Vor allem die Pfingstgemeinden boomen, bei denen Emotionen und das direkte Erleben des Glaubens im Zentrum stehen. Die Zahl der Freikirchler in Deutschland wird auf 500 000 geschätzt, die Pfingstler stellen mehr als 50 000 davon. Besonders Gemeinden mit jungen Pastoren wachsen. Ihre Gottesdienste feiern sie als Partys, man vermarktet sich wie Unternehmen, mit Merchandising und auf sozialen Netzwerken.

Freikirchler glauben an Wunder. Sie nehmen die Bibel wörtlich, und die Regeln sind klar: kein Sex vor der Ehe, keine Selbstbefriedigung, keine Abtreibung. Die Freikirchen bieten eine Mischung aus Modernität, und erzkonservativer Gesinnung. Fundamentalismus in neuem Gewand.

Die Band der Gemeinde spielt während des Gottesdienstes. Die Gläubigen singen mit, die Augen geschlossen, die Arme erhoben. Einigen laufen Tränen über die Wangen.

Die Band der Gemeinde spielt während des Gottesdienstes. Die Gläubigen singen mit, die Augen geschlossen, die Arme erhoben. Einigen laufen Tränen über die Wangen.

10.30 Uhr. Knapp 700 Menschen strömen in den großen Saal. Vor allem junge Leute, Lehrertypen in karierten Hemden. Auch Pastor Marcus Schneider, 38, ist da, der beste Freund von Nils. Und "breitester Pastor Deutschlands". Eine Marketingstrategie, die sich Flavio ausgedacht hat, ebenfalls Christ und Fitness-Youtuber. Plakativ sollte der Name sein und "smart". Pastor Marcus ist Bodybuilder. "Breit" heißt: breit wie ein Schrank. Er ist flächendeckend tätowiert, trägt Glatze und Vollbart und beginnt seine Sätze mit "Alter" und "geil". Er ist das Aushängeschild der Gemeinde. Mehr als 23 000 Likes hat der breiteste Pastor Deutschlands auf Facebook. Vor ein paar Wochen predigte er in der Kölner Essigfabrik vor Hunderten Jugendlichen. Nils meint, die Message sei wichtig: Du kannst cool sein und trotzdem Christ.

Nils kam vor fünf Jahren in die Gemeinde, Pastor Marcus folgte zwei Jahre später nach. Nils hatte mit dessen späterer Frau Esther in Braunschweig dieselbe Gemeinde besucht. Derselbe Kindergarten, derselbe Freundeskreis, man wächst gemeinsam auf. Als Esther und Marcus sich kennenlernten, waren sie 16. Marcus arbeitet in Wuppertal nicht Vollzeit als Pastor, das Gehalt ist schmal. Deshalb hilft er als Dachdecker bei Nils aus, und der bekommt oft Aufträge von der Gemeinde oder anderen Christenfreunden. Die Kirche als große Familie.

Gott wird heute in Wuppertal persönlich anwesend sein

"Du bist ein großartiger Gott!", schreit der Moderator auf der Bühne. Er ist Vorredner von Pastor Holthuis, Einheizer. "Wir danken dir, dass du uns unendlich liebst, wir geben dir einen Applaus!" Die Halle tobt, der Moderator fordert jeden Einzelnen auf, seinem Nebenmann zu sagen: "Du bist so wunderbar!"

Gott wird heute in Wuppertal persönlich anwesend sein, wie jeden Sonntag. Er wird durch Pastor Friedhelm Holthuis sprechen. Pfingstler glauben an die Geistestaufe, ein Zeichen, einen Moment, bei dem die Kraft des Heiligen Geistes direkt durch den Menschen wirkt. Er fährt während der Predigt in die Körper der Besucher. Eine Art Superkraft, so erklärt es Nils, wie bei den Power Rangers, "ein Superhelden-Upgrade".

"Ganz egal, was ich tu – du gibst", haben sie eben gesungen, der ganze Saal, die Augen geschlossen, die Hände erhoben. Der Gitarrist schrammt die letzten Riffs, einige zucken gegen den Takt. Einer jungen Frau laufen Tränen übers Gesicht. Der Heilige Geist scheint mitten unter ihnen. Der Lichtkegel liegt auf Holthuis, auf seinem Gesicht, seiner Hand, die er zur Faust ballt: "Mammon!", ruft er.

"Cool und trotzdem Christ": Nils Scharf gehört zum engeren Kreis der Gemeinde.

"Cool und trotzdem Christ": Nils Scharf gehört zum engeren Kreis der Gemeinde.

Am Nachmittag wird ein weiterer Gottesdienst gefeiert, an einem zweiten Standort, 20 Autominuten entfernt. Und gegen Abend wird hier noch einmal dieselbe Predigt zu hören sein. Vor allem, weil nicht alle Gläubigen in den Saal passen. Die Wuppertaler Freikirche ist eine der am schnellsten wachsenden Gemeinden Deutschlands. Seit Pastor Friedhelm, wie er hier schlicht genannt wird, vor sechs Jahren die Leitung übernahm, hat sich die Zahl der Besucher fast verdoppelt. Die Sache sei eben "multiplizierend", sagt Nils. "1000 Zugehörige, 200 von ihnen erzählen es Freunden, 50 von denen überlegen zu kommen, ein paar kommen wirklich", rechnet er. "Also sind jeden Sonntag Neuzugänge dabei." Der Plan ist, vier Gottesdienste anzubieten, an drei Standorten. Vorläufig. Eine Obergrenze sehe man nicht.

Pastor Friedhelm zeigt in die Menge. "Um eines heute Morgen klarzustellen", ruft er, "Gott braucht dein Geld nicht!" Die Predigt werde kurz. Nichts hasse ein Pastor mehr, als über Geld zu predigen. Und über Sex. Im himmlischen Jerusalem gebe es Straßen aus Gold. "Daher braucht Gott dein Geld definitiv nicht!", ruft Holthuis noch einmal. Eine halbe Stunde wird die Predigt dauern, die Botschaft wie immer sein: "Gott liebt dich."

Freikirche: Gott und Privates lassen sich eben nicht trennen.

Aber heute geht es eben doch auch um den "Mammon", das Geld, das Gott zwar nicht brauche, seine Gemeinde aber durchaus. Holthuis fordert jeden im Saal eindringlich dazu auf, seinen "Zehnten" an die Gemeinde abzugeben. Zehn Prozent des Einkommens. Freiwillig sei das, betont Nils, das sei ganz wichtig. Man erhebe auch keine Beiträge, nicht einmal eine Mitgliedschaft sei erforderlich wie bei den Landeskirchen. "Um die Zugehörigkeit leichter zu machen, die Schwelle niedriger."

An der "Welcome-Lounge" in der Mitte des Saals erhalten Neuzugänge ihr "Willkommenspaket". Ein rotes Stoffsäckchen, darin eine Minibibel, Flyer mit Terminen und die "Kontaktkarte": "Wir würden uns freuen, dich kennenzulernen und dir zu helfen, die nächsten Schritte zu tun." Hier soll jeder ankreuzen, wie weit er zugehörig sein möchte – für den Anfang. "Ich möchte zum nächsten Meine-Gemeinde-Seminar eingeladen werden", "Ich möchte ein Gespräch". Hinterlässt einer seine Mailadresse, "klar, dann melden wir uns bei dem", sagt Nils. Dann wird nach Alter, Hobbys, Problemen gefragt, man wird einer Gruppe zugewiesen. An die 100 solcher Kleingruppen hat die Gemeinde, mit jeweils vier bis zehn Christenfreunden. Man geht zusammen essen, "ins Vapiano oder ins Subways". Redet über Gott. Und über Privates. Eine richtige Clique. "Das ist dieses Ganzheitliche", sagt Nils. Gott und Privates lassen sich eben nicht trennen. Christsein als Lebensstil. Eine Art Subkultur mit eigenen Normen, wie das Leben sein soll.

Hauptpastor Friedhelm Holthuis, Visionär des Unternehmens, in göttlicher Mission.

Hauptpastor Friedhelm Holthuis, Visionär des Unternehmens, in göttlicher Mission.

Neulich hat der breiteste Pastor auf Facebook ein Foto von Esther und sich gepostet. Marcus, noch bartlos, schmiegt seinen Kopf an ihre Schläfe. "Vor 21 Jahren ...", schrieb er darunter. Und: "Gib ein Herz wenn du Treue auch super findest." Doch was, wenn ein Mann Männer liebt, eine Frau Frauen? Bei Homosexuellen werden sie einsilbig in der Christus Gemeinde. "Es gibt welche", sagt Nils. Das wisse man aus der Seelsorge.

Die Suche nach Selbstverwirklichung weicht einer nach Verbindlichkeit

Pfingstler sollen sich zum Christsein entscheiden, sie lassen sich deshalb erst als Erwachsene taufen. Die Bindung zu Gott wollen sie bewusst bejahen. Und anders als bei den Landeskirchen, die begonnen haben, Regeln aufzubrechen, Fesseln zu lockern, die Freiheit des Einzelnen zu akzeptieren, sehnen sich hier immer mehr nach klarer Orientierung, nach festen Strukturen. "Nach Werten eben", sagt Nils. Werte, die als Rettung präsentiert werden in einer zusehends unübersichtlichen Welt. Die Suche nach Selbstverwirklichung weicht einer nach Verbindlichkeit. Es ist eine freiwillige Unfreiheit.

Die Pfingstgemeinde bietet Eheseminare an, die jedes verlobte Paar besuchen soll. Zu scheitern ist nicht vorgesehen. Madeline ist 23, Daniel 26. Sie wollen ein solches Seminar besuchen. Und sie haben sich füreinander "aufgehoben". Im Juli werden sie heiraten. Als Madeline Daniel vor anderthalb Jahren kennenlernte, dachte sie, sie habe eine Woche Zeit, "dann machen wir Sex". Doch Daniel sagte: "Wir müssen das nicht tun." Madeline hatte früher viel Mist gebaut. Feiern gehen, Liebeskummer. Mit Daniel war alles anders. Kein Sex, dafür reden. "Daraus hat sich diese tiefe Liebe entwickelt." Inzwischen sind beide sicher: Gott hat das gemacht.

Gleich fünf verschiedene Kindergruppen werden während des Gottesdienstes in der Christus Gemeinde betreut. Die Predigt wird via Bildschirm in die komfortablen Räume übertragen.

Gleich fünf verschiedene Kindergruppen werden während des Gottesdienstes in der Christus Gemeinde betreut. Die Predigt wird via Bildschirm in die komfortablen Räume übertragen.

Daniel stieß schon vor Jahren durch einen Schulfreund auf die Christus Gemeinde. Alle waren so nett, die Stimmung so gut. Er gehörte sofort dazu und kam dann während einer Jugendfreizeit zu Gott. Bei einer "Session", dem morgendlichen Gottesdienst, stellte er die Frage aller Fragen: Warum gibt es so viel Leid, wenn es einen Gott gibt? Die Antwort war simpel, das ist eines der Erfolgsgeheimnisse der Freikirchen. Sie lautete: weil der Mensch vom Grund her böse sei. Man müsse offen sein, zulassen, dass Gott das Leben lenkt, und sich für "gut" und gegen "böse" entscheiden. Dann kann nicht mehr viel schiefgehen.

Wie eine Bombe ist etwas in ihr explodiert. Keine Frage, dass da Gott zu ihr gesprochen hatte

Madeline wusste von Anfang an, dass Daniel Freikirchler war. Ab und an begleitete sie ihn, empfand die Gottesdienste als "Freakshow", sagt sie, wie alle da rumzappelten. Dann hatte sie einen Unfall, der Ellenbogen war zweimal gebrochen. An einem Sonntag ging sie mit Daniel wieder hin. In seiner Predigt zog der Pastor einen Vergleich, er endete mit "wie ein Ellenbogen, der wieder heilt". Das war es, sagt sie. Wie eine Bombe sei etwas in ihr explodiert. Keine Frage, da hatte Gott zu ihr gesprochen. Niemand sonst im Saal hatte einen kaputten Ellenbogen.

Christoph Grotepass, Theologe und Mitarbeiter der Sekten-Info in NRW, findet an den Freikirchen die Vereinfachung des Glaubens auch problematisch, wie die Betonung der Sündentheologie, das alleinige Vertrauen auf die Kräfte des Heiligen Geistes. Und die Gruppendynamik sei schwierig. Zwar würde stets die Freiwilligkeit betont, "aber wenn alle Ressourcen an Zeit, Arbeitskraft und auch an Geld in die Gemeinde fließen, kann einer, der schlecht Nein sagen kann, schon mal ausbrennen". Die Gemeinde zu verlassen sei zwar möglich. "Sieht man die jedoch als neue Familie an und hat andere Freundeskreise vernachlässigt, fällt das zunehmend schwer."

Daniel und Madeline wollen ein Eheseminar besuchen. Sie glauben, ihre Liebe hat Gott gemacht.

Daniel und Madeline wollen ein Eheseminar besuchen. Sie glauben, ihre Liebe hat Gott gemacht.

Nils schlägt eine Führung vor, der Heilige Geist sei im Grunde überall, die Predigt könne man sich auch später als Podcast anhören. An der Tür zu Pastor Holthuis' Büro klebt ein Werder-Bremen-Sticker. Auch Friedhelm hatte als Jugendlicher dieses Erweckungserlebnis, in der Küche seiner Tante, seine erste Begegnung mit Gott. Ein halbes Jahr lang erzählte er keinem, dass er heimlich eine Gemeinde in Ostfriesland besuchte, die damals nur aus sieben Leuten bestand. Dann bekannte er sich, machte ein Praktikum, übernahm irgendwann die Gemeinde. 20 Jahre später hatte sie mehr als 200 Anhänger. Theologie hat Pastor Friedhelm nie studiert, anders als sein tätowierter Kollege Marcus.

Gib in nur einem Bereich Gas. Da aber volle Power

Die Wuppertaler Christus Gemeinde ist ökonomisch weitgehend selbstständig, die Einnahmen werden reinvestiert, das Ziel ist Wachstum. Mehr Standorte, Strategien entwickeln, "dieses Multiplizierende eben", sagt Nils. Die Freikirchen sind vernetzt, tauschen sich aus. Vorbild seien nicht die Megachurches in den USA, 30 000 Anhänger und mehr, mit denen könnten sie sich nicht messen, sagt Holthuis. Durchaus aber mit wachsenden Gemeinden in Städten wie Manchester oder Hamburg. Viele nennen auch dort ihren Gottessaal "Celebrity-Hall". Auch dort hat man Kleingruppen, eine Bühne, eine "Welcome-Lounge". Auch dort wird poppiger Schlager gespielt.

Friedhelm Holthuis' Motto lautet: "Gib in nur einem Bereich Gas. Da aber volle Power." Sozialwerk, Kinderkirche, Website. Jeder gibt sein Bestes. Und je mehr einer sein Bestes gibt, desto mehr gehört er dazu, zum inneren Kreis. Christenfreunde. Logisch, sagt Nils. Gott und Privates lassen sich ja nicht trennen. Einen Acht-Punkte-Code formulierte die Gemeinde, ihre DNA sozusagen, ein wenig klingt er nach Silicon Valley. Einer der Punkte: "Wir sind Familie". Ein anderer: "Grundsätzlich positiv", ein dritter heißt: "Nur das Beste – keine Reste". In Sachen Gott könne eben nichts gut genug sein, sagt Nils. Man denke an die Kaffeebar. Und ganz konkret: "Wenn uns einer ein altes Sofa spenden will, dann sagen wir, behalte es, wir kaufen uns ein neues." Nur das Beste, keine Reste.

Pastor Marcus beim Bibelstudium. Der Bodybuilder ist das Aushängeschild der Gemeinde.

Pastor Marcus beim Bibelstudium. Der Bodybuilder ist das Aushängeschild der Gemeinde.

Fünf verschiedene Kindergruppen werden während des Gottesdienstes betreut. Bilder wie aus dem Ikea-Katalog: Kinder krabbeln auf bunten Teppichen, Eltern sitzen in ausladenden Sofaecken, vor ihnen allerdings eine Leinwand, auf der Pastor Friedhelm predigt. Fast jeder Raum hat eine eigene Küchenecke, in jedem stehen Sofa und Spielgerüst, und in jedem Raum hängt eine Leinwand oder ein Flachbildschirm. Auch in der Babylounge.

Du bist 'n Hammertyp, ich möchte dich heilen

Während Friedhelm über Mammon predigt, spricht im Nebengebäude der breiteste Pastor zu den jüngeren Gemeindemitgliedern über das Wort "Weissagung". Die Weissagung sei prophetisch gemeint. "Gott sagt zu einem, der Rückenschmerzen hat: 'Du bist 'n Hammertyp, ich möchte dich heilen', deshalb benutzt Gott den Pastor, der dann vorne für ihn betet. Und der mit den Rückenschmerzen checkt, hey, Gott hat mich noch auf dem Schirm, und tatsächlich, die Person wird geheilt."

Erst kürzlich hat die Gemeinde eine solche Heilung erlebt. Per Whatsapp ging die Nachricht eines Herzanfalls ein. Die Gemeinde hatte gleich noch im Gottesdienst für die Frau gebetet. Sie wurde gesund. Ja, natürlich, ein Arzt habe sie geheilt, sagt Nils. "Nur, wer hat ihn gesteuert?"

Pastor Marcus Schneider betreut eine Flüchtlingsgruppe. Das ist mehr als nur Sozialarbeit: Die Pfingstler von Wuppertal setzen auch darauf, Muslime zu missionieren.

Pastor Marcus Schneider betreut eine Flüchtlingsgruppe. Das ist mehr als nur Sozialarbeit: Die Pfingstler von Wuppertal setzen auch darauf, Muslime zu missionieren.

Im Saal ist Pastor Friedhelm am Ende seiner Predigt angelangt. Ein guter Christ sei, wer dem Gott Mammon widerstehe. Anfängerchristen, so sagt er ins Mikro, geben ihren Zehnten. Fortgeschrittene Christen dagegen, die geben das Doppelte.

Zeit für die Kollekte. Schwarze Plastikboxen werden durch die Stuhlreihen gereicht, Scheine liegen darin. Vor allem aber stapelweise Bankeinzugsformulare, für die Kontodaten. Später steht ein junges Paar an der Welcome-Lounge, etwas verstohlen blickt es umher, holt sich das Willkommenspaket ab. Darin die "Kontaktkarte" und ein Gutschein. Für den besten Kaffee der Stadt.

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