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Gabriele Paulis Handschuhe: Pauli-Fan in der Latexfalle

Es ist eine Posse: Für einen wohltätigen Zweck hat die Fürther Landrätin Gabriele Pauli ihre berüchtigten schwarzen Latexhandschuhe versteigern lassen. Jedoch hat ausgerechnet jener Pauli-Fan den Zuschlag für die Devotionalie erhalten, der die Auktion in Paulis Auftrag vermarkten sollte.

Von Britta Hesener

Vielleicht war es einfach ein Klick zu viel. Ein einziger, klitzekleiner Klick zu viel kurz vor dem Ende der Ebay-Versteigerung. Drei, zwei, eins - und "Bollulloo" war Besitzer der schwarzen Handschuhe, jener mittlerweile legendären Latexhandschuhe, die sich die Fürther Landrätin und vermeintliche Stoiber-Stürzerin Gabriele Pauli einst beim Fotoshooting für "Park Avenue" übergezogen und mit denen sie einen Skandal ausgelöst hatte. Mit seinem Gebot von stattlichen 1131 Euro erhielt "Bollulloo" am 10. September den Zuschlag. Organisiert hatte die Wohltätigkeits-Auktion das "Ebay-Magazin."

Paulis Bekannter ersteigert Handschuhe

An sich wäre nun alles in Butter gewesen: Paulis Skandalhandschuhe hätten einen neuen Besitzer gefunden, als Fetisch oder schlicht als geschichtsträchtiges Accessoire - und das alles noch für einen guten Zweck. Aber so simpel ist es nicht. Denn, so scheint es, derzeit wird jede, wirklich jede Geschichte rund um die streitbare Landrätin und Kandidatin für den CSU-Chefposten, zur Posse. Denn hinter dem Internetnamen "Bollulloo" steckt ein ganz besonderer Pauli-Fan: Stefan Kuchenmeister nämlich, just jener Mann, dem Pauli die Vermarktungs-Rechte für die Übergabe der Handschuhe an den Meistbietenden übertragen hatte. Bis April 2007 war Kuchenmeister stellvertretender CSU-Vorsitzender im Kreis Roth, dem Nachbarwahlkreis von Fürth, in dem Pauli als Landrätin wirkt. Der 40-jährige Diplom-Kaufmann berät Unternehmen nach eigenem Bekunden als Selbständiger in Sachen Kommunikation.

"Kauf mich!"

Zum Verständnis: Die Versteigerung war vom "Ebay-Magazin", das im selben Verlag erscheint wie stern und stern.de und bis dato noch Besitzer der Handschuhe war, in Abstimmung mit Pauli angeleiert worden. Doppelseitengroß hatte das Magazin die Auktion unter der Überschrift "Kauf mich!" angekündigt und darunter ein Model in blau-grünem Bayerndirndl und schwarzen Pauli-Latexhandschuhen abgedruckt. Der Auktions-Erlös sollte an den Verein "1-2-3 e. V. - Netzwerk für die Prävention im Landkreis Fürth" gehen, erste Vorsitzende: Gabriel Pauli. Die Vermarktung der Aktion übergab Pauli ihrem Bekannten Stefan Kuchenmeister. Dieser dachte dann darüber nach, den Moment der Handschuh-Übergabe an den Käufer medienwirksam von einem Fotografen ablichten zu lassen.

"Ein Symbol für Mut und Tapferkeit"

Entsprechend mysteriös erscheint es nun, dass Kuchenmeister, der Marketing-Stratege, die Handschuhe selbst ersteigert hat, also gleichsam die Übergabe an sich selbst, einen Pauli-Freund, inszenieren müsste. Bei nüchterner Betrachtung birgt die Situation durchaus die Gefahr, ins Lächerliche abzugleiten. Was also hat Kuchenmeister bewogen, selbst zuzuschlagen? Oder war's am Ende gar ein Versehen, ein klitzkleiner handwerklicher Fehler beim wohlmeinenden Versuch, den Preis hochzutreiben? Kuchenmeister selbst wischt sämtliche Vermutungen brüsk vom Tisch. Verzockt habe er sich nicht, sagte er stern.de. Sein Vorgehen erklärt er schlicht mit dem hohen ideellen Wert der Paulinischen Devotionalie: Er habe die Handschuhe ersteigert, weil sie für ihn "ein Symbol des Muts und der Tapferkeit von Gabriele Pauli sind", sagte Kuchenmeister stern.de - und das umso mehr, nachdem die Landrätin ihren Ehe-auf-Zeit-Vorschlag der Öffentlichkeit präsentiert habe. "Wir brauchen jemanden, der uns wachrüttelt. Mit Gabi Pauli sehe ich da jemanden, der das zum ersten Mal seit Herzogs Ruck-Rede 1997 geschafft hat." Und weil die CSU in diesen Teilen Bayerns offenbar kulturell ungewohnt offen ist, wandelte Kuchenmeister sogleich ein Herbert-Grönemeyer-Zitat ab: "Es ist Zeit, dass sich in Deutschland was dreht", sagte er - und das habe Gabriele Pauli endlich erreicht.

"Kuchenmeister - der backt's"

Ein bisschen, sagte Kuchenmeister, habe er "die Gabi" auch schützen wollen. Auch deshalb hätte er die Sache mit der Vermarktung in die Hand nehmen wollen. Denn wer weiß schon, was für Schindluder sonst mit den Handschuhen getrieben worden wäre, wenn nicht er sie ersteigert hätte. Dergleichen ist ausgeschlossen, wenn die Handschuhe nun sicher bei ihm im Schrank lagern.

Von der groß inszenierten Übergabe will der CSU-Mann indes nichts mehr wissen. Was gäbe das auch für ein Bild ab: Paulis Parteikollege, Bekannter und Vermarktungs-Beauftragter steht im Mittelpunkt seiner eigenen PR-Aktion, fröhlich lächelnd mit schwarzem Latex in den Händen - oder gar an den Armen?

Und so bleibt ein letzter Zweifel, ob der gelernte Kaufmann, der auf seiner Internetseite mit dem Slogan "Kuchenmeister - der backt's" für sich wirbt, es diesmal wirklich gebacken bekommen hat. Vielleicht hat sich "Bollulo" entgegen eigenem Bekunden einfach nur verzockt. Die Redaktion des "Ebay-Magazins" hat die Handschuhe nach eigenen Angaben übrigens bereits verschickt. Pauli selbst war für einen Kommentar in dieser Sache nicht zu erreichen. Sie gibt derzeit viele Interviews, weil sie Ende der Woche auf dem Parteitag in München neue CSU-Chefin werden möchte.