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Nach Online-Petition Sexismus im Bierzelt: Erste Stadt verbietet das "Donaulied"

Festzeltatmosphäre
Das umstrittene "Donaulied" wird hauptsächlich in Festzelten auf Volksfesten gespielt (Symbolfoto)
© Getty Images
In Kneipen und Festzelten ist das "Donaulied" sehr beliebt. Weil darin jedoch eine Vergewaltigung besungen wird, startete eine Studentin aus Passau vor Kurzem eine Online-Petition dagegen. Jetzt will Montabaur als erste Stadt das Lied abschaffen.

Mit einer Online-Petition gegen das "Donaulied" hatte eine Passauer Studentin eine Diskussion über Sexismus angestoßen. In einer Version des umstrittenen Festzeltliedes, wird von der Vergewaltigung eines schlafenden Mädchens gesungen. Jetzt reagiert Montabaur im rheinland-pfälzischen Westerwaldkreis als erste Stadt und will das Singen des umstrittenen Liedes in Bierzelten künftig verhindern, wie Bürgermeisterin Gabriele Wieland (CDU) mitteilte.

Bands sollen "Donaulied" nicht spielen

Eine Stadträtin aus Montabaur nahm die Online-Petition aus Niederbayern zum Anlass, selbst aktiv zu werden, und regte eine Abschaffung des Liedes auf dem dortigen Volksfest an. Montabaurs Bürgermeisterin sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Auf Initiative eines Stadtratsmitglieds haben wir beschlossen, dass wir bei Vertragsabschluss mit Bands vereinbaren, dass sie das 'Donaulied' nicht spielen." Sie gehe davon aus, dass sich die Bands daran halten.

Kurz nach Veröffentlichen der Petition hatte sich Rechteinhaber einer entschärften Version zu Wort gemeldet. Sie könnten die Bedenken nachvollziehen, "denn auch wir finden den ursprünglichen Text mehr als bedenklich und würden das so nie von unseren Musikern spielen lassen", hieß es dazu im Juni in einer Mitteilung der Rechteinhaber Dirk Wöhrle und Klaus Hanslbauer. Gewalttätige Szenen zu besingen, habe auf keiner Bühne etwas zu suchen, betonten sie. "Natürlich geht es in Festzelten manchmal etwas derber zu, aber unser Text hat absolut nichts mehr mit Gewalt zu tun", sagte Wöhrle in der Mitteilung.

Online-Petition hat inzwischen mehr als 35.000 Unterschriften

Gleichzeitig verwiesen sie aber darauf, dass sie genau deshalb bereits vor Jahren die entsprechende Passage im Originaltext, in der es um die Vergewaltigung eines am Donau-Ufer schlafenden Mädchens geht, geändert hätten. Die neue Fassung aus dem Jahre 2012 sei auch bei der Gema angemeldet worden. Partysänger Mickie Krause habe diese Version auf CD eingespielt, zudem werde es von Wöhrles Band "Hofbräu-Regiment" sowie von zahlreichen weiteren Partybands gespielt. Auf Mallorca sei dieses Lied mittlerweile ein Dauerbrenner. Daher sei es genau diese Version, die ihrer Ansicht nach häufiger gespielt werde als das Lied mit Originaltext, gegen den sich die Passauer Studentin Corinna Schütz mit einer Online-Petition wehrt.

Etwa 35.000 Menschen aus ganz Deutschland hatten bis Dienstag eine Online-Petition, nach der das "Donaulied" auf Volksfesten in Passau nicht mehr gespielt werden soll, unterzeichnet. Passaus Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD) hatte der Gruppe um die Studentin Corinna Schütz bereits Anfang Juni seine Unterstützung zugesagt. In Regensburg haben Unterstützer eine "Schwester-Petition" gestartet, die sich ebenfalls gegen das Lied ausspricht. Das verstünden sie als Auftrag, sich weiterhin gegen Sexismus auf Volksfesten zu engagieren, sagte Schütz.

jek DPA

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