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Meinung

Verhaftung von Seenotretterin: In der EU ist Menschlichkeit strafbar

Die Verhaftung der "Sea Watch"-Kapitänin Carola Rackete zeigt, dass Lebensrettung in der EU strafbar ist. Europa darf nicht zulassen, dass sich die beschämende Denke der Salvinis dieser Welt durchsetzt. 

Ohne Menschen wie Carola Rackete, wäre diese Liste noch länger.

581 sind es allein in diesem Jahr. 581 Menschen, die über das Mittelmeer nach Europa geflohen und dabei gestorben sind oder als vermisst gelten. Jedes dieser Kreuze soll symbolisch für einen dieser Menschen stehen.

Für Menschen, die verzweifelt waren. Die um ihr Leben fürchteten. Die Schutz suchten und keine Perspektive mehr in ihrem Heimatland sahen. Sie sahen Europa – und ein besseres Leben.

Carola Rackete hatte zuletzt 40 Geflüchtete an Bord der "Sea Watch 3". Sie wollte verhindern, dass die Liste noch länger wird. Die deutsche Kapitänin und ihre Crew haben Menschen vor der libyschen Küste vor dem Ertrinken gerettet und 17 Tage lang auf ihrem Schiff versorgt. Rackete durfte in Italien nicht anlegen. Irgendwann hat sie es trotzdem getan. Sie hat damit ein Verbrechen begangen, im schlimmsten Fall droht ihr eine mehrjährige Haftstrafe.

Leben zu retten, darf kein Verbrechen sein.

Rackete, viele weitere Seenotretter und Engagierte, beweisen Courage. Sie stehen für die Menschlichkeit ein, die den Salvinis in Europa und der Welt abgeht. Der italienische Innenminister hatte Rackete vorgeworfen, Schlepper zu unterstützen. Das Ziel von Leuten wie ihm ist offenkundig: Die Überfahrt nach Europa soll abschreckender werden. Erkauft wird diese Abschreckung mit Menschenleben.

Diese Denke ist beschämend. Fluchtursachen müssen anders bekämpft werden – der Tod von Hilfsbedürftigen darf und kann nicht die Lösung sein. Europa muss verhindern, dass die Unmenschlichkeit siegt. Wir alle müssen das verhindern.

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