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Karneval in Köln: Feiert euch wund!

Ich habe mir sechs Tage frei genommen, und das hat einen Grund: Karneval! Und ja, es wird auch dieses Jahr darum gehen, sich freiwillig zu blamieren. Wer das nicht kann, soll zu Hause bleiben.

Eine Kamelle von Jens-Peter Hiller

Vorbildlich peinlich: Bayerns Finanzminister Markus Söder im Shrek-Kostüm

Vorbildlich peinlich: Bayerns Finanzminister Markus Söder im Shrek-Kostüm

Es ist schlimm genug, dass wir Deutschen immer einen Anlass zum Feiern brauchen. Wir feiern auf Geburtstagen, Betriebsfesten, nach bestandenen Examen oder beim Wiedersehen. Die Gäste kennen sich untereinander, trinken artig ihre Bierchen und gondeln danach in Fahrgemeinschaften nach Hause. Natürlich nicht zu spät, denn man muss am nächsten Tag ja noch arbeiten! Fußball spielen! Mutti besuchen! Zum Arzt!

Am Donnerstag ist Weiberfastnacht, Altweiber, oder "Fastelovend", wie man in Köln, der schönsten Stadt am Rhein und in Deutschland, ja eigentlich sagen muss. Die ganze Stadt im Ausnahmezustand, die Unternehmen im Standby-Modus. Die Jecken übernehmen das Kommando.

Wäre das nicht die perfekte Gelegenheit, sich in die Menge zu werfen und mal wieder abzufeiern, bis der Arzt kommt? Liebe Leute, bitte verliert mal wieder die Kontrolle! Ich kann die Ausreden nicht mehr hören. Bitte verpasst eure Bahn und wacht statt im eigenen Bett in der Badewanne eines Freundes auf! Bitte tanzt mal wieder mit Fremden und verliert eure Freunde - es wird umso schöner sein, sie nach einigen Stunden zufällig auf dem Klo wieder zu treffen. Ja, es geht auch um Körperflüssigkeiten, klar.

Et es wie et es

Leider läuft der Karneval noch viel zu gesittet ab. Gerade in Köln ist der Rosenmontag eine sehr ernste Angelegenheit. Manche entziehen sich dem Karneval sogar ganz: fahren in den Urlaub, bleiben zu Hause oder nutzen die freien Tage, um eine Büro-Präsi fertigzustellen. Das ist enttäuschend. Diese Angst, das eigene Schamgefühl aufzugeben. Die Kontrolle zu verlieren. Sich zum Horst zu machen. Im Idealfall, also wenn man alles richtig macht, fängt das beim Kostüm an.

Am schlimmsten sind jene, die zwar irgendwie dabei sind, es aber eigentlich nicht sein wollen. Sie haben die Unlust auf die Stirn tätowiert, genieren sich in ihren Kostümen und hoffen, bloß nicht mit einem Glas Gerstensaft gesichtet zu werden. Sie schunkeln ein bisschen mit und gehen pünktlich nach dem Straßenumzug nach Hause, froh sich nicht blamiert zu haben. Über die Kamelle freut sich der Pseudo-Karnevalist natürlich trotzdem - aber nur über die guten Schokoriegel, die Bonbons hebt er nicht auf. Gruselig.

Karneval ist der perfekte Zeitpunkt, um sich mal wieder zu blamieren! In der Menge fällt es niemandem auf und wenn doch - auch egal! Et es wie et es.

Themen in diesem Artikel
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?