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Projekt "Power-Koffer": Wie ein kleiner Koffer für weniger Rassismus sorgen soll

"Was kann ich gegen Rassismus tun?", fragen sich derzeit immer mehr besorgte Bürgerinnen und Bürger. Die "Initiative Schwarze Menschen in Deutschland" hat eine Idee – und Sie können Ihr helfen.


"Gegen jeden Rassismus" und "·Black skin is not a crime" steht auf Schildern einer Demonstrantin in Stuttgart

"Gegen jeden Rassismus" und "·Black skin is not a crime" steht auf Schildern einer Demonstrantin in Stuttgart

DPA

Seit dem Tod des Afroamerikaners George Loyd bei einem brutalen Polizeieinsatz im US-Bundesstaat Minnesota ist das Thema Rassismus auch in Deutschland auf der politischen und gesellschaftlichen Tagesordnung weit nach vorne gerückt. Überall im Land sind in den letzten Wochen Menschen auf die Straße gegangen, um gegen Diskriminierung und Polizeigewalt zu demonstrieren.

Schon lange vor den dramatischen Ereignissen in den USA engagierte sich der Verein "Initiative Schwarze Menschen in Deutschland Bund e.V." für Gleichberechtigung und Gerechtigkeit in der Migrationsgesellschaft. Die ISD versteht sich als Interessenvertretung schwarzer Menschen in Deutschland und hat es sich zur Aufgabe gemacht, rassistische Diskriminierung, Benachteiligung und Ausbeutung aufzuzeigen und zu bekämpfen, schwarzen Kindern und Jugendlichen Aktivitäten und Räume anzubieten, politische Projekte für Schwarze zu fördern und für eine anti-rassistische Haltung in allen gesellschaftlichen Bereichen einzutreten.

Vorurteilsbewusste Erziehung beginnt im Kindergartenalter

Die ISD Hannover hat dafür das Projekt "Power-Koffer" ins Leben gerufen. Ziel der Initiative ist es, für Eltern, ErzieherInnen und Kinder ein Angebot an Kinderbüchern und Spielmaterialien zu schaffen, die eine vielfältige und rassismussensible Ausrichtung haben. Da sich die Anfragen nach solchen Materialien nach Angaben der ISD häufen, würde sie gerne Koffer mit entsprechenden Spielmaterialien und Kinderbuchliteratur erstellen, die gezeigt und verliehen werden können, damit Kinder- und Spielzimmer in Hannover diverser werden.

Die Inhalte sollen von Kitas einzeln oder komplett ausgeliehen werden oder für Büchertische oder Kindertreffen verwendet werden können. Zudem sollen Anleitungen angeboten werden, die zeigen, worauf bei der Auswahl von Kinderbüchern und Spielmaterialien geachtet werden und wie mit den Materialien pädagogisch gearbeitet werden kann.

Vorurteilsbewusste Erziehung beginne bereits im Kindergartenalter, erklärte die ISD. Kinder entwickelten durch das Betrachten und Lesen von Büchern ein Bild von sich selbst, von anderen Menschen und von der Welt. Wenn also in der Mehrzahl der Bücher die Hauptfiguren beispielsweise weiß und heterosexuell dargestellt würden, erhielten Kinder immer wieder die Botschaft, dies sei "normal" und alle, die anders seien, seien das nicht. Dies gelte ebenso für die Darstellung religiöser Geschichten oder Bräuche in Kinderbüchern. Christliche Traditionen und Rituale flössen in etliche Geschichten ein und seien sichtbar, wohingegen jüdische, muslimische, buddhistische und andere Geschichtsschreibung weitgehend unsichtbar bleibe.

Die ISD Hannover ist eine ehrenamtliche Initiative. Für die Umsetzung ihres Projektes und die Anschaffung der "Power-Koffer" ist sie deshalb auf Spenden angewiesen. Gefördert wird sie von der Amadeu Antonio Stiftung gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus, mit der auch der stern seit 20 Jahren zusammenarbeitet. Wenn Sie helfen wollen, leiten wir Ihre Spende gern weiter:

Stiftung stern e.V., IBAN DE90200700000469950001, BIC DEUTDEHH, Stichwort "Rassismus"; www.stiftungstern.de

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mad