Gluthitze in den USA U-Bahn wird zum Backofen


Die Ostküste der USA schmort bei Temperaturen von 40 Grad. Wirkliche Abkühlung versprechen da nur die klimatisierten Einkaufscenter. Da zieht es jetzt sogar Shopping-Muffel Tony Sariti aus Washington hin, wie er stern.de erzählt.

Tony Sariti hat's gut. Der 63-jährige ist Rentner und kann sich vor der Gluthitze in die Shopping-Malls flüchten. Normalerweise hasst er nichts mehr, als sinnlos die Zeit beim Einkaufen zu verplempern. Doch in diesem Sommer ist vieles anders: "Morgen hat meine Frau Geburtstag. Ich werde deshalb den ganzen Tag in der Mall verbringen, Geschenke kaufen und die kühle Luft genießen." Auf diese Idee seien aber schon viele andere gekommen, erzählt Sariti, der in einer Vorstadt der amerikanischen Hauptstadt wohnt. Viele der meist auf knapp 20 Grad gekühlten Geschäfte seien proppevoll. Voll mit Erleichterung suchenden Ostküstenbewohner. Denn seit ein paar Tagen herrschen von Massachusetts im Norden bis South Carolina im Süden tropische Temperaturen. Bei der hohen Luftfeuchtigkeit von gut 90 Prozent sprechen Meteorologen von gefühlten knapp 45 Grad.

"Es ist unglaublich heiß", meint Sariti. "In Washington sind wir heiße Temperaturen für ein oder zwei Tage schon gewohnt. Aber sogar für Washington ist es extrem heiß, und die Dauer der Hitzeperiode ist sehr ungewöhnlich." Im Nachbarstaat Virginia haben die Behören ein Einsehen mit der leidenden Bevölkerung: Um vor allem den ärmeren Menschen, die meist keine Klimaanlage im Haus haben, die Flucht in die Malls zu ermöglichen, seien dort Busfahrten seit einigen Tagen umsonst, erzählt Sariti.

"Just cool down"

Seiner Frau Mary-Ellen hilft das freilich wenig. Sie pendelt jeden Tag zu ihrer Arbeitsstelle in Washingtons Innenstadt. Zwar sind Bahnhöfe und U-Bahn-Züge klimatisiert , doch Anfang der Woche streikte die Klimaanlage eines Wagens. "Meine Frau saß über eine halbe Stunde in diesem Wagen, der nach kurzem einem Backofen glich. Nach dieser Erfahrung hat sie ernsthaft über einen baldigen Ruhestand nachgedacht", sagt Sariti und lacht. Er hat gut lachen, denn schließlich kann er sich auch in sein wohltemperiertes Haus flüchten. Die Behörden fordern zwar die Bevölkerung auf, die Klimaanlagen abzudrehen, wenn sie nicht zu Hause sind, um das Stromsystem zu schonen. Doch darauf hört hier niemand, erzählt Sariti. Kontrollen gibt es nicht. Sariti: "Schließlich sind wir ein freies Land." Sein Rezept für die nächsten Tage: "Hinlegen, fernsehen, relaxen. Just cool down."

Malte Arnsperger

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