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"Nicht mal das Mindeste" "Zutiefst menschenfeindlich!" Rapper Disarstar flext Metallbügel ab, damit Obdachlose wieder liegen können

Rapper Disarstar flext mit einem Winkelschleifer ab
Die Metallbügel, die verhindern sollen, dass jemand auf Bänken übernachten kann, flext Disarstar binnen Sekunden ab
© Screenshot YouTube / Disarstar
"Man gönnt den Obdachlosen nicht mal den Dreck unter ihren Fingernägeln", sagt Disarstar in einem Video – und flext kurzerhand Metallbügel von einer Sitzfläche ab. Stattdessen legt er eine Matratze, Decke und Kissen darauf.

"Ich wohne seit über zehn Jahren auf Sankt Pauli und beobachte alleine nur in dieser Zeit die massive investoren- und touristenfreundliche Aufschickung des Stadtkerns, die den Obdachlosen immer weniger Platz einräumt", sagt der Hamburger Rapper Disarstar in einem auf Youtube veröffentlichten Video. In dem viereinhalbminütigen Video liest er einen Text vor, in dem er den Umgang mit auf Straßen lebenden Menschen kritisiert. 

Keine Anzeige gegen Disarstar

Seinem Unmut lässt er im Video auch Taten folgen: Der Rapper flext mit einem Winkelschleifer Metallbügel ab, welche neben "anderen Schikanen" gewährleisten sollten, dass "es sich dort ja niemand gemütlich machen kann", so der Rapper. Die Bügel waren auf einer Sitzfläche neben dem Empire-Riverside-Hotel im Hamburger Stadtteil St. Pauli angebracht, schreibt das Hamburger Straßenmagazin Hinz und Kunzt.

Nachdem die Metallbügel entfernt sind, breitet Disarstar auf der freigewordenen Fläche eine Klappmatratze mit Decke und Kissen aus und stellt eine Vase mit Blumen daneben. An die Seite der Sitzfläche sprüht er mit einer Spraydose: "Nicht mal das Mindeste."

Über rechtlichen Ärger muss sich Disarstar anscheinend keine Gedanken machen: Von Amtswegen sei zwar eine Anzeige gefertigt worden, wie ein Sprecher der Hamburger Polizei t-online mitteilte. Allerdings stehe die Sitzfläche auf privaten Grund, weshalb Rücksprache mit den Verantwortlichen gehalten worden sei. Diese hätten "kein Strafverfolgungsinteresse" und keinen Strafantrag gestellt, sagt der Sprecher.

"Es geht einzig und allein und Verdrängung und Vertreibung"

Die "Bügel und andere Schikanen auf Bänke und Liegeflächen" sind für den Rapper, der mit bürgerlichem Namen Gerrit Falius heißt, nicht die einzigen Maßnahmen gegen Obdachlose, die kritikwürdig sind. Einwegmülleimer sollen Pfandsammler aus dem Stadtbild verschwinden lassen und laute Musik an Bahnhöfen dafür sorgen, dass sich dort niemand länger als nötig aufhalte, so Falius.

Für ihn "ist das alles zutiefst menschenfeindlich" und keine "lösungsorientierte Auseinandersetzung mit einem Problem". Stattdessen gehe es "einzig und allein um Verdrängung und Vertreibung."

"Man gönnt den Obdachlosen nicht mal den Dreck unter ihren Fingernägeln“, sagt er. In seinem Video ruft er zu Spenden an das "CaFée mit Herz", einer Hamburger Einrichtung für Obdachlose, auf. 

Strßenkünstler

Positive Rückmeldung zur Aktion

Für die Aktion erhält der 28-jährige Rapper viel Zuspruch. "Respekt an Disarstar der seine Plattform sinnvoll nutzt um die Missstände in der Gesellschaft zu kritisieren", kommentiert ein Nutzer unter dem Video. Ein anderer Nutzer schreibt: "Ich kann nur schwer ausdrücken, mit welch Respekt und Anerkennung ich dieser Aktion gegenüber trete. Ganz wichtig, vor allem in Zeiten wie diesen!"

Quellen:Youtube Disarstar, Hinz und Kunzt, t-online

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