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Hamburg: Terrorverdächtige konnten gar kein Arabisch

Die Hamburger Terrorverdächtigen haben sich angeblich auf Arabisch unterhalten. Nun aber behauptet ihr Anwalt: Die Männer sprechen überhaupt kein Arabisch. Außerdem sollen sie auch nicht aus Tschetschenien kommen.

Von Oliver Link

Die drei in der vergangenen Woche in Hamburg unter Terrorverdacht festgenommenen Männer sind der arabischen Sprache nicht mächtig - obwohl sie auf Hocharabisch ein Gespräch geführt haben sollen, das die Möglichkeit eines Anschlags nahe legte. Dies sagte deren Anwalt, Jens Niedrig, von der Hamburger Kanzlei Groenewold Husemann zu stern.de.

Bei den Männern im Alter von 21 bis 25 Jahren handelt es sich nicht, wie bisher angenommen, um Tschetschenen, sondern um Inguschen. Die Männer haben lange in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny gelebt und sprechen untereinander tschetschenisch und russisch.

Der größte Polizeieinsatz der Hamburger Nachkriegszeit mit mehr als 1000 Beamten war nach einem Hinweis aus der Bevölkerung in Gang gesetzt worden. Ein Ägypter hatte der Polizei gemeldet, er habe am Mittwoch vergangener Woche an einer Bushaltestelle ein auf Arabisch geführtes Gespräch mit angehört, in dem Sätze gefallen seien, die einen Terroranschlag befürchten ließen.

Die drei Männer hätten auf Arabisch unter anderem über Heldentum "vor Allah" gesprochen. Nach Angaben des Zeugen sei auch der Satz: "Wir werden morgen als Helden vor Allah stehen" gesagt worden. Einer der Männer habe einen Rucksack getragen. Die verdächtigen Männer waren vergangenen Freitag festgenommen und bereits in der Nacht zum Samstag wieder freigelassen worden. Die Polizei hatte keine Anhaltspunkte für geplante Terroranschläge finden können. Hamburgs Innensenator Udo Nagel (parteilos) erklärte daraufhin, er halte es für möglich, dass ein schlechter Scherz Auslöser für den Großeinsatz gewesen sein könnte.

Auf Anfrage von stern.de blieb die Polizei bei ihrer Darstellung, die Verdächtigen sprächen Arabisch, "nicht fließend, aber bruchstückhaft", so eine Polizeisprecherin. Die Verdächtigen hätten in den Verhören auch nicht bestritten, über Grundkenntnisse der hocharabischen Sprache zu verfügen, teilte die Sprecherin mit.

Eben dies sei nicht korrekt, so ihr Anwalt. In den von einem Dolmetscher vom Deutschen ins Russische übersetzten Verhören hätten die unter Terrorverdacht stehenden Männer ausgesagt, nicht der arabischen Sprache mächtig zu sein, so Niedrig. Die Männer sprächen ausschließlich Tschetschenisch und Russisch und seien nicht in der Lage, sich auf Arabisch zu unterhalten, wie es der Zeuge gehört haben will, so Niedrig.

Die Männer verlangten nun ihre öffentliche Rehabilitation, um ihre "angegriffene Ehre" wiederherzustellen, so Niedrig und lassen zusätzlich etwaige Ansprüche auf Schadenersatz prüfen. Niedrig erklärte gegenüber stern.de, Anzeige gegen den ägyptischen Zeugen zu erstatten.

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