Henkel-Betrugsaffäre Haftstrafen für Millionenbetrüger


Luxus-Autos und Champagner in Strömen: Ein PR-Mann des Henkel-Konzerns erfand 45 Millionen Euro schwere Forderungen gegen seinen Arbeitgeber, weil ihm 5000 Euro Netto-Monatsgehalt nicht reichten. Heute erhielt er die Quittung.

Nach einem durch Hochstapelei finanzierten Leben in Saus und Braus erwartet Karl von B. und einen seiner Komplizen nun ein weitaus bescheidenerer Lebensstil: Im Prozess um den spektakulären Millionenbetrug mit dem Namen des Henkel-Konzerns hat das Düsseldorfer Landgericht bis zu fünfeinhalb Jahre Haft verhängt. Der ehemalige PR-Manager des Unternehmens wurde zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Der 43-Jährige hatte die Affäre mit einer Selbstanzeige aufgedeckt und ein umfassendes Geständnis abgelegt. Von B. hatte die millionenschweren Forderungen gegen seinen Arbeitgeber erfunden, weil ihm 5000 Euro Netto-Monatsgehalt nicht reichten.

Ein einschlägig vorbestrafter Komplize muss für fünfeinhalb Jahre hinter Gitter. Beide sollen 45 Millionen Euro getürkte Forderungen gegen den Waschmittelkonzern im Rahmen sogenannter Factoring-Geschäfte weiterverkauft haben. Angeklagt waren sie wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs sowie wegen Urkundenfälschung.

Kopf der Betrügerbande vor Prozess verstorben

Der Initiator des gigantischen Betrugs kann von irdischen Gerichten nicht mehr bestraft werden: Der legendäre Betrüger und Hochstapler Willy Luchs starb - ausweislich eines Totenscheins - vor Prozessbeginn an Krebs. Luchs hatte sich im mondänen Düsseldorfer Stadttor nur eine Etage unter der Staatskanzlei und Regierungschef Jürgen Rüttgers, CDU, eingemietet, um den ganz großen Coup zu landen. Der angebliche Einstieg von Henkel als Sponsor bei der Formel 1 sollte 90 Millionen Euro bringen. Doch sein Komplize, der bei Henkel für Sportsponsoring zuständige von B., bekam kalte Füße und ließ den Schwindel auffliegen.

"Genialer Betrüger, Spritus rector" - fast ehrfürchtig kommt die Rede immer wieder auf den ehemaligen Gerichtsschreiber Willy Luchs, dessen Leben bereits verfilmt wurde. Er spannte schon in den 1990er Jahren als Anwalt Dr. Maximilian Jung Prominente wie Kanzler-Gattin Hannelore Kohl und Außenminister Klaus Kinkel für seine Zwecke ein, organisierte noch vor wenigen Jahren ein Golfturnier mit Boris Becker als Schirmherr.

"Es ist ihm gelungen, den Strafverfolgern noch auf dem Totenbett zwei Autos abzuluchsen, die dann in der Schweiz verschwunden sind", berichtet Verteidiger Norbert Gatzweiler. Natürlich handelte es sich dabei um sündhaft teure italienische PS-Boliden. Mit einem Ferrari, einem Aston Martin und einem Porsche machte Luchs sich den nach einer Trennung finanziell klammen von B. gefügig, bei seinem Schneeballsystem mitzumachen.

"Bürgerliche Existenz mit Champagner weggespült"

Die Käufer der Forderungen, Finanzunternehmen aus Hamburg und Hürth bei Köln, blieben auf Millionenschäden sitzen. Viele Arbeitsplätze sind durch die in Schieflage geratenen Unternehmen gefährdet. Die ehemalige Geschäftsführerin des zuletzt geschädigten Unternehmens lebt jetzt von Hartz-IV.

Kai von B. ist jedenfalls ruiniert, konstatiert sein Anwalt Professor Norbert Gatzweiler. Und der Oberstaatsanwalt schüttelt den Kopf, wenn er an die imposanten Kreditkartenabrechnungen des PR-Manns denkt: "Da wurde eine bürgerliche Existenz mit Champagner weggespült."

DPA/gro DPA

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