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Notsituation Ein Hund sitzt im heißen Auto: So können Sie ihn ungestraft retten

Ein Hund steckt seine Nase durch ein leicht geöffnetes Autofenster
Im Auto wird es schnell sehr heiß und eingeschlossene Hund können durch einen Hitzschlag sterben. Sie dürfen die Tiere retten, ohne bestraft zu werden.
© iStockphoto / Getty Images
Der Sommer ist da und die Temperaturen steigen. Viele Hundehalter missachten, dass es im Auto schnell sehr heiß wird und sperren ihren Hund dort ein. Wir erklären Ihnen, wie Sie einen Hund in Not retten können, ohne rechtliche Folgen fürchten zu müssen.

In den kommenden Tagen klettern die Temperaturen in Deutschland auf über 30 Grad. Der langersehnte Sommer ist endlich da. Doch, wie jeden Sommer, unterschätzen Hundebesitzer häufig den Temperaturanstieg im eigenen Auto – und schließen ihren Hund ein. Manche lassen einen Fensterspalt offen, damit der Hund frische Luft bekommt. (Auch das hilft nicht!) Was können Sie als Passant tun, wenn Sie ein Tier in einer solchen Notsituation vorfinden? Die Rechtslage ist hier eindeutig: Sie dürfen ungestraft eine Autoscheibe einschlagen, um einen Hund zu retten. Dies gilt auch für Österreich und die Schweiz. Dabei müssen Sie allerdings eine Vorgehensweise beachten, damit Sie auf der sicheren Seite sind.

In einem geparkten Auto ist es heißer als draußen

Schon bei 20 Grad Außentemperatur erhitzt sich der Innenraum des Fahrzeuges nach einer halben Stunde auf 36 Grad. Das gilt auch, wenn es bewölkt ist. An ganz besonders heißen Tagen mit Temperaturen von 34 Grad, liegt die Temperatur im Auto nach 30 Minuten schon bei 50 Grad. Da ein Hund nicht schwitzen kann, wird er bei hohen Temperaturen sehr stark hecheln und eventuell bereits Schaum vor dem Mund haben. Das ist ein eindeutiger Beweis dafür, dass sich der Hund in einer Notsituation befindet – und Ihre rechtliche Grundlage dafür, ungestraft eine Autoscheibe einzuschlagen. So gehen Sie dabei am besten vor: 

Suchen Sie als erstes nach dem Hundebesitzer. Gehen Sie in naheliegende Geschäfte und Cafés oder klingeln Sie bei den umliegenden Wohnhäusern. Lässt sich der Besitzer nicht schnellstmöglich finden, dann rufen Sie die Polizei oder die Feuerwehr und schildern die Situation. Befindet sich der Hund bereits in akuter Lebensgefahr, müssen Sie nicht auf das Eintreffen der Beamten warten. Sie dürfen den Hund selber befreien, wichtig ist jedoch, dass Sie die Behörden vorher verständigt haben. Überprüfen Sie zuerst, ob die Türen offen sind oder ob sich ein Fenster durch einen offenen Schlitz öffnen lässt. Wenn dies nicht zutrifft, dürfen Sie die Scheibe einschlagen. Dokumentieren Sie die Situation mit Ihrem Handy und sprechen Sie Passanten an, die die Notsituation bezeugen können.

Der Hund muss nach der Rettung gekühlt werden. Bringen Sie ihn in den Schatten und versorgen Sie ihn mit Wasser. Abruptes Kühlen, durch zum Beispiel einen Wasserschwall, sollte vermieden werden, da es zu einer Schockwirkung kommen kann. Fächern Sie dem Hund Luft zu, damit eine Ventilation gegeben ist. In ein nasses Handtuch sollten Sie ihn nicht einwickeln. Der Hund wird etwas Zeit brauchen, um sich zu erholen, aber Sie werden bemerken, dass sich die Atmung normalisiert. Er sollte danach trotzdem zum Tierarzt gebracht werden.

Sie müssen keine rechtlichen Folgen fürchten

Das Einschlagen einer fremden Autoscheibe ist zwar Sachbeschädigung (nach Paragraf 303 des Strafgesetzbuchs) und kann zivilrechtlich verfolgt werden. Die Sachbeschädigung kann allerdings gerechtfertigt werden. Paragraf 34 des Strafgesetzbuches besagt: "Wer in einer gegenwärtigen, nicht anders abwendbaren Gefahr für Leben, Leib, Freiheit, Ehre, Eigentum oder ein anderes Rechtsgut eine Tat begeht, um die Gefahr von sich oder einem anderen abzuwenden, handelt nicht rechtswidrig, (...) Dies gilt jedoch nur, soweit die Tat ein angemessenes Mittel ist, die Gefahr abzuwenden."

Auch zivilrechtlich sind Sie mit der Rettung auf der sicheren Seite, denn Paragraf 228 des bürgerlichen Gesetzbuchs besagt: "Wer eine fremde Sache beschädigt oder zerstört, um eine durch sie drohende Gefahr von sich oder einem anderen abzuwenden, handelt nicht widerrechtlich, wenn die Beschädigung oder die Zerstörung zur Abwendung der Gefahr erforderlich ist und der Schaden nicht außer Verhältnis zu der Gefahr steht. Hat der Handelnde die Gefahr verschuldet, so ist er zum Schadensersatz verpflichtet." Da Sie die Beamten informiert haben und nachweisen können, dass es sich um eine Notsituation handelte, bleiben Sie ungestraft.

Hundehalter werden wegen Tierquälerei bestraft

Der Hundehalter macht sich allerdings strafbar und muss mit einem Strafverfahren wegen des Tatbestands der Tierquälerei rechnen. Er kann nach Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes bestraft werden. Dabei droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

Liebe Hundebesitzer: Ihr Hund kann und wird einen Hitzschlag erleiden, wenn Sie ihn im heißen Auto lassen. Hunde können nicht, wie wir Menschen, schwitzen, um sich abzukühlen. Bitte nehmen Sie Ihren Hund aus dem Fahrzeug, bevor er an den Folgen stirbt. Es bringt auch nichts, im Schatten zu parken, denn die Sonne wandert und so kann Ihr Hund schnell der prallen Sonne ausgeliefert sein.

Quellen: Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 228 NotstandTierschutzgesetz § 17 Strafgesetzbuch (StGB) § 34 Rechtfertigender NotstandStrafgesetzbuch (StGB) § 303 Sachbeschädigung 

fis

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