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Späte Rückkehr Meteorologe verlor Portemonnaie in der Antarktis – und bekommt es 53 Jahre später zurück

Paul Grisham hält seinen Navy-Ausweis von 1968 in seinem Haus in San Diego am 3. Februar 2021
"Damals hatte ich noch dunkelbraunes Haar" – in seinem alten Portemonnaie fand Grimshaw unter anderem seinen Militärausweis
© Nelvin C. Cepeda / The San Diego Union-Tribune / DPA / AP
In den späten 1960er-Jahren war Paul Grisham als Meteorologe für die US-Navy in der Antarktis stationiert. Mehr als 50 Jahre später bekommt er einen Anruf: "Hey, vermissen Sie eine Brieftasche?"

In den Jahren 1967/68 war Paul Grisham als Meteorologe bei der US-Navy in der Antarktis stationiert. 53 Jahre später bekommt er seine Brieftasche zurück, die er damals im tiefen Süden verloren hatte. Medienberichten zufolge staunte der heute 91-Jährige beim Anblick seines alten Ausweises nicht schlecht.

Ausweis, Katastrophen-Handbuch und Likör-Rezept

Paul Grisham sei als Navy-Meteorologe 13 Monate Teil der Operation "Deep Freeze" gewesen und habe zivile Wissenschaftler bei deren Forschung in der Antarktis unterstützt. Dass er damals sein Portemonnaie verlor, daran habe sich der heute 91-Jährige gar nicht mehr erinnern können. Umso größer muss die Überraschung gewesen sein, als er Ende Januar einen Anruf bekommt und ein Mann ihn fragt: "Hey, vermissen Sie eine Brieftasche?"

"Es brachte Erinnerungen zurück, oh ja. Damals hatte ich dunkelbraunes Haar", sagte der pensionierte Meteorologe Medienberichten zufolge. Das Portemonnaie sei beim Abriss einiger alter Gebäude in der McMurdo Station auf der Ross-Insel gefunden worden und schließlich in die Hände einiger Amateurdetektive gelangt. Diese wiederum hätten Grisham ausfindig gemacht und ihn kontaktiert. "Es war eine Freude, mit ihm zu sprechen", sagte Bruce McKee, einer der Hobby-Detektive. "Er konnte nicht glauben, dass wir die Brieftasche für ihn gefunden hatten."

In seiner alten Geldbörse habe Grisham eine Lochkarte für Bierrationen, seinen Militärausweis und Führerschein, sowie ein Nachschlagewerk mit Anweisungen für den Fall eines atomaren, chemischen oder biologischen Angriffs entdeckt. Außerdem habe Grisham darin ein handgeschriebenes Rezept für Kahlúa-Likör wiedergefunden. Sowohl die Anordnungen für den Katastrophenfall, als auch das Likör-Rezept habe Grisham allerdings nie gebraucht – auch wenn ihn viele nach dem Rezept gefragt hätten, nachdem sich die Geschichte herumgesprochen habe.

Leben "im Eis".

Als Meteorologe habe er Wetterdaten an Flugzeuge und Schiffe weitergegeben, die Personal, Ausrüstung und Vorräte anlieferten. "Die gesamte Station arbeitete fünf Monate lang rund um die Uhr, weil es so viel zu tun gab", um sich auf den langen, dunklen Winter vorzubereiten, sagte Grisham laut "CNN".

McMurdo ist auch heute noch in Betrieb und nach Angaben der National Science Foundation (NSF) die größte Forschungsstation in der Antarktis. Die Station ist auf dem kahlen Vulkangestein der Ross-Insel errichtet worden – dem südlichsten Festland, das Schiffe noch erreichen können. Zu den 85 Gebäuden zählten neben Schlafsälen, Werkstätten und Laboren auch eine Feuerwache, eine Werft, Geschäfte und sogar Clubs. Zu Grishams Zeiten habe es eine Bowlingbahn gegeben, die fast immer in Betrieb gewesen sei. Außerdem hätten die Bewohner in einer kleinen Turnhalle trainieren können, wenn die Temperaturen "im Eis", wie sie es Antarktis nur genannt hätten, Sport im Freien nicht erlaubten.

Die McMurdo Station auf der Ross-Insel in der Antarktis
Die McMurdo Station auf der Ross-Insel in der Antarktis
© Rich Kirchner / Picture Alliance

Laut der NSF wurden hier schon Temperaturen von minus 50 Grad gemessen – nur im Sommer sei die Station schneefrei. Die Kälte sei Menschen, die noch nie dort waren, unmöglich zu beschreiben, so Grisham. "Im Winter geht die Sonne unter und für einen Zeitraum von etwa fünf Monaten gibt es überhaupt keinen Sonnenschein - es ist schwarz", erinnerte er sich laut der "New York Times".

"Das Einzige, was das Leben dort unten wirklich lebenswert machte, waren die Menschen", erzählte Grisham laut "CNN" weiter. "Wir überwinterten zu 180 Mann, und sie waren die sympathischsten, liebenswertesten Männer, mit denen ich je das Vergnügen hatte, an einem Ort zu sein." Die Männer hätten in ihrer Freizeit viel gespielt: In der Brieftasche habe Grisham auch einige Zahlungsanweisungsbelege gefunden, mit denen der Meteorologe seine Pokergewinne an die Familie schickte. Während seiner 13 Monate im Eis habe Grisham auch eine über 1.300 Kilometer lange Reise zum Südpol unternommen.

Grisham sei 1977, nach 25 Dienstjahren, in den Ruhestand gegangen. Heute lebe er mit seiner Familie im kalifornischen San Diego. Seit 2007 sei er ehrenamtlicher Dozent auf einem Museumsschiff, dem Flugzeugträger U.S.S. Midway. Die ganze Familie habe sich über die Rückkehr der "Zeitkapsel" gefreut. Grishams 26-jährige Enkelin lausche immer noch gerne ihrem Großvater, wenn der von seinen Abenteuern im eisigen Süden erzählt. "Er ist immer noch unser Ansprechpartner für alle Wetterfragen", sagte sie laut "CNN".

Quellen: "CNN"; "New York Times"; Website NSF

yks

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