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Inzest-Fall Amstetten: "Das sprengt alle Dimensionen"

Niemals das Tageslicht gesehen - sprechen gelernt von der Mutter: Als weltweit einzigartigen Fall stufen die österreichischen Behörden das Inzest-Verbrechen in Amstetten ein. Der 73-jährige Josef F. hat mittlerweile ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Das furchtbare Inzest-Verbrechen in der niederösterreichischen Kleinstadt Amstetten wird von den Behörden als weltweit einzigartiger Fall eingestuft. "Das sprengt alle Dimensionen", sagte ein Polizeisprecher bei einer Pressekonferenz in Amstetten. Nach Angaben der Polizei sei das Verbrechen im "Großen und Ganzen" geklärt, so der Sicherheitsdirektor für Niederösterreich, Franz Prucher, der von "einem schrecklichen Kriminalfall" sprach. Der Vater der jahrzehntelang missbrauchten Frau habe ein umfassendes Geständnis abgelegt. Nach Angaben von Staatsanwalt Gerhard Sedlacek sollte der geständige Täter noch am Montag einem Untersuchungsrichter vorgeführt werden, der über den Haftbefehl entscheiden wird.

Der mutmaßliche Täter, der 73-Jährige Josef F., habe gestanden, seine Tochter Elisabeth im Alter von 18 Jahren gegen ihren Willen in den Keller gesperrt, sie missbraucht und mit ihr mehrere Kinder gezeugt zu haben, sagte der Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich, Franz Polzer. Er sah sich offenbar in einer Beziehung mit seiner Tochter. Die heute 42-Jährige und drei ihrer Kinder wurden jahrelang in einem rund 60 Quadratmeter großen fensterlosen Verlies in Amstetten festgehalten.

Die Kinder lernten von ihrer Mutter sprechen und laufen. Von den sieben in dem Verlies zur Welt gebrachten Kindern ist eines kurz nach der Geburt gestorben. Drei - die älteste Tochter sowie der älteste und der jüngste Sohn - mussten in dem Keller leben, ohne jemals das Tageslicht zu sehen. Sie sind heute 19, 18 und fünf Jahre alt. Durch die Krankheit der 19-Jährigen war der ganze Fall überhaupt erst ins Rollen gekommen. Sie befindet sich noch immer im Krankenhaus. Der Zustand der 19-jährigen Tochter Kerstin wurde als ernst, aber stabil bezeichnet. Sie soll an einer Erbkrankheit als Folge des Inzests leiden.

Die Polizei veröffentlichte Fotos der nur 1,70 Meter hohen Räume, in die kein Tageslicht drang. Bilder der Schlafräume sollen aus Rücksicht auf die Opfer nicht freigegeben werden.

Die Frau des 73-Jährigen hat offenbar nichts gemerkt

Die österreichischen Behörden gehen nach bisherigem Erkenntnisstand davon aus, dass die Mutter des Inzest-Opfers Elisabeth F. nichts vom Martyrium ihrer Tochter gewusst hat. Rosemarie F. habe offensichtlich keine Ahnung gehabt, was vor sich gehe, sagte der Amstettener Bezirkshauptmann Hans-Heinz Lenze.

Für die Frau des 73-jährigen Tatverdächtigen sei eine Welt zusammengebrochen. Es sei auch sehr verwunderlich, dass die Nachbarn nichts mitbekommen hätten. Die Polizei versuche unter anderem herauszufinden, ob und in welchem Maße aus dem Kellerverlies Geräusche nach draußen gedrungen sein könnten. Die im Haus von der Großmutter aufgezogenen drei Kinder seien unauffällig, gut integriert und unter anderem bei der Freiwilligen Feuerwehr und einem Polizeisportverein engagiert, sagte Bezirkshauptmann Lenze. Nach Auskunft der Polizei habe niemand sonst Zugang zu dem Keller-Verlies gehabt.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters