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Islamophobie-Experiment:: Geht ein Moslem durch Mailand

Nach dem Spießrutenlauf eines Juden in Paris zeigt ein Moslem die Reaktionen seiner Mitmenschen in Mailand. Auch er wird beschimpft und misstrauisch beäugt.

Von Sophie Albers Ben Chamo

Hamdi Mahisen ist im Gewand eines Imams durch Mailand gelaufen.

Hamdi Mahisen ist im Gewand eines Imams durch Mailand gelaufen.

Kurz nachdem der israelische Journalist Zvika Klein mit Kippa und Zizit durch Paris gelaufen ist, um am eigenen Leib zu erfahren, wie gefährlich die Stadt tatsächlich ist, in der Juden immer wieder angegriffen werden und in den vergangenen Jahren auch ermordet worden sind, aus dem einzigen Grund weil sie Juden sind, ist ein junger Italiener, dessen Familie aus Ägypten stammt, in Mailand Kleins Beispiel gefolgt.

Wie aggressiv reagieren die Menschen in Italien auf einen Mann mit dunklem Bart, weißer Tunika, weißer Takke und dem Koran in der Hand, wollte Hamdi Mahisen wissen, der mit seinen Eltern in Mailand lebt, wo er auch studiert. Ein Freund des 30-Jährigen lief mit versteckter Kamera vor ihm her und zeichnete alles auf. Er habe die Toleranz der Mailänder testen wollen, sagte Mahisen der italienischen Zeitung "La Repubblica".

Statt zehn Stunden ist Mahisen fünf Stunden durch die italienische Stadt gelaufen, und auch er wurde beschimpft - unter anderem als "Taliban". Und er erntete immer wieder misstrauische Blicke. An einer Straßenbahnstation hört man einen Mann tuscheln: "Er hat einen Koran in der Hand, vielleicht hat er eine Waffe unter der Tunika." Andere Male wurde über den Mann in Weiß gelacht. Ein Zeitungsleser in der Fußgängerzone, neben den er sich gesetzt hat, rückte von ihm ab.

Anders als bei der antisemitischen Stimmung in Paris sind in Mailand bisher keine vergleichbaren Angriffe gegen Muslime bekannt geworden. Allerdings ist die islamophobe Stimmung in Italien angeblich die am stärksten ausgeprägte in Europa. Im vergangenen Oktober sind 40.000 Anhänger der ultrakonservativen Lega Nord durch Mailand gezogen, um "gegen die Invasion" von Flüchtlingen über das Mittelmeer und den Bau von Moscheen zu demonstrieren. Im vergangenen September hat die Anwältin und Politikerin Aicha Mesrar, eine marokkanisch-stämmige Muslima, die seit 23 Jahren in Italien zuhause war, das Land verlassen, weil sie um das Leben ihrer Kinder fürchtete.

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Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?