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Übermaltes Jesus-Bild in Borja: Wie der Affen-Jesus ein spanisches Dorf reich machte

2012 lachte die Welt über die katastrophale Bearbeitung eines Jesus-Freskos in Spanien. Doch die Peinlichkeit einer alten Dame wurde zum Touristenmagneten und brachte Wohlstand in das spanische Dorf.

Von Christoph Fröhlich

Das überpinselte Jesus-Fresko von Borja ist mittlerweile eine beliebte Touristenattraktion in dem 5000-Menschen-Dorf

Das überpinselte Jesus-Fresko von Borja ist mittlerweile eine beliebte Touristenattraktion in dem 5000-Menschen-Dorf

Es war der Lacher des Sommers 2012: Die über 80 Jahre alte Spanierin Cecilia Giménez konnte es nicht mehr ertragen, dass an einem Jesus-Fresko in ihrer Kirche der Zahn der Zeit nagte. Also beschloss sie, die Kirchenkollekte zu schonen und das lädierte Bild des Gottessohnes stattdessen selbst mit Pinsel und Farbe zu retten.

Ein nobler Gedanke, der allerdings nach hinten losging: Statt des Heilands mit Dornenkrone schmückt die Kirche von Borja seitdem das Gemälde eines verunstalteten Jesus Christus. Der erinnert mit seinem einfältigen Gesichtsausdruck und der übermäßigen Körperbehaarung aber eher an einen fetten Affen mit Knopfaugen. Das Bild sehe aus wie "ein aufgeblähter Igel", urteilte der britische "Guardian". Sämtliche Rettungsversuche scheiterten, das Fresko wurde unwiderruflich zerstört. Die Seniorin gab zu, "dass die Dinge etwas aus dem Ruder gelaufen seien".

Links das vom Verfall bedrohte Original des "Ecce Homo", rechts das überpinselte Fresko von Cecilia Giménez

Links das vom Verfall bedrohte Original des "Ecce Homo", rechts das überpinselte Fresko von Cecilia Giménez

Mit den Touristen kam der Wohlstand

Die Geschichte kam nach dem Fiasko jedoch erst richtig in Fahrt - und sie ist gut ausgegangen: Im Internet wurde der Monchichi-Jesus in Rekordzeit zu einer kleinen Berühmtheit. Medien auf der ganzen Welt berichteten über den wohl missglücktesten Restaurationsversuch aller Zeiten. Hunderte Photoshop-Montagen überschwemmten die sozialen Netzwerke. Und die anfängliche Lachnummer entwickelte sich zum Touristenmagneten: Mittlerweile haben mehr als 150.000 Besucher aus allen Ecken der Welt das Jesus-Fresko mit eigenen Augen bestaunt. Die Kirche "Iglesia del Santuario de la Misericordia" kassierte dafür jeweils einen Euro Eintritt von den Touristen. Und der Besucherstrom reißt immer noch nicht ab, der Billigflieger Ryanair musste wegen der Besuchermassen sogar seine Flüge zum benachbarten Flughafen aufstocken.

Anfangs wurde Cecilia Giménez als verwirrte, alte Frau abgestempelt, jetzt ist sie ein Star in ihrem Dorf. Jedes Jahr am 25. August, dem Tag des Restaurationsversuchs, wird sie von der 5000-Seelen-Gemeinde gefeiert. In den vergangenen sechs Jahren mussten wegen der Finanzkrise 300 Arbeitsplätze gestrichen werden. Dank des Touristenbooms läuft es für viele Restaurants nun wieder rund, auch lokale Museen und Händler profitieren vom Rummel um das verpfuschte Fresko.

"Eine Geschichte des Glaubens"

Auch andere Unternehmen nutzen den dicken Jesus, um ihre Waren an den Mann zu bringen: Ein nahegelegenes Weingut druckt den Affen-Heiland auf das Flaschen-Etikett, um den Verkauf anzukurbeln. In einem beliebten spanischen Film hat das Bild einen Gastauftritt, als es von Dieben gestohlen werden soll. Und in den USA wird längst an einer Comic-Oper gearbeitet, in der die Geschichte einer Frau erzählt wird, die ein Fresko ruiniert und damit eine Stadt rettet.

"Für mich ist es eine Geschichte des Glaubens", sagt Andrew Flack, Librettist der Oper, der "New York Times". Es sei ein Wunder, wie dieser Fall den Tourismus angekurbelt habe. "Gott wirkt auf verschiedenen Wegen. Dein Desaster kann ein Wunder sein."

Die Peinlichkeit von Borja ist längst zur Pop Art geworden.

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