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Kanzler-Porträt: Kohl als "dicker Schinken"

Zur Ahnengalerie der deutschen Regierungschefs im Bundeskanzleramt gehört nun auch das Porträt Helmut Kohls. Geschaffen hat es der Ostberliner Künstler Albrecht Gehse. Über das Honorar schwiegen Auftraggeber und Maler eisern.

Helmut Kohl ist in Form eines Ölgemäldes in das Bundeskanzleramt zurückgekehrt. Seit Freitag hängt das Porträt des Malers Albrecht Gehse in der offiziellen Ahnengalerie der deutschen Kanzler in Berlin. Bei der Hängung wurde das Bild von einigen Gästen als "dicker Schinken" beschmunzelt. Tatsächlich hat der Künstler Konrad Adenauers politischem Enkel wenig staatsmännische Züge verliehen. Vielmehr wurde Kohl im Format von 130 x 110 Zentimeter als lebensfroher Mensch mit raumfüllender Gestalt verewigt.

Neu an der Aktion ist, dass Kohl das Künstlerhonorar aus eigener Tasche beglich. Der Versicherungswert des Bildes ist nach amtlichen Angaben 30.000 Euro. Was der Kanzler der Einheit dem ostdeutschen Maler wirklich gegeben hat, wollen beide nicht sagen.

Porträts aus der Staatskasse

Die Porträts von Konrad Adenauer, Ludwig Erhard, Kurt-Georg Kiesinger, Willy Brandt und Helmut Schmidt waren aus der Staatskasse bezahlt worden. Die ersten Bilder lagen bei umgerechnet rund 5.000 Euro. Den früheren Künstlern war es nach eigenem Bekunden weniger auf Geld, sondern mehr auf die Ehre angekommen, einen deutschen Bundeskanzler im Staatsauftrag malen zu dürfen.

Helmut Kohl hat nach dem Machtwechsel in Bonn verhältnismäßig lange damit gewartet, in die Ahnengalerie einzuziehen. Zuerst wollte er aus Bescheidenheit gar nicht, wie es hieß. Dann kamen die Spendenskandale und schließlich der tragische Tod seiner Frau Hannelore. Kohl war bereits in der Kanzlerzeit von dem Bildhauer Kurt Arentz als Bronzeporträt gestaltet worden. Für das Kanzleramt kommen traditionell jedoch nur Bilder in Frage.

Schließlich hat Kohl einen ostdeutschen Maler wie seinerzeit Helmut Schmidt gewählt, den Bernhard Heisig porträtierte. Er hatte 1986 mit 40.000 Mark (20.451 Euro) das bis dahin höchste Staatshonorar erhalten. Am teuersten kam Willy Brandt, denn sein Bild musste zweimal gefertigt werden. Der renommierte Kirchenfenstermaler und Brandt-Verehrer Georg Meistermann in Köln bekam 35.000 Mark. Das Bild wurde wieder entfernt, da es Brandt wie einen apokalyptischen Reiter darstellte. Das zweite Auftragsbild des Malers Oswald Petersen kostete nach amtlichen Angaben 21.000 Mark, wodurch sich die Gesamtausgaben auf 56.000 Mark summierten.

Schöne Stunden mit Kunst und Wein

Helmut Kohl hat das Modellsitzen im Berliner Atelier von Albrecht Gehse offensichtlich genossen. Er brachte stets einen guten Tropfen von der südlichen Weinstraße mit. Gehse gestand, er sei inzwischen ein Liebhaber Pfälzer Weins. Bei diesen Sitzungen mit Louis-Armstrong-Musik entstand ein Kanzler-Porträt in saftigen Fleischfarben und Europa-Blau. Dem Betrachter des Bildes fallen breite Schultern und ein zu schlanker rechter Arm auf. Der Künstler schönte dafür die Wangenpartien und machte den Altkanzler im Gesicht etwas schlanker und jünger.

Schon vorab war bei einer internen Vorstellung in der Neuen Nationalgalerie Berlin das Gemälde von Persönlichkeiten gelobt worden, die zu Kohls Amtszeit in hohen Ämtern der Kulturpolitik waren. Der frühere Berliner Kultursenator Christoph Stölzl würdigte die "karolingische Statur" des Kanzlers. Der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Peter-Klaus Schuster, prophezeite: "Wir werden dieses Bild verinnerlichen."

Es sei ausdrucksstark genug, die Erinnerungsfetzen an Birnen-Karikaturen zu tilgen, die derzeit ja der eine oder andere noch in seinem Gedächtnis trage.

Joe F. Bodenstein / DPA