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Lesbische Teenager-Beziehung in den USA: 15 Jahre Haft für verbotene Liebe

Kaitlyn Hunt ist das All-American-Girl: Hübsch, beliebt und Cheerleaderin. Wegen ihrer lesbischen Liebe zu einer Mitschülerin sitzt sie im Gefängnis. Dem Teenager drohen 15 Jahre Haft.

Von Gernot Kramper

Offiziell ist Homosexualität in Florida nicht verboten. In der Praxis aber schon, davon sind jedenfalls Kaitlyn und ihre Eltern überzeugt. Wegen ihrer lesbischen Liebesbeziehung drohen dem Mädchen 15 Jahre Haft. Ein Strafmaß, das selbst im homophoben Russland nicht denkbar wäre. Kein übermoralischer Staatsanwalt treibt das Verfahren in Vero Beach, Florida, gegen Kaitlyn an, die Eltern ihrer minderjährigen Geliebten wollen sie hinter Gitter bringen. Und im Moment sieht es so aus, als hätten sie Erfolg.

Teenagerliebe

Kaitlyn hatte sich Anfang des Jahres - damals war sie 18 - beim Basketball in eine 14-jährige Mitschülerin verliebt. Die Romanze war einvernehmlich. Nur den Eltern des Mädchens passte die neue Liebe nicht. Sie zeigten Kaitlyn wegen Verführung einer Minderjährigen bei der Polizei ab. Angeklagepunkte sind "unzüchtiges Verhalten" und "sexuelle Übergriffe".

Die 19-Jährige landete unlängst im Gefängnis, weil sie sich ihre Liebe nicht verbieten lassen wollte. Juristisch klug hat sich die junge Frau nicht verhalten. Dann hätte sie ihre Liebe vergessen und sich nach der Anklage von der Geliebten ferngehalten. Und alles wäre mit einer Art Schuldeingeständnis, ein paar Arbeitsstunden und einer Verwarnung beendet worden. Aber: Kaitlyn ist eben keine Kinderschänderin, die nur mal mit einem Teenie rummachen wollte, sie ist verliebt. Und das offenbar so, wie es junge Leute seit Romeo und Julia sind: Sie liebt kompromisslos und gegen alle Vernunft.

Unterstützung durch die Eltern

Zum Glück für Kaitlyn stehen ihre Eltern ihr ebenso kompromisslos zur Seite. Vater Steve Hunt wirkt wie ein Bulldozer neben seiner zierlichen Tochter. Er hat seinen Frieden mit ihrer gleichgeschlechtlichen Neigung gemacht, ist aber wild entschlossen, zur Not gegen die ganze Welt zu kämpfen, wenn die sich dem Glück seiner Tochter entgegenstellt.

Juristisch sieht es schlecht aus für Kaitlyn. Nach Erhebung der Anklage durfte sie ihre Geliebte weder sehen, noch Kontakt zur ihr aufnehmen, von irgendwelchen Zärtlichkeiten gar nicht zu reden. Aber sie tat es trotzdem. Sie hielt sich nicht an die gerichtlichen Auflagen und wurde so zur notorischen Rechtsbrecherin.

Anstössige Liebes-Botschaften

Zuerst sollte Kaitlyn die Haft vor dem Prozess erlassen werden, doch die beiden Teenager sollen trotz des Kontaktverbots Zehntausende von SMS ausgetauscht haben - darunter viele mit eindeutigem Inhalt. "Jetzt ist endgültig Schluss mit dem Simsen", sagte Richter Robert Pegg laut CNN und schickte Kaitlyn ins Gefängnis. Für die eindeutigen Liebes-SMS droht Kaitlyn nun eine weitere Anklage: Zusendung pornografischer Inhalte.

Für Kaitlyn geht es nicht nur um eine Romanze, für sie steht ihre Identität auf dem Spiel. Und dafür setzt sie ihre ganze Existenz aufs Spiel. Das Mädchen hat Angst, für etwas bezahlen zu müssen, das sie nicht als Unrecht sehen kann. Sie sagte: "Ich habe Angst, mein Leben zu verlieren. Vielleicht darf ich nie wieder zur Schule, kann nicht mehr mit meinen Eltern und meiner Schwester leben." Aber sie ist wild entschlossen, nicht klein beizugeben und sich zu verbiegen. Aber während der Anhörung im Gerichtssaal war sie von Tränen überströmt.

Angebliche Schläge und Bibelstunden für die Freundin

Wenig tröstlich ist auch das Schicksal ihrer Freundin, deren Name wegen des Alters nicht genannt werden darf. Die Anwältin von Kaitlyn sagte dem Nachrichtensender CNN, ihre Meinung zähle im Prozess gar nichts. Sie darf nicht aussagen. Ihre Eltern sollen ihre ganzen Sachen weggesperrt haben. Sie sollen das Mädchen zur Bekehrung in einen Kirche gebracht haben, die Homosexualität als Sünde verdammt. Obendrein soll das Mädchen geschlagen worden sein.

Hoffnung für Kaitlyn besteht allein durch den Aufruhr, den ihre Eltern verursachen. Die sind alles andere als Leisetreter. Die klagenden Eltern wurden von ihnen öffentlich als "bigotte Heuchler" bezeichnet, die das Leben ihrer Tochter sinnlos zerstören wollen. Auf Facebook erklärte die Mutter Kelley Hunt Smith: "Das ist eine reine Familiengeschichte. Diese Leute wollen ein junges Mädchen ins Gefängnis bringen, weil sie voller Hass sind. Die Mädchen sind nur Teenager, die einvernehmlichen Sex hatten. Meine Tochter ist keine Kriminelle, sie ist kein Raubtier."

Letzte Hoffnung Internet-Unterstützer

Vater Steve weiß auch, dass erotische Beziehungen mit Personen unter 16 Jahren in Florida verboten sind. Er sagt aber auch, dass heutzutage niemand an so einer Beziehung Anstoß genommen hätte, wenn seine Tochter ein Junge gewesen wäre. Für ihn versteckt sich die Diskriminierung nur hinter Gesetzeshüllen, also hat er im Internet eine Solidaritätsaktion für seine Tochter Kaitlyn gestartet. "Ich lasse nicht die Zukunft meiner Tochter zerstören, nur weil sie keine Jungs mag", erklärt er. Fast 47.000 Menschen unterstützen die "Free Kate"-Seite auf Facebook, mehr als 300.000 unterzeichneten eine Petition, die fordert, die Klage fallen zu lassen.

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