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Limburger Bischof: Der falsche Franz

Während der Papst noch immer ein einfaches Gästezimmer des Vatikans bewohnt, lässt sich der Limburger Bischof Tebartz-van Elst ein Protzschloss für 31 Millionen Euro bauen. Das muss Folgen haben.

Ein Kommentar von Frank Ochmann

In der katholischen Kirche gibt es derzeit zwei mit dem Namen Franz, die für Schlagzeilen sorgen: Der eine ist der Bischof von Rom, der alles tut, um jene Glaubwürdigkeit zurück zu gewinnen, die in den Skandalen der vergangenen Jahre verloren gegangen ist – von den weltweiten Missbrauchsfällen bis zu "Vatileaks". Der andere Franz heißt mit einem Bindestrich auch noch Peter und ist Bischof von Limburg. Auch er hat es mit seinem Namen schon bis in die englischsprachigen Medien geschafft. Allerdings dürfte ihn das nicht gefreut haben. Denn man hält Franz-Peter Tebartz-van Elst inzwischen auch international für verschwenderisch – und das ist noch nett formuliert.

5,5 Millionen Euro waren einmal für ein "Diözesanes Zentrum St. Nikolaus" geplant, hinter dem sich vor allem die neue Residenz des Bischofs verbirgt. Noch vor gut einem Jahr war das die offizielle Zahl des Bistums. Seit gestern aber ist nun klar, dass der stilvolle Neubau samt aller Sanierungsmaßnahmen von altem Bestand 31 Millionen Euro kosten soll. Und wofür? Das wusste 2012 der Pressesprecher und würde sich heute vermutlich lieber den Mund zunähen lassen, als sein Statement zu wiederholen: "Leitung in der Kirche ist zuerst und vor allem ein geistlicher Dienst. Das bildet die Architektur auf dem Domberg gekonnt ab."

Da war der andere Franz in Rom noch nicht im Amt. Der bewohnt derweil weiter sein Zimmer 201 in der Casa Santa Marta, dem Gästehaus des Vatikans, wo er schon vor seiner Wahl einquartiert worden war. Nur ein bisschen mehr Platz hat Franziskus jetzt als während des Konklaves, da er sich offenbar entschlossen hat, permanent auf die traditionelle Wohnung im Apostolischen Palast auf der anderen Seite des Petersplatzes zu verzichten. Von Umbaumaßnahmen in Millionenhöhe ist bislang dennoch keine Rede. Und für seine morgendliche Messfeier nutzt der andere Franz die Kapelle, die schon da war, als er einzog. Seiner Frömmigkeit wird das nicht schaden, wie es scheint.

In Limburg hat ein Bischof offenbar vollständig versagt

Man könnte es sich jetzt leicht machen und die beiden Bischöfe namens Franz wie Pole einander gegenüber stellen. Doch das wäre zu viel der Ehre für Franz-Peter Tebartz-van Elst, stünde er doch dann gewissermaßen auf einer Stufe mit jenem Franz in Rom, der so eindringlich wie verständlich sagt, der Hirte müsse nach seinen Schafen riechen. Und der auch so lebt. Es geht beim Limburger Skandal längst nicht mehr um ein anderes Kirchenbild oder einen anderen Stil geistlicher Führung, über den man halt streiten kann. Auch nicht um einen Erste-Klasse-Flug dereinst nach Indien oder eine damit in Zusammenhang stehende vermeintliche Falschaussage, über deren Anzeige gerade die Hamburger Staatsanwaltschaft abschließend berät.

Es geht darum, dass in Limburg ein Bischof offenbar vollständig versagt und dass das Folgen haben muss, wenn der Schaden nicht ins Unermessliche wachsen soll. Details spielen nach den gestrigen Zahlen und dem weiteren Vertrauensverlust kaum noch eine Rolle. Was sollen noch Stellen hinter dem Komma, wenn der eigene Vermögens- und Verwaltungsrat nach dem Blick in die Bücher über den Bischof sagt, man sei offenbar "hinter das Licht geführt worden"? So berichtet es jedenfalls die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Was die Architektur auf dem Limburger Domberg abbildet, um die Phrase des Pressesprechers aufzugreifen, ist vor allem ein weitgehender Realitätsverlust. Da scheinen jener höfische Geist und jenes selbstverliebte Amtsverständnis in den geweihten und gesalbten Kopf des Bischofs gefahren zu sein, von dem der andere Franz in Rom als "Lepra" spricht. Wer aber so erkrankt, braucht dringend den geistlichen Arzt. Und dazu die Hilfe seiner Brüder im Amt.

Die hatten sich schon im Fall des früheren Augsburger Bischofs Walter Mixa schwer getan und haben hoffentlich inzwischen daraus gelernt. Die deutschen Bischöfe sind also nun wieder gefragt, dazu der römische Bruder und sein Vertreter in der päpstlichen Nuntiatur in Berlin. Denn so wie bisher kann es in Limburg nicht weitergehen.