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Haft in Indonesien: Todeskandidatin Mary Jane Veloso - kann sie noch gerettet werden?

Mary Jane Veloso entkam in letzter Sekunde der Todesstrafe in Indonesien. Sie sitzt weiterhin im Gefängnis und hofft, bald in ihre Heimat, die Philippinen, zurückkehren zu können. Der stern hat mit ihrem Anwalt gesprochen.

Mary Jane Veloso entkam der Todesstrafe in Indonesien

Mary Jane Veloso entkam der Todesstrafe in Indonesien

Für die meisten Menschen ist der Tod etwas Fernes, Ungreifbares. Er ist ein Gedanke, den man schnell verdrängt. Mary Jane Veloso hat dem Tod direkt ins Auge geblickt: Am 29. April 2015 sollte sie sterben. Es war der Tag ihrer Hinrichtung.

Gemeinsam mit neun Gefangenen in der Todeszelle eines indonesischen Gefängnisses sollte sie vor ein Erschießungskommando treten. Dafür, dass bei ihrer Einreise nach Indonesien Rauschgift in ihrem Koffer gefunden wurde. Mary Jane Veloso hatte sich bereits von ihrer Familie, ihren Kindern verabschiedet. Ein solches Schicksal noch abzuwenden, würde einem Wunder gleichen.

Veloso hat ein solches Wunder erleben dürfen. Wenige Stunden vor dem geplanten Termin wurde die Exekution gestoppt. Acht Menschen wurden an besagtem Abend auf der Insel Nusa Kambangan erschossen. Veloso überlebte. Ihr Schicksal bewegte damals die ganze Welt: Die 31-Jährige gilt als mutmaßliches Opfer von Menschenhändlern. So wie viele ihrer Landsleute ging sie ins Ausland, um der Armut zu entfliehen - und riskierte dafür ihr Leben. Zahlreiche Menschen erhoben ihre Stimme für Mary Jane Veloso - sogar der philippinische Box-Star Manny Pacquiao setzte sich für ihre Begnadigung ein. 

"Sehr besorgt und ängstlich"

Fakt ist: Mary Jane Veloso sitzt nicht mehr auf dem Todestrakt. Doch wie geht es für sie weiter? Das Schicksal der zweifachen Mutter ist weiterhin ungewiss, da der Fall noch immer verhandelt wird. Veloso sitzt ihrem Anwalt Edre Olalia zufolge im Gefängnis in Yogyakarta auf der Insel Java. "Ich habe sie das letzte Mal im Januar gesehen", sagte er zum stern. "Sie war sehr besorgt und ängstlich über den langsamen Verlauf in dem Rechtsfall."

Dem Anwalt zufolge läuft auf den Philippinen derzeit ein Verfahren gegen mutmaßliche Schlepper, die die junge Frau nach Indonesien gelockt haben sollen, um sie als Drogenkurier zu missbrauchen. "Innerhalb des letzten Jahres konnten wir nur ihre Schwester und ihre Mutter als Zeugen vorstellen", sagte er. Die nächste Anhörung sei am 14. Juni.

Extreme Armut führte sie ins Ausland

In die Todeszelle kam Veloso, weil sie im April 2010 am Flughafen von Yogyakarta auf Java mit 2,6 Kilogramm Heroin festgenommen worden war. Drogenhandel wird in Indonesien mit hohen Strafen belegt - im schlimmsten Fall mit der Todesstrafe. Veloso sagt, dass ihr die Drogen in die Reisetasche gesteckt worden seien, sie will davon nichts gewusst haben.

Für die 31-Jährige gingen damals auch deshalb so viele Philippiner auf die Straße, weil Velosos Werdegang kein Einzelfall ist. Millionen Philippiner haben nach Angaben der Menschenrechtsorganisation "Migrante International" ihre Heimat verlassen, um sich im Ausland als billige Arbeitskräfte anzubieten. Nicht selten begeben sie sich damit in Gefahr, werden ausgebeutet.

Auch Mary Jane Veloso stammt aus ärmsten Verhältnissen. Die Familie sammelte und verkaufte Müll, da das Gehalt des Vaters, einem Saisonarbeiter, nicht ausreichte. Schon früh heiratete Veloso und bekam mit 18 ihr erstes Kind. "Mary Jane wurde durch die extreme Armut in die Verzweiflung getrieben", schreibt "Migrante International".

Star-Boxer Pacquiao besuchte Todeskandidatin

Veloso ging zunächst nach Dubai, um als Hausmädchen zu arbeiten. Dann nach Malaysia. Dort soll eine Bekannte ihr einen lukrativen Job in Indonesien versprochen haben - und stellte ihr für die Reise dorthin angeblich auch einen Koffer zur Verfügung. Am Flughafen im indonesischen Yogyakarta wurden dann die Drogen bei Veloso gefunden, eingenäht in ihren Koffer.

Auch wenn die Öffentlichkeit in dem Fall Druck auf die indonesischen Behörden ausgeübt hat, gerettet wurde Veloso wahrscheinlich von einem anderen Umstand: Nur wenige Stunden, bevor sie hingerichtet werden sollte, erschien auf den Philippinen eine Frau bei der Polizei. Sie hatte angeblich Todesdrohungen erhalten und wollte sich stellen. Es soll sich um jene Frau handeln, die Veloso nach Indonesien gelockt haben soll.

Velosos Geschichte ging im vergangenen Jahr weltweit durch die Medien. Manny Pacquiao besuchte seine Landsfrau sogar im Gefängnis.

Anwalt wünscht sich mehr Unterstützung

Kann Veloso auf eine baldige Freilassung hoffen? "Die Chancen stehen nicht schlecht", sagte Anwalt Edre Olalia. "Seit ihrer Begnadigung ist sie in einer wesentlich besseren Position." Dazu hätten auch der Druck durch die Medien und verschiedene Kampagnen beigetragen. 

Generell wünscht er sich jedoch mehr Unterstützung für Menschen wie Mary Jane Veloso. "Ihr Fall und der vieler anderer mit ähnlichem Schicksal ist eine Angelegenheit, die nicht nur verfolgt werden sollte, wenn etwas Berichtenswertes passiert."

Mary Jane Veloso habe trotz aller Geschehnisse nicht ihren Optimismus und ihre Tapferkeit verloren, sagte er. "Wir alle haben die Hoffnung, dass sie noch zu ihrem Recht kommt."

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Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?