VG-Wort Pixel

Meuterei auf den Malediven Präsident laut Partei mit Waffengewalt zum Rücktritt gezwungen


Nach dem Rücktritt von Präsident Nasheed auf den Malediven erheben dessen Anhänger schwere Vorwürfe gegen den Nachfolger. Sie sprechen von einem Putsch - und davon, dass Nasheed mit vorgehaltener Waffe gezwungen wurde, abzudanken.

Der bisherige Präsident der Malediven, Mohamed Nasheed, ist nach Angaben seiner Partei von Sicherheitskräften mit Waffengewalt zur Aufgabe seines Amtes gezwungen worden. "Der Präsident wurde mit vorgehaltener Waffe dazu gezwungen, seinen Rücktritt zu unterzeichnen", sagte der bisherige Außenminister Ahmed Naseem am Mittwoch per Telefon der Nachrichtenagentur dpa in Colombo. Die Soldaten und Polizisten hätten auf Anordnung von Vizepräsident Mohammed Waheed Hassan gehandelt, der am Dienstag in Male die Amtsgeschäfte von Nasheed übernommen hatte. "Das ist ein Putsch."

Naseem war ebenfalls am Dienstag von seinem Amt zurückgetreten. Er gehört wie Nasheed der Maledivischen Demokratischen Partei (MDP) an. Bei Protesten von Anhängern Nasheeds in der Hauptstadt Male kam es am Mittwoch zu Übergriffen. Naseem sagte, Unterstützer Waheeds und Polizisten hätten die Demonstranten angegriffen, unter denen auch der bisherige Präsident gewesen sei. "Sie waren auf einem friedlichen Marsch." Mehrere Menschen seien verletzt worden. Ein Reporter schätzte die Zahl der Demonstranten auf 4000.

Hintergrund des Konflikts ist ein Machtkampf zwischen dem früheren autokratischen Herrscher Maumoon Abdul Gayoom und Nasheed, der als erster freigewählter Präsident die südasiatische Inselkette regierte. Nach 30 Jahren an der Macht war Gayoom dem früheren politischen Gefangenen Nasheed bei der Wahl 2008 unterlegen.

"Ich will nicht durch Gewalt an der Macht bleiben"

Urlauber auf den Malediven - darunter 5000 Deutsche - sind nach Angaben des Tourismusministeriums vom Dienstag nicht von dem Konflikt betroffen. Der 44-jährige Nasheed hatte zur Begründung seines Rücktritts in einer Fernsehansprache gesagt: "Ich will nicht durch Gewalt an der Macht bleiben." Anhänger Gayooms sagten Waheed - der als westlich geprägt gilt und lange für die Vereinten Nationen arbeitete - ihre Unterstützung zu. Sie kündigten zugleich ein Ende der wochenlangen Oppositionsproteste in Male an.

Ein MDP-Sprecher namens Mohammed Latif sagte, die Proteste von Nasheeds Anhängern seien auch gegen Maßnahmen gerichtet, die dessen Nachfolger nach der Amtsübernahme ergriffen habe. So habe Waheed Reiseverbote gegen einige Angehörige von Nasheeds Regierung und MDP-Abgeordnete erlassen, gegen die Vorwürfe des Amtsmissbrauchs erhoben worden seien. Nach Medienberichten ernannte Waheed außerdem neue Chefs der Polizei und der Streitkräfte der Malediven.

Das kleine südasiatische Land besteht aus 1190 Inseln im Indischen Ozean, von denen nur rund 200 bewohnt sind. Tourismus und Fischerei sind die Haupteinnahmequellen der muslimischen Bewohner. Die Malediven sind bei westlichen Urlaubern - und wegen ihrer Korallen- und Fischvielfalt besonders bei Tauchern - sehr beliebt.

DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker