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Totschlag durch Unterlassen: Mord im Rockermilieu: Jetzt wird gegen LKA-Beamte ermittelt

Nach einem Mord im Berliner Rockermilieu wird gegen drei Kriminalbeamte des LKA ermittelt. Sie sollen den Tod von Tahir Ö. billigend in Kauf genommen haben, um ihre Ermittlungen voranzubringen.

Mord im Berliner Rockermilieu - Vorwürfe gegen LKA-Ermittler.

Der Mord an Tahir Ö. wird dem Umfeld der Rockergruppe Hells Angels zugeordnet. Berliner LKA-Ermittler sollen von der Bedrohung gewusst haben.

DPA

Vor viereinhalb Jahren wurde der 26-jährige Tahir Ö. von Rockern aus dem Umfeld der Berliner Hells Angels erschossen. Jetzt ist die Polizei selbst ins Visier der Ermittlungen gerückt. Die Staatsanwaltschaft in der Hauptstadt leitete gegen drei Beamte des Landeskriminalamtes (LKA) ein Ermittlungsverfahren wegen Totschlags durch Unterlassen ein. Die Ermittler stehen im Verdacht, den Tod des Manns in Kauf genommen zu haben, um anschließend gegen die Rockerbande Hells Angels vorgehen zu können. Es sei bekannt gewesen, dass das spätere Opfer gefährdet gewesen sei. Dennoch sei der Mann nicht gewarnt worden, und es habe keinen Plan zur Gefahrenabwehr gegeben, sagte Oberstaatsanwalt Sjors Kamstra am Montag auf einer überraschend anberaumten Pressekonferenz. "Es ist für mich unvorstellbar, dass Polizeibeamte das gemacht haben sollen."

Hells Angels Rocker mordeten im Hinterzimmer

Es gebe Anhaltspunkte, dass die Polizei unsauber gearbeitet habe und es zu einer Reihe von Fehlern gekommen sei, so der Oberstaatsanwalt. Der Leiter der Strafverfolgungsbehörde, Jörg Raupach, kündigte schnellstmögliche Ermittlungen an. Die Berliner Polizei zeigte sich angesichts der Vorwürfe "schwer getroffen" und versicherte, das Strafverfahren "vollumfänglich" unterstützen zu wollen. "Wir sehen den Schutz von Leben und Gesundheit als elementaren Bestandteil und Kern unserer Aufgaben an", erklärte ein Sprecher. Die betroffenen Beamten würden bis auf Weiteres vom Dienst  ausgeschlossen. 

Laut Anklage sollen die Rocker aus dem Umfeld der Hells Angels am 10. Januar 2014 vermummt in ein Wettspiel-Café im Stadtteil Reinickendorf gestürmt sein. Der Mann an der Spitze erschoss im Hinterzimmer den 26-jährigen Tahir Ö. Die 2014 erstmals aufgetauchten Vorwürfe gegen die Polizei seien schon damals geprüft worden, aber nicht ausreichend gewesen, sagte Raupach. Kamstra ergänzte, in dem Prozess hätten LKA-Mitarbeiter die Aussage verweigert, ein Zeuge habe aber in "seltener Klarheit" Fehler der Polizei aufgelistet.

Schwere Vorwürfe gegen Berliner LKA-Beamte

Innensenator Andreas Geisel (SPD) teilte auf Anfrage schriftlich mit: "Die im Raum stehenden Vorwürfe wiegen schwer. Die Staatsanwaltschaft wird alles daran setzen, die Umstände aufzuklären. Selbstverständlich wird die Polizei bei den Ermittlungen unterstützen." Geisel warnte aber vor voreiligen Schlüssen. "Es gilt die Ermittlungen abzuwarten." 

sve / DPA / AFP