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Pöbel-Protest Kran-Kletterer von Münster: Mann legt seit drei Wochen Großbaustelle lahm

Auf einem solchen Baukran hat sich der Mann seit drei Wochen verschanzt
Auf einem solchen Baukran hat sich der Mann seit drei Wochen verschanzt
© Carsten Hoefer / DPA
Im westfälischen Münster turnt seit fast drei Wochen ein Mann auf einem Baukran herum und hält Ordnungskräfte, Anwohner und die Baufirma in Atem. Der stadtbekannte Müllsammler ist sauer auf die Stadt.

Den Kranbesetzer von der Hermannstraße kennt längst ganz Münster. Seit bald drei Wochen sitzt in der westfälischen Stadt ein 58-Jähriger in einem großen Baukran, und hält Anwohner und Ordnungskräfte in Atem. Aus luftiger Höhe pöbelt er gegen die Stadt, und weigert sich herunterzukommen.

Die Baustelle, auf der mehrere Dutzend Wohnungen entstehen, ist derweil durch den Störenfried lahmgelegt. Zudem musste die Polizei bereits angrenzende Straßenabschnitte sperren. Anwohner sind genervt. Polizei und Ordnungsamt beobachten die Lage, greifen aber bislang nicht ein.

Laut den "Westfälischen Nachrichten" ist der Mann am Abend des 25. Juli aus persönlichem Protest auf den Baukran im Stadtteil Kinderhaus geklettert. Das Unrecht, das ihm widerfahren sein soll, besteht darin, dass die Stadtreinigung mehrere Müllsäcke von seinem Grundstück entfernt hat. Zuvor hatte es Beschwerden von Anwohnern über den Unrat auf dem Gelände gegeben. Nun fordert der Mann, der als Messie und Müllsammler gilt, seine Abfall-Schätze zurück. 

Stadtbekannter Müllsammler in Münster

Aus Protest war der Mann Anfang Mai schon einmal auf den Kran geklettert und dort mehrere Tage geblieben. Schließlich kam er wieder herunter und begab sich in psychiatrische Behandlung. Doch nun hat er offenbar noch deutlich mehr Sitzfleisch als beim ersten Mal. Er hat sich Zugang zur Führerkabine des Krans verschafft und hält sich die meiste Zeit dort auf. Immer wieder klettert er auch auf dem Kran herum. Zwischenzeitlich machte er sich an den Abstieg und schien die Besatzung beenden zu wollen – bevor er lautstark schimpfend wieder nach oben kletterte, wie Augenzeugen berichten. Gespräche mit Vertretern der Stadt konnten ihn bislang nicht zum Einlenken bewegen.

Ob er noch über Proviant verfügt, um die Besetzung fortführen zu können, ist unklar. Vor einigen Tagen soll er etwas Regenwasser aufgefangen haben. Ordnungskräfte der Stadt und ein Sicherheitsdienst beobachten den Mann laut "WN" seit Tagen – auch um eingreifen zu können, sollte dieser in eine medizinische Notlage geraten.

Da der Mann niemanden unmittelbar gefährdet und eine friedliche Beendigung der Aktion schwierig ist, lässt die Polizei ihn gewähren. Allerdings gerät das Ganze zunehmend zur Belastung, auch nachts wird ein Sicherheitsdienst eingesetzt, um die Lage im Blick zu behalten. Auch die Baufirma verzweifelt angesichts der nun schon zweiten erzwungenen Baupause. Wenn der Kran-Kletterer wieder den Boden der Tatsachen betritt, muss er sich wohl mindestens wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung verantworten.

Quellen: "Westfälische Nachrichten" / "Bild"

bak

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