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Nach dem Erdbeben Tausend Europäer werden noch in Nepal vermisst


Die Bergungsarbeiten nach dem Erdbeben in Nepal gestalten sich schwierig. Immer mehr Tote werden aus den Trümmern gezogen, die Leichenhäuser sind überfüllt. Von vielen Europäern fehlt jede Spur.

In Nepal werden auch knapp eine Woche nach dem verheerenden Erdbeben rund tausend Europäer vermisst. "Wir wissen nicht, wo sie sind oder wo sie sein könnten", sagte der Chef einer Delegation der Europäischen Union, Rensje Teerink, am Freitag in Kathmandu. Im Auswärtigen Amt hieß es, der Verbleib einer "höheren zweistelligen Zahl" von Bundesbürgern sei noch unklar. Insgesamt wird noch nach Tausenden Menschen gesucht. Die Zahl der gefundenen Toten unter den Trümmerbergen steigt weiter rasch an: Über 6200 Leichen seien bisher geborgen worden, meldeten die Behörden. Am Vortag waren noch 5500 Tote gezählt worden.

Die in Nepal reisenden Rucksack-Touristen melden sich in der Regel nicht bei ihren Botschaften an. Deswegen ist es schwer abzuschätzen, wie viele sich im Land aufhalten. Die meisten der vermissten Urlauber werden in den Wander- und Bergsteiger-Gebieten des Himalaya vermutet. Der Sprecher des nepalesischen Heimatministeriums, Laxmi Prasad Dhakal, warf der EU vor, die Regierung nicht über die große Zahl der Vermissten informiert zu haben: "Warum haben sie nicht die nepalesische Regierung kontaktiert?"

Tote sofort eingeäschert

Die Bergung der vielen Leichen droht die Behörden zu überfordern. "Die Leichenhallen sind überfüllt und wir haben Anweisungen erhalten, die sterblichen Überreste sofort nach ihrer Bergung einzuäschern", sagte Raman Lal, ein indischer Militärangehöriger, der in das Nachbarland abkommandiert wurde. Der Gestank der verwesenden Leichen unter den Trümmern der teils zerstörten Siedlungen erschwerte es den Überlebenden, in ihre ohnehin häufig beschädigten Heime zurückzukehren.

Wieder verbrachten viele der 28 Millionen Nepalesen die Nacht im Freien. Nachbeben lösten neue Ängste vor schweren Erdstößen aus. Nach Angaben der UN sind bei dem Beben der Stärke 7,9 vergangenen Samstag rund 600.000 Häuser zerstört worden. Finanzminister Ram Sharan Mahrat erklärte, sein Land benötige mindestens zwei Milliarden Dollar, um Wohnhäuser, Krankenhäuser, öffentliche Gebäude und historische Stätten wieder aufbauen zu können. "Dies ist nur eine vorläufige Schätzung und es wird einige Zeit brauchen, um den Schaden zu ermessen und den Wiederaufbau zu bewerten", sagte er Reuters.

tkr/Reuters Reuters

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