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Neue Erkenntnisse im Fall Diren D. Teenager gestehen Einbruch bei Todesschützen


Der Prozess gegen den Todesschützen des Austauschschülers Diren D. kommt vor ein höhreres Gericht. Derweil haben zwei Teenager zugegeben, mehrfach in die Garage von Markus K. eingestiegen zu sein.

Im Fall des verstorbenen Hamburger Austauschschülers gibt es neue Erkenntnisse: Weder Diren D. noch der andere Austauschschüler, mit dem er unterwegs war, waren für einen früheren Einbruch bei dem Hausbesitzer verantwortlich. Zwei andere Teenager hätten zugegeben, dass sie die Wertsachen und ein Einmachglas voll Marihuana gestohlen hätten. Das geht aus einer am Montag (Ortszeit) in Missoula vorgelegten Zusammenfassung der Ermittler hervor. Zudem hatte der Garagenbesitzer in Montana nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein ganzes Arsenal von Waffen in seinem Haus. Die Polizei habe dort mehrere Gewehre, eine Pistole und eine weitere Schusswaffe gefunden, heißt es in den Unterlagen.

Der Hausbesitzer Markus K. hatte in der Nacht zum 27. April vier Schüsse auf den 17-jährigen Austauschschüler abgegeben. Einer der Schüsse traf Diren D. in den Kopf und tötete ihn. K. habe blindlings in die Garage geschossen und sein Ziel nicht erkennen können, heißt es in den Unterlagen der Staatsanwaltschaft. Zeugenaussagen zufolge hatte er nächtelang darauf gewartet, einen Einbrecher zu erwischen.

Prozess kommt an höheres Gericht

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Todesschützen wurde inzwischen an ein höheres Bezirksgericht verwiesen. Das teilte eine Sprecherin des County Justice Court in Missoula im Staat Montana mit. Unklar sei aber, wann es in Missoula zu einer Anhörung und zu einem Prozess kommen werde, sagte die Sprecherin weiter. Zu der Anhörung am Montag seien der 29-jährige Angeklagte und sein Anwalt erwartungsgemäß nicht erschienen. Markus K. wird vorsätzliche Tötung vorgeworfen, er beruft sich nach Angaben seines Anwalts auf Notwehr.

Unklar ist nach wie vor, was Diren nachts in der fremden Garage wollte. Nach den Worten des Anwalts des Angeklagte soll er bereits zuvor drei oder vier weitere, fremde Garagen betreten haben. Er berief sich dabei auf Aussagen von Direns Begleiter, die dieser bei der Polizei gemacht habe. Bereits zuvor war spekuliert worden, ob der 17-Jährige bei einer sogenannten "Garage-Hopping-Tour" möglicherweise Alkohol gesucht und deshalb mitten in der Nacht die dunkle, offen stehende Garage betreten habe.

Organisation will Programm nicht ändern

Trotz des tragischen Todesfalls will Direns deutsche Austauschorganisation ihr Programm nicht ändern. "Wir sehen keinen Anlass, dass wir irgendetwas anders machen, anders vorbereiten müssten", sagte ein Sprecher des Unternehmens Xplore in Hamburg. Waffenbesitz in den USA sei schon vorher immer ein Thema gewesen, auch Diren sei darüber aufgeklärt worden. "Es war nie so, dass unsere Schüler unwissend in die USA gegangen sind."

Man sei nach wie vor in engem Kontakt mit Direns Familie, sagte der Sprecher der Organisation, die ungefähr 100 Schüler pro Jahr in die USA vermittelt. Das Geschehene sei tragisch und furchtbar, sagte er. "Aber es ist ein Einzelfall und nichts, was das Programm an sich nachhaltig beeinflusst." Alle neun Mitarbeiter hätten Diren gekannt. "Wir waren alle geschockt und konnten es nicht glauben." Direns Betreuung vor Ort hatte die Organisation Council on International Educational Exchange (CIEE) übernommen.

fme/AFP/DPA DPA

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