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Geschichte eines Kulturphänomens: Auch Frauen tragen schon immer Bart

Seit Jahrtausenden ist der Bart ein Kulturphänomen, er stand gar für Macht und Weisheit. Und wurde auch vor Conchita Wurst von Frauen getragen. Das Berliner Neue Museum widmet dem Bart nun eine spannende Ausstellung.

Von Erik Häußler

Conchita Wurst und ihr Bart

Dass Frauen nicht erst seit dem ESC-Sieg von Conchita Wurst Bart tragen können, zeigt die Ausstellung "Zwischen Natur und Rasur" in Berlin.

Auf den ersten Blick haben der Wrestler Hulk Hogan, die Malerin Frida Kahlo, Kaiser Wilhelm I. und Sängerin Conchita Wurst wenig gemeinsam. Und doch verbindet sie alle eines: ihr Bart. Ob gezwirbelter Schnäuzer, fransiger Kinnbart oder der klassische Rauschebart, Gesichtsbehaarung ist ein Kulturphänomen und seit Jahren wieder in Mode. Mittlerweile weit über die Grenzen der Berliner Hipsterclubs hinaus. Grund genug, das Thema genauer unter die Lupe zu nehmen.

Gesichtsbehaarung hat es immer gegeben. Sie ist Ausdruck von Persönlichkeit, Gruppenzugehörigkeit, Überzeugung - auch bei Frauen. Bart ist Kommunikation, sagen 26 Nachwuchswissenschaftler, die dem Bart gar eine eigene Ausstellung  im Berliner Neuen Museum gewidmet haben. Die Ausstellung erzählt Geschichten hinter dem Kulturphänomen Bart - vom griechischen Philosophen Platon bis zum Rapper McFitti.

Hier geht es um alle Seiten der Bedeutung des Bartes: vom derben Naturburschen bis zum mächtigen Herrscher. Mal ist er hip, dann wieder out, mal ist er zottelig wie bei Marx, dann metrosexuell-rasiert. Die Ausstellung spielt mit Klischees, hinterfragt sie, um sie dann wieder zu brechen. Frauen mit Bart - ja, das gibt es auch! Und das nicht einmal selten. Im 19. Jahrhundert wurden solche "Kuriositäten" gegen Geld auf Jahrmärkten bestaunt. Mit Mariam, bekannt aus der Sat.1-Kuppelshow "Schwer verliebt" wird in der Berliner Ausstellung eine selbstbewusste Bartträgerin von heute präsentiert.

Der Bart ist ein Spiegel der Zeit. Bereits vor 5000 Jahren rasierten sich die Menschen. Archäologen haben Rasierklingen als Grabbeigaben gefunden. "Die Rasur unterschiedet den Menschen vom Tier", sagt Benjamin Wehry vollmundig, einer der Macher der sammlungsübergreifenden Ausstellung. Mal wird in der Historie rasiert, dann wieder bewusst wachsen gelassen. Waren Platon und Kaiser Hadrian mit ihren Vollbärten die Hipster der Antike? Ein klares Jein. Ja, weil auch sie Styling-Trends gesetzt haben, die viele Nachahmer fanden. Und Nein, weil ihre Bärte für Weisheit und Macht standen, was das allgemeine Berliner Exemplar eher nicht symbolisiert.

Wie bei jedem Modetrend gab es natürlich auch Phasen, da wirkten Bärte wie Schulterpolster in den 2000er Jahren, wie das "Arschgeweih" im Jahr 2015: völlig aus der Mode. Alexander der Große hat schon in den 330ern v.Chr. mit dem Trend des großen Philosophen Platon gebrochen und sich glatt rasiert. So schnell geht das eben mit diesen Modehypes - damals, wie heute.

Kippt der Trend also schon bald? Es gibt Anzeichen: Schauspieler und Sänger Jared Leto ist wieder ohne unterwegs, auch "Bild"-Zeitungsherausgeber und Mode-Schwergewicht Kai Diekmann hat sich wieder vom Silicon-Valley-Bart getrennt. Aber keine Sorge, liebe Naturburschen, man kann mit den Gesichtsstoppeln im Jahr 2015 vielleicht kein Boulevard-Blatt mehr leiten, aber immerhin noch "Sexiest Man Alive" werden - vielen Dank, David Beckham.

Die Ausstellung "Bart - Zwischen Natur und Rasur" ist vom 11. Dezember 2015 bis zum 28. Februar 2016 im Neuen Museum Berlin zu sehen.