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Land Niedersachsen Nach Freispruch im Organspendeskandal: Arzt steht Millionenentschädigung zu

Der angeklagte Arzt und sein Verteidiger Steffen Stern am 06.05.2015 im Gerichtssaal in Niedersachsen
Der angeklagte Arzt und sein Verteidiger Steffen Stern 2015 vor dem Urteil im Skandal um Spender-Organe an der Universitätsmedizin in Göttingen (Niedersachsen) im Gerichtssaal
© Swen Pförtner / Picture Alliance / DPA
Fast ein Jahr saß ein ehemaliger Chirurg der Göttinger Uniklinik wegen des Organspendeskandals in Untersuchungshaft, ehe er freigesprochen wurde. Nun muss ihm das Land Niedersachsen eine Entschädigung in Millionenhöhe zahlen.

Das Land Niedersachsen muss einem im Göttinger Organspendeskandal freigesprochenen Arzt eine Entschädigung von 1,2 Millionen Euro zahlen. Das teilte eine Sprecherin des Oberlandesgerichts (OLG) Braunschweig mit. Zuvor hatte sich das Land in dem Berufungsprozess am OLG gegen die Entschädigungszahlung an den Mediziner gewehrt. Das Oberlandesgericht bestätigte nun im Wesentlichen das Urteil des Landgerichts Braunschweig, das dem Arzt im vergangenen Jahr eine Entschädigung von rund 1,2 Millionen Euro zugesprochen hatte.

Niedersachsen: Arzt forderte Entschädigung für verpasstes Gehalt

2015 war der frühere Chirurg an der Göttinger Uniklinik in einem bundesweit aufsehenerregenden Prozess vom Vorwurf des elffachen versuchten Totschlags und der dreifachen Körperverletzung mit Todesfolge freigesprochen worden. Zuvor hatte der heute 53-Jährige fast das komplette Jahr 2013 in Untersuchungshaft verbracht und wurde nach Zahlung einer Kaution von 500.000 Euro entlassen.

Seine Forderung nach der Millionen-Entschädigung begründete er nicht nur mit der U-Haft und Zinsschäden durch die Kaution von 500.000 Euro. Es ging ihm vor allem um ein verpasstes Gehalt von 50.000 US-Dollar pro Monat in Jordanien, wo er eine neue Stelle antreten wollte. Dieser Posten machte nach Angaben des Oberlandesgerichts mit circa 1,1 Millionen Euro den größten Teil der Klage aus.

Die Revision hat der Senat nicht zugelassen. Das Land kann innerhalb von vier Wochen Nichtzulassungsbeschwerde einlegen. Die Generalstaatsanwaltschaft Braunschweig kündigte an, die Urteilsgründe sorgfältig zu prüfen und dann zu entscheiden, ob eine solche Beschwerde eingelegt werden soll.

meh DPA

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