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Oktoberfest in München: Anzapfen will gelernt sein

Beim Anschlagen des Bierfasses steht das Ansehen des Münchener Oberbürgermeisters jedes Jahr aufs Neue auf dem Prüfstand. Hilfe sucht er sich deshalb bei einem Anzapftrainer.

Die Eröffnung des Münchener Oktoberfestes ist das Privileg des Münchner Oberbürgermeisters. In seiner "Dienstkleidung", dem grünen oder ledernen "Schaber" als Schurz der Schankkellner, zapft er am ersten Wiesntag um Punkt 12.00 Uhr das erste Fass an und startet mit dem Ruf "O'zapft is" das größte Volksfest der Welt.

Alljährlich wird mit Spannung erwartet, wie viele Schläge das Stadtoberhaupt braucht - die Zahl wirkt sich auf sein Image aus. Oberbürgermeister Christian Ude ist beim Anzapfen Rekordhalter. Als erster OB schaffte es der SPD-Politiker 2005, den Zapfhahn mit nur zwei Schlägen in das Fass zu treiben. Den Versuch, mit einem einzigen Schlag auszukommen, hat er nie unternommen.

Vorbereitung mit langjährigem Anzapftrainer

Das Anzapfritual entstand 1950. Der damalige Oberbürgermeister Thomas Wimmer griff im Schottenhamel-Zelt zum Schlegel, um das erste Fass anzuzapfen. Er brauchte 19 Schläge. Auch Ude musste am Anfang Lehrgeld zahlen: Im seinem ersten Amtsjahr 1993 ertönten nach dem sechsten Schlag "Aufhören-Aufhören"-Rufe - trotzdem musste der Linkshänder noch einmal nachsetzen, bis er mit dem erlösenden Ruf "O'zapft is" die Wiesn eröffnen konnte.

Wer heute zum Anzapfen antritt, bereitet sich meist vor - Ude mit seinem langjährigen Anzapftrainer, dem Brauer Helmut Huber. Geübt wird erst mit einem leeren Fass, dann mit einem voller Wasser. Erst dann darf sich der Debütant an einem richtigen Bierfass versuchen. Denn Bier enthält Kohlensäure. Der dadurch entstehende Druck macht das Anzapfen schwieriger - und manchmal auch ziemlich feucht.

awö/DPA / DPA
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